Ein Gutschein fürs Gstanzl

In der Gemeinde Habach erhalten Handwerker auf der Walz künftig Handgeld nicht mehr in bar

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Keine Scheine für die Schlaghosenträger: Die Gemeinderäte von Habach wollen das Handgeld für Gesellen auf Wanderschaft künftig im Dorf lassen.

Habach – In diesem Jahr kamen 25 Handwerksleute auf der Walz in die kleine Gemeinde Habach und baten um Handgeld. Die Folge: Die Verfügungsmittel von Bürgermeister Michael Strobl waren rasch aufgebraucht. Damit das nicht mehr vorkommt, sollen Scheine nun durch Gutscheine ersetzt werden.

Als Rathauschef Strobl in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats den Tagesordnungspunkt 261. aufrief, musste er selbst schmunzeln und ist sich sicher: „Da werden jetzt manche lachen“. Und in der Tat, als über die Höhe des Handgeldes für Handwerker auf der Walz diskutiert wurde, ging vielleicht kein Lachen, aber ein Schmunzeln durch die Runde. Derzeit zahlt die Gemeinde 20 Euro, wenn ein Handwerker in weiten Schlaghosen und Jackett mit Stock in der Hand und Hut auf dem Haupt im Rathaus vorbeischaut, um sich das Siegel in sein Wanderbuch stempeln zu lassen und um Handgeld zu bitten. „Die kommen rein, haben das Zunftsgewand an, klopfen auf den Boden und sagen das Gstanzl auf“, erläuterte der Bürgermeister das kurze Prozedere, bei dem der Gemeinde jedes Mal ein blauer Schein flöten geht. Der Kämmerer hat deshalb nun vorgeschlagen, das Handgeld, ein Brauch, und daher schwer abzulehnen, auf die Hälfte zu reduzieren und dieses künftig nicht mehr dem bürgermeisterlichen Verfügungsgeld zuzuordnen, sondern im Bereich Heimatpflege zu verbuchen. 

Handgeld, ein Brauch, den Stefan Neuner kritisch betrachtete. „Früher ist man zur Gemeinde gegangen, wenn man keine Arbeit gefunden hat“, so Neuner, dann habe das Handgeld dem Handwerker auf der Walz über die Runden geholfen. Michael Aigner sprach sich dafür aus, das Handgeld auf 10 Euro zu kürzen, sonst werde es noch Mode, dass die Walzenden von Gemeinde zu Gemeinde wandern, um überall Geld einzusammeln. 

Alexander Merkl ging da noch einen Schritt weiter und schlug vor, gar kein Geld mehr auszuzahlen, sondern den Handwerkern einen Gutschein für den Dorfladen in die Hand zu drücken, so „bleibt das Geld im Dorf“. Ein Vorschlag, der Anklang fand. Das Gremium schloss sich Merkls Anregung mit dem Gutschein an. Das Geld bleibt damit nicht nur im Dorf, sondern dient dann zwangsläufig auch sicher dem ursprünglichen Zweck, nämlich der Verpflegung. ra 

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