Grandiose „Schöpfung“ in der Christkönig-Kirche

Das Chaos geordnet

Erst ins Chaos gestürzt, dann mit sicherer Hand durch die Schöpfung geführt: Günther Pfannkuch mit Sinfonieorchester und Vocalensemble.

Penzberg – Gott hat die Welt nicht an einem Tag erschaffen. Gott sei Dank, denn so konnte Joseph Haydn die Feder zur Hand nehmen und ganze sieben Tage „Schöpfung“ in Musik verwandeln. Diese haben nun zwei Klangkörper unter Günther Pfannkuchs Taktstockschwingen wieder aufleben lassen. 

Als Gott die Welt erschaffen hat, ging es zunächst noch drunter und drüber. Es herrschte Chaos, das von seiner Hand geordnet werden musste. Dieses Chaos wiederum hat Joseph Haydn in seiner „Schöpfung“ in kongeniale Noten gesetzt, die wiederum jenseits der großen Konzerthäuser selten so schön, ergreifend und aufwühlend klingen wie nun in der Christkönig-Kirche. Günther Pfannkuch am Pult hat das Sinfonieorchester im Pfaffenwinkel und das Vocalensemble Penzberg zunächst wohlbedacht ins Chaos gestürzt, um beide Klangkörper sodann mit ordnender Hand zum Jubel über die vollendete Schöpfung zu führen. 

Pfannkuch liebt es, zum Jahreswechsel große Werke der Musikliteratur aufzuführen, dass dies immer wieder aufs Neue gelingt, ist seiner unermüdlichen Tüftelei einerseits, andererseits aber auch dem beeindruckenden Können seiner Sänger und Instrumentalisten, allesamt Laien, zu verdanken. Haydn macht es einem mit seiner Partitur nicht leicht, er hat viele Klippen eingebaut, an denen man leicht zerbrechen kann. Etwa jene Stelle, als der Beginn der Schöpfung mit leisen Tönen im Pia­nissimo angekündigt wird, das unvermittelt zu explodieren scheint, als Gott mit seiner Arbeit beginnt. Getragen davon schwingen sich auch die drei Solisten, Judith Spiesser (Sopran), Nikolaus Pfannkuch (Tenor) und Thomas Stimmel (Bass), zu Höchstleistungen auf. Vor allem in den Terzetten erklang da höchstes Niveau. 

Seine stärksten Momente zeigte das Sinfonieorchester, als es die von Haydn zahlreich eingestreuten Rezitative und Solopartien zu begleiten galt, der Chor wiederum glänzte, als es an ihm war, die Werke Gottes nach jedem Schöpfungsakt kraftvoll und stimmgewaltig zu preisen. Den letzten seiner insgesamt drei Teile widmet Haydn den ersten Menschen, Adam und Eva, die da noch nicht wussten, welch zerstörerisches Spiel die Schlange einst mit ihnen treiben sollte. Judith Spiesser und Thomas Stimmel lassen deshalb in ihrem innigen Duett die Dankbarkeit über Gottes Werk und das Leben im Einklang mit der Natur erstrahlen. Haydn aber schien über prophetische Gabe verfügt zu haben, als er ganz am Ende vor dem „falschen Wahn“, dem der Mensch verfallen kann, warnt. Eine letzte Klippe, die ebenfalls traumhaft sicher umschifft wurde, ehe das Publikum einen Sturm der Begeisterung aufbranden ließ. la

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