Pilotanlage im Oberland

Großweil: Lob von höchster Stelle für Loisach-Kraftwerk

Auf dem Bild ist das Schachtkraftwerk an der Loisach in Großweil zu sehen.
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Das Schachtkraftwerk an der Loisach in Großweil: Rechts sieht man die Fischaufstiegshilfen und darüber das Technikgebäude.

Großweil – Seit Anfang 2020 läuft das rund 5,4 Millionen Euro teure Schachtkraftwerk – weltweit erstes seiner Art – an der Loisach in Großweil. Aus diesem Anlass wurde dem bayerischen Wirtschaftsminister Huber Aiwanger (Freie Wähler) der fertige Bau vorgestellt.

Auch der Garmischer Landrat Anton Speer (Freie Wähler), MdL und FW-Fraktionsvorsitzender Florian Streibl und Großweils Bürgermeister Frank Bauer (FWG) waren bei dem Termin anwesend. Günther Rösch, Geschäftsführer des Wasserkraftwerks Großweil und Technischer Leiter bei den Gemeindewerken Garmisch-Partenkirchen, sowie Großweils Altbürgermeister Manfred Sporer und ebenfalls Geschäftsführer erklärten den Besuchern die Anlage. Von Aiwanger gab es lobende Worte: Der Minister betonte, wie „sinnvoll“ er diese Art von Wasserkraftnutzung finde und dass er für mehr solcher Anlagen in Bayern sei. Aiwanger bezeichnete den Besuch als „Erweiterung seines Horizonts“.

Einmalige Technik

Die Technik, die dahintersteckt sei einmalig, war zu hören – da der natürliche Flusslauf der Loisach kaum beeinflusst werde. Vor dem bestehenden Wehr wurden zwei Schächte in das Flussbett eingebaut. Das Wasser fällt senkrecht durch die großflächigen Rechenebenen hinab und setzt dabei die Turbinen in Gang, welche wiederrum die Generatoren antreiben. So entsteht Ökostrom, der mehr als 1500 Menschen in der Gemeinde Großweil versorgt. Die Fischwanderhilfen, hintereinandergeschaltete Becken, die an die Strömung angebunden sind, dienen dazu den Tieren den Weg in beide Flussrichtungen zu ermöglichen. Außerdem sind die Abstände der Metallstäbe auf den Rechen nur 20 Millimeter breit – und somit für Fische kaum passierbar. Die Fische werden auch nicht durch die Turbinen angesaugt, weil die Rechen so groß sind, dass die Strömungsgeschwindigkeit niedrig bleibt. Durch einen Kamm werden die Rechen regelmäßig gereinigt, so wird das Geröll und Treibgut runtergeschoben und kann nicht in den Schacht gelangen. Die Anlage funktioniert dank eines von der TU München ausgeklügelten Verschlusssystems auch im Hochwasserfall. Damals entwickelten Professor Peter Rutschmann am Lehrstuhl für Wasserbau und Wasserwirtschaft und der Ingenieur Albert Sepp die Pilotanlage und haben das Patent darauf.

Strom für Gemeinde

Die Kommune Großweil schloss sich mit den Gemeindewerken Garmisch-Partenkirchen und der Kraftwerk Farchant A. Poettinger & Co KG zusammen. Die drei Partner hoben die Wasserkraftwerk Großweil GmbH aus der Taufe. Mit einer Leistung von 420 Kilowatt kann eine jährliche Energieerzeugung von 2,4 Gigawattstunden (entspricht einer Milliarde Wattstunden) erwartet werden. Die Gemeinde Großweil mit all seinen Ortsteilen ist somit komplett autark und darüber hinaus wird noch weitere Energie produziert, die ins Netz eingespeist werden kann. Es kann also mehr Strom gewonnen werden als der Ort das ganze Jahr braucht.

5,4 Millionen Euro investiert

Die geplanten Investitionskosten liegen nach Angaben der Wasserkraft Großweil GmbH bei rund 5,4 Millionen Euro – und seien damit „jenseits jeder Wirtschaftlichkeit“. Ohne die Unterstützung und Förderung durch das bayerische Wirtschaftsministerium wäre der Bau allerdings wohl nicht zustande gekommen, heißt es von den Betreibern. Auch Landrat Speer bedankte sich ausdrücklich bei den Investoren für ihr Durchhaltevermögen. Florian Streibl betonte begeistert, wie einmalig die Anlage auf der ganzen Welt sei. „Das ist High Tech made in Bavaria“, strahlte der Fraktionsvorsitzende.

Viktoria Gray

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