Ein schönes Gefühl

Gymnasiasten arbeiten eine Woche in einer rumänischen Umweltbildungsstätte

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Die Gießkannenprobe: im guten Dorf versickerte der plötzliche Regenguss problemlos.

Penzberg – Kleine Häuschen, bunt bemalte in der Wiese, düster graue auf sandigem Untergrund: Penzberger Gymnasiasten errichteten in Fintinele in Rumänien zwei Miniaturdörfer, um auf die Gefahren von Flächenversiegelungen aufmerksam zu machen. Doch das war nicht die einzige Aktion des P-Seminars.

Konzentriert hocken sie auf großen Felsbrocken und malen kleine Spanholzhäuser bunt an. Das sind die Requisiten für das gute Dorf, wohingegen die Häuser für das schlechte Dorf aus traurigen grauen Gerippen bestehen. Gutes Dorf, schlechtes Dorf: Unweigerlich denkt man an die Spülmittelwerbung und die beiden Dörfer Villariba und Villa­bajo, doch geht es nur nicht um eine saubere Paella­pfanne, sondern darum, Kinder und Jugendliche in Rumänien dafür zu sensibilisieren, was geschieht, wenn man es mit der Versiegelung des Bodens übertreibt. Auch in diesem Jahr reiste ein P-Seminar des Penzberger Gymnasiums nach Fintinele im Norden Rumäniens, um die Umweltbildungsstätte Tasuleasa Social zu unterstützen – diesmal mit den beiden Dörfern und dem Verlegen eines gepflasterten Wegs.

Für die beiden Dörfer, so berichtet Mona, habe es im Vorfeld aus Rumänien eine Anfrage gegeben, „ob wir das nicht machen können“. Christoph Hopfmüller und Anja Wehrberger, die beiden Lehrer, die das Projekt begleiteten, hatten nichts dagegen. Und so entstand mitten in den Karpaten mit einfachen Mitteln eine Versiegelungsdemonstrationsanlage. Während beim guten Dorf die Häuser von Wiesen umgeben sind, stehen die grauen Gerippe im schlechten Dorf auf steinigem, platt gewalztem Untergrund. Simuliert man jetzt mit zwei Gießkannen einen Regenguss, dann versickert das Wasser im guten Dorf, während es im schlechten einfach nur auf der Oberfläche abfließt. 

Dass man in Tasuleasa Social auf solch einfache Beispiele setzt, hat damit zu tun, dass der Umweltschutz in Rumänien in der gesellschaftlichen Debatte so gut wie keine Rolle spielt. In den Karpaten und somit auch in Fintinele werden unvermindert viele Bäume illegal, aber ungeahndet abgeholzt, weil sich die Menschen auf diese Weise mit Brennholz eindecken. „Unsere Hoffnung ist, dass eines der Kinder, das heute die Umweltbildungsstätte besucht, später einmal in eine verantwortliche politische Position kommt und dann den Umweltschutz stärkt“, sagt Lehrer Hopfmüller. 

Dabei gibt es auch in den Karpaten bereits jetzt zarte Ansätze, um das Bewusstsein der Menschen für die Natur zu schärfen. Das unter diesem Aspekt sichtbarste ist des Via Transilvania, ein Fernwanderweg durch die Karpaten, von dem bereits eine Strecke von 260 Kilometern existiert. Knapp 50 davon hat die Gruppe aus Penzberg an zwei Tagen zurückgelegt, inklusive Übernachtung auf einem abgeschiedenen Bauernhof mit Plumpsklo. Gerade dieses einfache Leben hat den Schülern imponiert. „Es ist beeindruckend zu sehen, wie glücklich die Menschen sind, ohne den Luxus zu haben, wie er für uns ganz selbstverständlich ist“, sagt Mona. 

Schweißtreibend wurde die Woche in Fintinele für die Schüler dann auch noch: Um einen Weg von der Außenküche der Umweltbildungsstätte zur Zentralküche anzulegen, wurde erst einmal 40 Zentimeter tief gegraben und das Fundament angelegt, ehe man von einem nahe gelegenen Fluss die dafür passenden Steinplatten holte. Hinterher meinte Frederic: „Es ist ein schönes Gefühl zu sehen, dass wir hier mit relativ wenig Aufwand viel erreichen können.“ 

Und weil man nicht nur die jungen Rumänen zum Umweltschutz anhalten, sondern auch selbst mit gutem Beispiel vorangehen möchte, haben die Penzberger für ihren Flug von München nach Cluj auch noch den CO2-Ausstoß bei der Organisation atmosfair kompensiert: Für 10 Euro pro Mann und Nase. la

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