Grehls Welt ist bio

Grüne wählen ihren Landratskandidaten für den Landkreis Weilheim-Schongau

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Sieg des Einzelkämpfers: Karl-Heinz Grehl (Mitte) wurde zum Landratskandidaten der Grünen im Landkreis Weilheim-Schongau gewählt, Wahlleiter Andreas Krahl (links) und Katharina von Platen (rechts) vom Sprecherrat gratulierten dem Weilheimer.

Penzberg – Mit einem Zettel, auf dem mit violetten Filzstiftlinien der Ablauf der Wahl aufgelistet ist, kommt Andreas Krahl, der für die Grünen im Landtag sitzt, in die Stadthalle. Die Wahl, die er dort leitet, ist unspektakulär. Mit Karl-Heinz Grehl steht nur ein Landratskandidat zur Verfügung. 

Der Kreisvorsitzende und Weilheimer Bürgermeisterkandidat Manuel Neulinger und der Landtagsabgeordnete Andreas Krahl begrüßen im Nebenraum der „Koinschaufe“ die über anwesenden 30 Grünen. „So viele waren es selten“, grinst Neulinger, der bei diesem erfreulichen Anblick sogleich von einer „grünen Welle“ spricht, die momentan durch das Land schwappe. Eine Metapher, die Krahl aber so gar nicht gefällt, schließlich bestehe eine Welle aus einem Auf und einem Ab und sei etwas „Zufälliges“. Vielmehr sei der große Zuspruch, den die Grünen derzeit erfahren, „der verdiente Erfolg der vergangenen Jahre“, betont der Landtagsabgeordnete. 

Großen Zuspruch erhält an diesem Abend auch ein einzelner Grüner, Karl-Heinz Grehl. Der Vize-Landrat lässt sich als Landratskandidat aufstellen und bleibt vorne am Renderpult konkurrenzlos. Nichtsdestotrotz hält der Weilheimer eine Wahlrede, bei der er Krahls Fingerzeige auf die fortgeschrittene Zeit gerne ignoriert, um seine Standpunkte zu vermitteln. Als Landrat wolle er eine gute Zusammenarbeit mit allen Fraktionen leben, sein Handeln werde sich nach dem Wohl der Gemeinden richten, aber auch nach dem Wohl der Umwelt. „Meine Welt ist gentechnikfrei und bio“, so Grehl. Und: Klimaschutz messe sich für ihn nicht an erhöhten Dieselpreisen, sondern an tatsächlich eingesparten Kohlenstoffdioxid und Kilowatt. Aufgrund der auf zwölf Minuten beschränkten Redezeit, von der Grehl von Anfang an weiß, dass er sie ohnehin nicht einhalten wird, hält er sich bei seinen Zielen als künftiger Landrat kurz und listet stichpunktartig auf, was ihm am Herzen liegt und liegen werde: Er will die Radwege ausbauen und nicht allein bei einem Konzept verharren („Wir haben es nicht geschafft, in sechs Jahren einen Meter Radweg zu bauen“), er möchte die Jugendhilfe fördern, einen Verkehrsverbund mit München realisieren und erschwinglichen Wohnraum im Landkreis schaffen. Insbesondere beim letztgenannten Thema begleitete Grehl seine Rede mit ausschweifenden Armbewegungen. „Wenn ich mir heute Eberfing auf Google Maps anschaue, dann wird mir schlecht“, ruft er aus. Denn um den Kern herum sammeln sich zahlreiche Einfamilienhäuser, die eigentlich in Weilheim stehen sollten, aber keinen Platz bekamen. „Der Siedlungsdruck geht nach außen weg“, klagt Grehl, der daher „ein Fan von einem Regionalplan“ sei. 

Das und auch die weiteren Punkte bewegten nicht nur Grehl und seine Arme, sondern auch seine Parteikollegen, die den Vize-Landrat in einer Fragerunde noch einmal auf Herz und Nieren testen. Diese Fragerunde mutiert schließlich zu einer Fragestunde, die Grehl mit einem erleichterten Schnaufen abschließt: „Jetzt habt ihr mich ganz schön gegrillt.“ Dann schreitet Krahl zur Tat und sammelt in einer Schuhkarton-Urne mit adretten Grüne-Aufklebern die Stimmzettel ein. 29 Stimmen fallen auf Grehl, drei Grüne enthalten sich, und auch ein Nein liegt in der Schachtel. ra

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