Die Krise gut genutzt

Gymnasium entlässt seine Abiturienten häppchenweise und mit Maske

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Aus der Aula wurde die Verabschiedungszeremonie live in die Klassenzimmer übertragen, wo Familien von jeweils drei Abiturienten Platz fanden.
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Aus der Aula wurde die Verabschiedungszeremonie live in die Klassenzimmer übertragen, wo Familien von jeweils drei Abiturienten Platz fanden.
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Die Abiturienten mit den besten Leistungen waren (Bild unten, von links): Lilli Herbelßheimer (1,0), Sebastian Proksch (1,0), Jana Engesser (1,2), Dana Schweiger (1,2), Josefine Okorn (1,1), Annika Zarnt (1,1), Maike Ackermann (1,1), Maximilian Hofschen (1,0) und Annalena Peuker (1,2).

Penzberg – „Dass wir das hingekriegt haben...“: Bernhard Kerscher, der Leiter des Gymnasiums Penzberg, wunderte sich nicht nur, dass er in dem von Corona geprägten Jahr 2020 nun doch eine Abiturverabschiedung durchführen konnte – und das, obwohl ausgerechnet in dieser Woche dort ein Schüler positiv getestet worden war. Kerscher freute sich auch über die Leistung der Abiturienten. Denn während es der bayernweite Durchschnitt auf einen Abi-Schnitt von 2,25 brachte, schafften es die Penzberger auf 2,09. Noch besser als diese Nachricht aber war jene: Kerscher konnte vermelden, dass sich keiner der zwei Tage zuvor auf Corona getesteten Schüler mit dem Virus infiziert hat.

Aber noch aus einem anderen Grund war diese Verabschiedung eine ganz besondere. Es war nämlich die letzte für Kerscher, der nach dem letzten Schultag die ewigen Ferien als Ruheständler antritt. Davon wollte er jedoch nichts wissen und wandte sich lieber den Schülern zu: „Ihr habt es trotz Pandemie geschafft“, sagte er in der Aula an eine überschaubare Zahl an Augenpaaren. Denn Platz nehmen durften dort nur wenige: coronabedingte Hygienemaßnahmen. Der Rest saß, begleitet von Familienangehörigen, in 28 Klassenzimmern verteilt, wohin die Verabschiedungszeremonie per Live-Stream übertragen wurde. Manche Familien hatten es sich dort gut eingerichtet, stießen mit Sekt an oder folgten bei Kaffee und Kuchen der „Abi-Show“ aus der Aula, wo die Absolventen in einzelnen Gruppen über den roten Teppich liefen, nachdem sie ihre Zeugnisse entgegengenommen hatten. 

Dort zollte auch Landrätin Andrea-Jochner-Weiß den Abiturienten ihre Anerkennung. Trotz widriger Umstände hätten die Schüler ihre Leistung auf den Punkt abgerufen. „So habt ihr bewiesen, dass ihr unter stressigen Situationen arbeiten könnt.“ Die Schüler dieses Jahrgangs, so zeigte sich die Landrätin überzeugt, „werden später von Unternehmen bevorzugt genommen“. Jochner-Weiß war auch vom technischen Aufwand der Übertragung beeindruckt und meinte: „So weit ich weiß, ist das die einzige Schule im Landkreis, die das so durchzieht.“ Den Absolventen sprach sie „Kraft und Mut“ zu, den sie nun für ihren weiteren Weg aufbringen sollten. Dabei sollten sie auf ihre Fähigkeiten vertrauen und versuchen, „auch Verantwortung in der Gesellschaft zu übernehmen“. 

Bürgermeister Stefan Korpan zollte den Absolventen ebenfalls große Anerkennung, denn von 106 Schülern hätten jetzt immerhin 104 ihr Abiturzeugnis in der Tasche. „Und dreimal gab es eine 1,0, das ist mir gerade einmal im Sport gelungen“, grinste er. Korpan sagte aber auch: „Lernen hat leider kein Ende.“ Und deshalb empfahl er den Absolventen, bei der Wahl des weiteren Lebenskurses immer die Richtung einzuschlagen, die Spaß bereite: „Dann läuft es besser, dann ist man engagiert, dann nimmt das Leben einen guten Lauf.“ 

Die Elternbeiratsvorsitzende Astrid Heller gratulierte den Schülern, denen die Corona-Krise einiges an Selbstdisziplin abverlangt habe, ebenfalls: „Das war schon eine Extraleistung, denn ihr musstet auf viel verzichten.“ Laut Schulleiter Kerscher habe dies aber dazu geführt, dass die Schüler die Krise gut genutzt hätten: „Sie haben ihren Fokus auf die Vorbereitungen fürs Abi gelegt und hatten keinerlei Ablenkung.“ Dies sei aber nur ein positiver Nebeneffekt der Pandemie gewesen, denn angesichts der Entwicklungen weltweit müsse klar sein, dass die Welt nun mal nicht mehr die gleiche sei, als man sie zu kennen glaubte. „Die Erkenntnis ist also: Es wird keine Sicherheit geben.“ Bislang seien die größten Schicksalsschläge überbuchte Flüge, ein verregneter Urlaub, die gestrichene Klassenfahrt oder eine Finanzkrise gewesen. Das sei inzwischen anders, „weshalb es ein Zurück zu diesem ursprünglichen Leben nicht mehr geben darf, das muss man akzeptieren“. Dennoch gelte es keinen „melancholischen Trauerkloß“ zu haben, so Kerscher, „die Veränderungen müssen Ansporn sein, einen Beitrag zur Welt zu leisten“. Und dieser Jahrgang hat nach Ansicht Kerschers die besten Voraussetzungen dafür: „Mich erfüllt die Überzeugung, dass es die kommende Generation besser macht.“ Denn die Abiturienten hätten sich bei „Fridays for future“ ebenso engagiert wie bei der Demonstration gegen Pegida in Penzberg. Kerscher verglich den Jahrgang auch mit sich selbst, um anzumerken, dass die junge Generation von heute einiges besser mache als er damals: „Wir standen auch wegen der Ölkrise auf der Straße – aber nach dem Abitur habe ich mir sofort einen VW Käfer gekauft.“ Und obwohl Tschernobyl die Atomkraftgegner auf den Plan gerufen habe, „brauchte es ein Fukushima, um die Wende einzuleiten“. Deshalb riet Kerscher den Abiturienten: „Gestaltet die Welt!“ 

Dass sie das auch vorhaben, verdeutlichten die Schülersprecher Marie Beyerle, Niklas Mauritz und Frederic Rasor. Letzterer erinnerte an schreckliche Ereignisse wie in Hanau, Halle und den Lübke-Mord. „Wir bleiben nicht von Rassismus verschont, wir müssen uns in der Welt um Toleranz und Weltoffenheit bemühen.“ dd

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