Eine kleine Sensation

Bei der neuen BN-Ortsgruppe Benediktbeuern-Bichl sind die Landwirte mit an Bord

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Eine neue BN-Ortsgruppe aus der Taufe gehoben: Die Vorstandschaft um Dieter Drewanz, Ingrid Busch-Merz, Florian Albrecht, Christel Steinacher und Manfred Häusler (von links) freute sich besonders darüber, dass die Landwirte bei der Gründungsversammlung aktiv mitwirkten.

Benediktbeuern – Bei der Gründungsversammlung der Ortsgruppe Benediktbeuern-Bichl des Bund Naturschutz (BN) zeigte sich, dass das Engagement für die Umwelt längst nicht mehr die Sache von wenigen Weltverbesserern, sondern in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist. 

Rund 60 Benediktbeurer und Bichler begrüßte der BN-Kreisvorsitzende Friedl Krönauer im Gasthof Herzogstand, darunter Bürgermeister Toni Ortlieb, dessen Stellvertreter Hanns-Frank Seller, drei amtierende Gemeinderäte sowie Pater Karl Gei­ßinger vom Zentrum für Umwelt und Kultur (ZUK). „Im ZUK wird bereits seit über 30 Jahren der Schöpfungsgedanke gelebt, Umwelt- und Artenschutz haben dort großes Gewicht“, lobte Krönauer und spannte den Bogen zu den BN-Ortsgruppen. Dort könne man einiges bewegen, denn im BN gebe es keine Herrschaftsstruktur, vielmehr würden Ideen von unten nach oben getragen und fänden dort Unterstützer, erklärte er. 

„Viele Tropfen sind irgendwann ein Teil vom Meer“

Die Initiative zur Gründung einer Ortsgruppe in Benediktbeuern-Bichl ging von einer kleinen Gruppe um FBM-Gemeinderat Rudi Mühlhans aus, darunter auch die in Bichl lebende Journalistin Bettina Kelm, eine ausgewiesene Expertin für Plastikverschmutzung der Weltmeere. Viele Menschen in Kirche, Alpenverein und bei den Wanderfreunden „sind bereits umweltaktiv“, freute sich Mühlhans, der den Vorteil einer BN-Ortsgruppe in den bereits vorhandenen Strukturen des Naturschutzverbands in Bayern sieht. „Wir werden von hier aus nicht die Welt verändern“, räumte er ein, dennoch könne jeder Einzelne selbst etwas tun. „Das mag nur ein kleiner Tropfen sein, aber viele Tropfen sind irgendwann ein Teil vom Meer“, philosophierte Mühlhans. Dass sich auch eine Handvoll Landwirte eingefunden hatte, wurde erfreut wahrgenommen. Obschon die Landwirtschaft „oft gescholten“ sei und häufig andere Ansätze habe, „die Wertschätzung vom Bund Naturschutz ist da“, versicherte Krönauer. Und Mühlhans ergänzte, wie wichtig die Vertreter der Landwirtschaft als Grundeigentümer großer Flächen seien. 

Ideen statt Zeigefinger

Bei der anschließenden Vorstandswahl stellten sich zwei Frauen für den Spitzenposten zur Wahl. Mit zwei Stimmen knapp überlegen war die 64-jährige Christel Steinacher. Sie lebt seit zehn Jahren in Benediktbeuern, „dem schönsten Ort im Oberland“, war vormals in Fürstenfeldbruck zuhause, wo sie Kreisvorsitzende der Frauen-Union und Mitglied im Kreistag war. „Wir müssen was tun“, stellte Steinacher fest, dazu will sie Menschen „mit guten Ideen und Vorschlägen statt mit erhobenem Zeigefinger ins Boot holen“ und aktiv mit der Gemeinde sowie der Landwirtschaft zusammenarbeiten. „Des hoff mer“, war dazu spontan vom Bauern-Tisch zu hören. 

Ein Vertreter für die Landwirtschaft

Als stellvertretende Vorsitzende fungiert die 56-jährige Sozialpädagogin und Heilpraktikerin Ingrid Busch-Merz aus Bichl, die sich schon lange für den Umweltschutz engagiert, ganz nach dem Motto: „Wir haben die Welt nicht von unseren Eltern geerbt, sondern von unseren Kindern geliehen.“ Zum Kassier wurde Manfred Häusler (70) gewählt, der vor seiner Rente als Automatisierungstechniker vier Unternehmen mitaufgebaut hat und daher „das Spiel mit den Zahlen ganz gut beherrscht“. Mit diesen drei Pflichtämtern wäre die BN-Ortsgruppe laut Satzung einsatzfähig gewesen, die Motivation im Raum war aber dermaßen groß, dass sich spontan noch zwei Bewerber für optionale Posten fanden. Ingenieur Dieter Drewanz (54), der schon beim CSU-Ortsverband die Feder als Schriftführer schwingt, will dies auch bei der BN-Ortsgruppe tun. Und auch in die Reihen der bis dahin in der Zuschauerrolle verharrenden Landwirte kam Bewegung: Florian Albrecht, 29 Jahre jung und Techniker für Agrarwirtschaft, fragte nach dem Amt eines Beisitzers, unterschrieb flugs den Mitgliedsantrag und wurde mit großer Mehrheit in den Vorstand gewählt. Dort will er „offen miteinander reden“, die Landwirtschaft vertreten und verschiedene Parteien an einen Tisch bringen. Bei der Vorsitzenden Steinacher rannte er damit offene Türen ein. „Ich freue mich, jemanden aus der Landwirtschaft dabei zu haben, weil wir dann an der Quelle sitzen“, sagte sie. 

Harmonisches Brainstorming

Beim anschließenden Brainstorming bearbeiteten bunt zusammengewürfelte Kleingruppen ganz unterschiedliche Aspekte wie Energie, Mobilität, Artensterben und Plastik. Auch die Bauern blieben dabei, schilderten ihre Erfahrungen und äußerten ihre Meinung. Und diese steht keineswegs automatisch im Gegensatz zu den Wünschen der Naturschützer, wie das Thema „Vision 2030“ zeigte. Der Vorschlag eines Jungbauern, Blockkraftwerke zu betreiben statt in jedem Haus eine extra Heizung zu haben, fand großen Anklang am Tisch. Nur dass Holz ja in rauen Mengen vorhanden sei, wollte ein älterer Landwirt so nicht stehen lassen und forderte mehr Aufforstung mit Harthölzern, was wiederum in der Runde mit eifrigem Nicken aufgenommen wurde. 

Treffen wird sich die Ortsgruppe von nun an jeden dritten Mittwoch im Monat (in den Schulferien am darauffolgenden Mittwoch). Das nächste Treffen findet am 19. Februar um 19 Uhr in der Einkehr zum Alpenwarmbad statt, Interessierte sind dazu eingeladen. cw

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