Die alte Vroni

Mit Humor zur Hundert: Veronika Feller feiert mit der Stadt Penzberg

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Blumen über Blumen bekam Veronika Fellner zu ihrem 100. Geburtstag, zu welchem ihr Einrichtungsleiterin Sibylle Pichler, Tochter Lydia Wallner und Bürgermeisterin Elke Zehetner (hinten von links) gratulierten.

Penzberg – In Fuchsia leuchten die Blüten auf ihrer Bluse, ein rosafarbenes Seidentuch schmiegt sich um ihren Nacken, an ihren Füßen glänzen weinrote Lackslipper. Veronika Feller hat sich zurechtgemacht. Chic sieht sie aus, als sie an diesem Nachmittag auf ihrem Zimmer im Steigenberger Hof sitzt.

Sonnenstrahlen fallen durch das Fenster. Veronika Fellner lächelt. Wer nun aber glaubt, die Dame sei so fein gekleidet und gut gelaunt, weil sie gerade ihren 100. Geburtstag feiert, der irrt. Fellner lacht ihr Leben lang von Herzen gern, vielleicht ist das der Grund, aus dem nun eine dreistellige Zahl auf ihren Geburtstagskarten prangt. Rein rechnerisch ist die Seniorin eigentlich schon 200 Jahre alt, zumindest 200 Geburtstage hat sie schon gefeiert. Als Veronika Fellner nämlich 1919 in Sitzambuch das Licht der Welt erblickte, ging ihr Vater erst am nächste Tag auf das Amt, um seine Tochter anzumelden, einfach aus dem Haus spazieren konnte nämlich nicht, bei elf weiteren Kindern unterm Dach. Auf dem Amt habe man dann das falsche Geburtsdatum eingetragen, das des Folgetages, erzählt Fellners einzige Tochter Lydia Wallner. Der Jubilarin, die nun ihren 100. Geburtstag feiert, schmunzelt, als sie die alte Geschichte hört. Ihr scheint das damalige Schlamassel nichts auszumachen, vermutlich weil die lebensfrohe Frau so noch öfter feiern konnte. Kaum vorstellbar, wie viel Blumensträuße sich da über die Jahre bei der gebürtigen Oberpfälzerin angesammelt haben dürften. Allein an ihrem 100. reihen sich die Vasen auf ihrem Zimmer im Steigenberger Hof aneinander. Neben ihrem Bett steht ein kleiner Holzrahmen, darin ein Bild von ihr als Braut in einer schweren und bestickten schwarzen Robe. Neben ihr steht ihr Gatte. Sie heirateten 1954. Ihren Mann lernte sie kennen, als die gelernte Hauswirtschafterin nach München zog, um dort ein Haus zu verwalten. Heute verwaltet ihre Tochter das Haus. Auch dieses findet sich abgelichtet und eingerahmt am Bett im Zimmer der 100-Jährigen, ein stattliches Altbaugebäude an einer Straßenecke mitten in der Landeshauptstadt. Beruf und Liebe, auf beides blickt Fellner, wenn sie schlafen geht, beide erblickt sie, wenn sie aufsteht. Schon lange teilt sie sich ihr Bett nicht mehr mit ihrem Mann, nur neun Ehejahre blieben dem glücklichen Paar, dann starb er. Fellner heiratete nie wieder.

 „Er war ihre große Liebe“, sagt Wallner. Die Iffeldorferin holte ihre Mutter im vergangenen Jahr nach Penzberg in den Steigenberger Hof. Nun sitzen die beiden zusammen bei einer Karaffe Wasser und Kuchentellern in dem wohl lichtdurchflutesten Raum des Seniorenheims. Die Jubilarin lächelt, während orangenes Sonnenlicht auf sie scheint. Ein Lächeln, dass sie trotz dieses Schicksalsschlages nie verlernt hat. „Ich war ein lustiger Mensch, lebhaft und habe immer Dummheiten gewusst“, schmunzelt die Senioren, als sie über das Geheimnis ihrer vielen Lebensjahre sinniert. Und das scheint sie auch heute noch zu sein. „Humor ist eine ihrer Stärken“, sagt ihre Tochter, die aber auch glaubt, dass es die viele Bewegung war, die ihre Mutter so fit gehalten hat. Zwar lernte Fellner erst mit 50 Jahren das Schwimmen, Rückenschmerzen brachten sie ins Wasser, doch ab diesem Zeitpunkt fuhr sie „mindestens dreimal die Woche mit dem Fahrrad zum Schwimmen“, erinnert sich Wallner. Mit 90 Jahren war damit aber Schluss, da habe man ihr dann das Fahrrad genommen, „weil sie zu flott gefahren ist“, meint ihre Tochter. Auch viele ihrer älteren Geschwister haben ein stolzes Alter über 90 Jahren erreicht, eine sogar ein biblisches, „fast 102“, erinnert sich Wallner. Da fehlt nicht viel, und die Senioren tut es ihrer Schwester gleich. 

Doch an diese Zahl ist am Geburtstag erst einmal nicht zu denken, vielmehr daran, dass Fellner gemeinsam mit der Stadt Penzberg den 100. feiert. Ein Doppeljubiläum, dass Bürgermeisterin Elke Zehetner behagt, sie bringt der rüstigen Dame einen weiteren bunten Strauß vorbei. Der findet vermutlich auf der Kommode seinen Platz, hinter der eine große farbenfrohe Patchworkdecke die Wand schmückt. Das Zimmer in warmen Farben gehalten, die durch die hineinscheinende Sonne noch kräftiger vors Auge treten. Es ist angenehm warm. Noch dürfte Fellner die Fleecedecke nicht brauchen, welche die Rathauschefin ihr als Geschnek überreicht, und auch die kleine Reisetasche im Retro-Design nicht, schließlich soll „die nicht fürs Krankenhaus“ gedacht sein, betont Zehetner. An einen Klinikaufenthalt ist beim Anblick der 100-Jährigen nicht zu denken, munter erzählt sie von ihrem Geburtsort Sitzambuch, der wegen einer prächtigen Eiche auf einer Anhöhe einst zu diesem Namen gekommen war. Vom Erzählen wechselt Fellner dann ins Singen. Spontan entschließt sie sich nun, ihre Stimme zum Jodeln anzuheben. So spontan ist ihr alpenländischer Gesang jedoch nicht immer, „das macht sie jeden Morgen“, schmunzelt Einrichtungsleiterin Sibylle Pichler. Den ein oder anderen Bewohner holt sie mit diesem Ritual bestimmt aus den Federn. Fellner lächelt verschmitzt. Doch nicht nur das Jodeln gehört für die Seniorin zum Morgen dazu, zum Tagesbeginn sucht sie sich auch stets die Kleidung, die sie tragen möchte, heraus, und die „ist immer chic“, sagt Pichler. „Die alte Vroni...“, schmunzelt da Fellner über sich selbst, denn lachen kann die 100-Jährige gut, auch über sich selbst. ra

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