Elegant und hagelfest

In Großweil speichern Dachschindeln Energie

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Energiedach-Enthusiasten: Gemeinderat Horst Piller, Projektleiter Albert Schöberl, Feuerwehrkommandant Jakob Waas sowie die e.on-Vertriebsleiter Gerhard Mayr und Markus Kaunzinger (von links).

Großweil – Ein bewusst gewählter Tag: Menschen gingen für  den Klimaschutz auf die Straßen und die Bundesregierung brachte ihr Klimaschutzpaket auf den Weg, als Albert Schöberl seine Präsentation zu den Solardächern der Großweiler Neubauten unter das Motto „Unser Beitrag zum Klimaschutz“ stellte.

 „Heute ist ein wichtiger Tag“, meinte Horst Piller vom Großweiler Gemeinderat, der sogleich das Warum folgen ließ: „Hier wird etwas getan für den Klimaschutz, und wir können froh sein, dass wir so eine neue Technologie in unserem Dorf vorfinden.“ Neu, und in Oberbayern erstmalig, ist dabei die Form der Photovoltaikanlage, wie Albert Schöberl, Projektleiter der Oberhachinger Firma SNI Immoreal, erklärte. Anstelle von aufgeständerten Modulen ist die Anlage nämlich in Solardachschindeln integriert. Diese werden direkt auf die Unterkonstruktion des Daches montiert und machen übliche Tonziegel damit überflüssig. Dies ist nicht nur optisch eleganter, sondern erlaubt auch eine maximale Ausnutzung der Dachflächen, wodurch mehr Leistung generiert wird. Laut Schöberl sind die Solarschindeln absolut witterungsbeständig, sogar hagelfest, und bieten zudem einen erhöhten Schallwert sowie besseren Schutz vor Hitze und Kälte als Tonziegel. 

Seit vier Jahren habe man die zukunftsweisende Technik verfolgt, fünf verschiedene Hersteller geprüft und sich schließlich für ein deutsches Produkt entschieden. „Ein technisch sehr ausgereiftes System, bei dem es 40 Jahre Garantie auf 80 Prozent der Nennleistung gibt“, wirbt Schöberl. Ein besonderer Vorteil liegt in der eingebauten, automatischen Brandfallabschaltung, „alles, was vom Photovoltaik-Dach gespeist wird, hat dann eine Null-Volt-Spannung“, erklärt er. Das hält auch Jakob Waas, der Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Großweil, für eine „sehr gute Sache“. Dass dadurch im Brandfall nicht nur vom PV-Dach, sondern auch von allen Kabeln und Steckdosen im Haus keine Gefahr mehr für Feuerwehrleute ausgehe, sei „genial“. 

Das Energiekonzept erläuterte dann Markus Kaunzinger von e.on: „Alles, was an Energie produziert wird, speisen wir in die Cloud ein“, schilderte der Vertriebsleiter Solar Bayern. Was nicht für die Selbstversorgung, also Haushaltsstrom, Heizung und Warmwasseraufbereitung, gebraucht werde, wird virtuell abgespeichert und kann zu einem späteren Zeitpunkt kostenfrei abgerufen werden. „Das funktio­niert wie ein Girokonto und wird auch genauso visualisiert“, so Kaunzinger. Im Sommer werde etwa 80 Prozent der Energie generiert, im Winter das aufgebaute Guthaben wieder abgerufen. Das schone nicht nur die Umwelt, sondern durch deutlich niedrigere Nebenkosten auch den Geldbeutel der Bewohner. 

Die geräumigen Neubauten haben größtenteils schon neue Besitzer gefunden, nur zwei Doppelhaushälften stehen noch zum Verkauf. Der Bezug der beiden barrierefreien Mehrfamilienhäuser mit je fünf Wohneinheiten ist für Ende des Jahres geplant, die vier Doppelhaushälften sollen Anfang 2020 folgen. Derzeit herrscht emsiger Betrieb auf der Baustelle, und zwar nicht nur auf den Dächern. Viel auffälliger für die Dorfbewohner sind die massiven Trennwälle am Boden, zu denen es bereits Nachfragen gab, wie Gemeinderat Piller berichtete. „Das sind begrünbare Lärmschutzwände, die uns das Landratsamt zur Auflage gemacht hat“, erklärte Projektleiter Schöberl. Die Systeme aus Stahl­blechen werden mit Erde befüllt, in welche anschließend immergrüne Pflanzen gesetzt werden, denen nach zwei Jahren bunte, bienenfreundliche Pflanzen folgen sollen. „Schall kriegst du am besten mit Masse weg“, erläutert Schöberl den Vorteil des Naturwalls, der in wenigen Jahren nicht mehr von einer natürlichen Hecke zu unterscheiden sei. cw

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