Eine Idee, die gärt

Eine Gruppe Penzberger arbeitet am Konzept für einen Bürgerbahnhof mit Brauerei

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Sie wollen, dass Penzberg durch ein Gemeinschaftsprojekt zusammenwächst: Konrad Kürzinger, Monika Uhl, Barbara Kaulbarsch, Uwe Sattler, Anette Völker-Rasor, Uwe Herrmann und Gisela Matschl (von links).

Penzberg – Der Zug quietscht auf den Gleisen. Schüler und Berufspendler steigen aus,  Gemurmel am frühen Morgen. Der Duft von heißem Kaffee strömt aus dem Kiosk. Hopfen- und Malzaromen gesellen sich dazu, eine olfaktorische Melange, die sich vielleicht auch am Penzberger Bahnhof einmal verbreitet.

Wieder einmal bewegt die Zukunft des Bahnhofsareals die Gemüter. Seit über neun Jahren wird überlegt, entworfen, verworfen, doch eine wirkliche Lösung war bisher noch nicht in Sicht – es herrschte Stillstand, könnte man meinen. Im Hintergrund, um nicht zu sagen im Untergrund, schwelte es jedoch gewaltig. Nun war es Zeit für eine „lose Gruppe“ Penzberger Bürger, wie sie sich selbst bezeichnen, mit einer Idee nach außen zu treten. Ein Bürgerbahnhof soll entstehen, auf genossenschaftlicher Basis und am liebsten soll es ein „Bürgerbräu am Bahnhof“ werden, wie es bei der Konzeptvorstellung am Mittwoch hieß. 

Das Engagement geht keineswegs von Unbekannten aus, denn hinter der Gruppe stecken 15 kreative Köpfe wie Anette Völker-Rasor, Monika Uhl, Konrad Kürzinger und Martin Jan­ner. Unter dem Arbeitstitel „Penzberg 2030“ trifft sich die Gruppe schon länger, um über Klima-, Natur- und Energiethemen zu diskutieren. „So sind wir auch auf den Bahnhof gekommen. Er ist ein altes Gebäude und nicht in absehbarer Nutzung. Das Gebäude sollte aber die Visitenkarte der Stadt darstellen, wenn die Menschen aus dem Zug steigen, und es soll klimaneutral betrieben werden“, sagt Anette Völker-Rasor. Bei Recherchen sei man dann auf die Form des Bürgerbahnhofs gekommen, welche sich immer größerer Beliebtheit erfreut. In ganz Deutschland wurden schon viele solcher Projekte realisiert, was die Gruppe motivierte. „Es hat uns ermutigt, dass wir kein Pilotprojekt wären, sondern dass es schon erfolgreich funktionierende Beispiele gibt, wie etwa in meiner Heimatstadt Cuxhaven oder im Allgäuer Leutkirch“, so Völker-Rasor. Dort war auf Basis genossenschaftlicher Finanzierung und Organisation der erste Bürgerbahnhof in Deutschland im Jahr 2012 errichtet worden. Die Idee, einen Bürgerbahnhof einzurichten, sei von der Stadt Penzberg selbst erstmals mit einem Stadtratsbeschluss vom November 2011 gutgeheißen worden. Die Idee war damals Teil des verabschiedeten Klimaschutzkonzeptes, das als Leitlinie weiteren politischen Handelns dienen sollte, kam jedoch bis jetzt nicht zur Umsetzung. 

Zur weiteren Ideenfindung hat sich die Gruppe „Penzberg 2030“ auch noch mit anderen Vereinen und Bürgern ausgetauscht, darunter der Denkmalverein sowie der Heim- und Hobbybrauverein. Ganz nach genossenschaftlichem Prinzip soll der Bürgerbahnhof ein Gemeinschaftsprojekt der Penzberger werden. Während das äußere Gesicht des Gebäudes erhalten werden soll, will man im Inneren eine moderne und energetische Sanierung angehen. Es gibt viele Ideen, wie zum Beispiel eine Schaubrauerei, die von den Hobbybrauern betrieben werden könnte. Deren Vorsitzender Uwe Sattler ist begeistert: „Wir suchen schon lange geeignete Räumlichkeiten, da haben sie bei uns offene Türen eingerannt. Es wäre eine spannende Aufgabe.“ Parallel dazu könnte eine Gastronomie entstehen, in deren Räumen auch kulturelle Veranstaltungen, wie Lesungen oder musikalische Darbietungen stattfinden könnten. Auch die Ansiedlung eines Unverpackt-Ladens in dem Gebäude kann sich die Gruppe vorstellen. Für den Bahnbetrieb soll es weiterhin einen Wartebereich und Toilettenanlagen geben, das Obergeschoß soll derweil erst einmal unberührt bleiben. 

Weil bei dem Genossenschaftsgedanken aber das große Miteinander an erster Stelle steht, betonte die Gruppe, dass das alles nur „Anfangsideen“ seien, die noch in der Entwicklung steckten. „Der Sinn besteht ja darin, dass eine Gemeinschaft sich ein Ziel setzt und man sich dann zusammen dafür engagiert“, so Anette Völker-Rasor. 

Bisher ist alles noch Spekulation und Wunschdenken, doch der erste Schritt wurde getan. Bei einem Treffen mit Bürgermeisterin Elke Zehetner und weiteren Vertretern der Stadt bekam die Gruppe laut Völker-Rasor „ein sehr positives Signal“. Der nächste Schritt ist nun die Ausarbeitung eines Informationskatalogs über sämtliche schon bestehenden Bürgerbahnhöfe, das dem Stadtrat noch vor der Sommerpause vorgelegt werden soll. Parallel arbeitet man schon emsig an der Vorbereitung einer Satzung zur Genossenschaftsbildung, wobei man sich hier am Vorbild von Leutkirch orientiert. „Wir favorisieren eine Genossenschaft in Erbpacht“, so Monika Uhl. Anfang Mai ist ein gemeinsamer Besichtigungstermin mit der Stadtverwaltung angesetzt. Konrad Kürzinger brachte es zum Abschluss auf den Punkt: „Wir haben eine Idee und die muss jetzt gären.“ Ganz nach dem Brauprinzip. au

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