Desinfizierte Duden

Corona-Abitur: Besondere Herausforderung für Schüler und Lehrer

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Jetzt geht es los mit den Prüfungen, wenn die vorbei sind, wird die Verabschiedung der Abiturienten wohl deutlich kleiner ausfallen als noch im vergangenen Jahr vor Corona.

Penzberg – Heute beginnen in Bayern die Abiturprüfungen, und auch in Penzberg schwitzen 106 Schüler – trotz Corona. Los geht es mit Deutsch, doch diesmal sind die Prüfungsaufgaben nicht nur für die Schüler eine Herausforderung, denn im Vorfeld herrschte coronabedingt im ganzen Schulhaus der Ausnahmezustand. Direktor Bernhard Kerscher hat sich inzwischen den Schweiß von der Stirn gewischt und hofft nun auf einen reibungslosen Ablauf, doch die Vorbereitung war ein enormer Aufwand.

„Es ist seltsam“, sagt Kerscher, wenn man ihn auf die Atmosphäre im Schulhaus anspricht. Am Montag durfte die Hälfte der Schüler der 5. und 6. Klassen wieder in ihre Räume zurück, und auch die Q11 ist im Haus. Wo sonst hunderte von Kindern und Jugendlichen am Morgen durch die Gänge strömen, zur Mittagspause auf dem Hof getobt wird und an der Essensausgabe reger Andrang herrscht, ist im Moment eine bedrückende Stille zu registrieren. Äußerste Ruhe mit abgesperrten Bereichen gab es während der heißen Abiturprüfungsphase schon immer, doch die Auflagen des Kultusministeriums stellten in diesem Jahr das Lehrerkollegium um Bernhard Kerscher vor eine gewaltige Aufgabe. „Es fängt ja schon mit den Wegen zu den Prüfungsräumen an“, berichtet der Schulleiter. „Unsere Gänge sind so eng, da kann kein vernünftiger Abstand gehalten werden. Deshalb gibt es ein Einbahnsystem, damit jeder Prüfling ohne Gedränge seinen Platz aufsuchen kann.“ Jeder Mensch, der schon einmal kurz vor einer Prüfung stand, weiß, wie dünn das Nervenkostüm am Tag X wird und wie groß die Aufregung ist, rechtzeitig seinen Platz zu finden. 

Im Hauptgebäude des Schulhauses wurden acht Räume, verteilt auf drei Stockwerke, für die Prüfungen eingerichtet. „Wenn man bedenkt, dass in jedem Raum zwei Lehrkräfte und in jedem Gang eine Lehrkraft anwesend sein müssen, ist das auch personell eine Herausforderung für uns“, so Kerscher. In einem Zimmer ist Platz für 15 Abiturienten, erklärt der Schulleiter. Dinge wie Duden, Atlanten oder Wörterbücher, welche von den Schülern bei Bedarf genutzt werden können, müssen vor und nach jedem Gebrauch desinfiziert werden. „Das wird im Kunstabi extrem“, so Kerscher, „hier muss jeder Pinsel und jedes Werkzeug ständig desinfiziert werden.“ Vom Ministerium habe die Schule klare Vorgaben zur Planung und Durchführung bekommen, so Kerscher weiter, doch an die Beschaffung von Desinfektionsmittel habe man nicht gedacht. Dieses musste sich die Schule selbst besorgen. 

Der letzte offizielle Schultag am vergangenen Freitag war genauso trüb, wie sich viele Schüler fühlten. Kein Abistreich, keine traditionelle Entlassungsfeier, kein festlicher Abiball in Sicht, dafür Abstandsregeln, Maskenpflicht und Kontaktbeschränkung. au

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