Fels in der Brandung

Bürgermeisterwahl in Benediktbeuern: CSU nominiert Hanns-Frank Seller

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Mit Dr. Hanns-Frank Seller schickt die CSU einen belesenen Mann ins Rennen.

Benediktbeuern – Drei Männer stehen zur Wahl: Neben Rudi Mühlhans (FBM) und Anton Ortlieb (Benediktbeurer Bürger) ist dies Hanns-Frank Seller von der Listenverbindung CSU/Benediktbeurer Mitte, der bereits die Bestätigung seiner Partei und der Gemeinderäte der Listenverbindung hat. 

Bei einer leidenschaftlichen Empfehlungsrede pries die Dritte Bürgermeisterin Margarete Steffens die Vorzüge des bisherigen Vize-Bürgermeisters an. Seller sei in ihren Augen genau die Persönlichkeit, die das Dorf jetzt brauche, um das momentane Vakuum schnell zu füllen. „Er ist in der Materie drin, teamfähig, angenehm unaufgeregt und besonnen“, unterstrich sie. Da Seller sein Licht oftmals unter den Scheffel stelle, zählte sie neben dessen beruflichen Lebenslauf auch sein „unglaubliches ehrenamtliches Engagement“ auf. Seit 20 Jahren ist er Jugendausbilder bei der örtlichen Feuerwehr, ferner Brandkreismeister, Vorsitzender im Unterstützungsverein in Brandfällen, Vorsitzender im Veteranen- und Reservistenverein, seit vielen Jahren bei der Tafel Penzberg engagiert und darüber hinaus ehrenamtlicher Richter am Verwaltungsgericht sowie Organisator des Leonhardi-Abzeichen-Verkaufs in der Gemeinde. „Er ist weder Schaumschläger noch Hitzkopf, sondern ein Fels in der Brandung in Krisenzeiten“, schwärmte Steffens, die Seller persönlich für einen „feinen Kerl und coolen Typen“ hält. 

Der solchermaßen Gepriesene skizzierte dann in weniger blumigen Worten seine kommunalpolitischen Ziele für die kommende Periode. „Die Ziele sind eigentlich besetzt“, führte er aus, da all die Projekte schon auf den Weg gebracht seien, etwa Dorferneuerung und Einheimischen-Modell. „Der Haushalt 2019 zeigt, dass wir keine Riesensprünge machen können“, erklärte Seller, der sich auf kommunale Pflichtaufgaben wie Erneuerung des Straßen- und Wasserleitungsnetzes und Anschaffung eines neuen Feuerwehrfahrzeugs konzentrieren will. „Bei mir wird es keine Phantastereien geben“, betonte er. Vielmehr wolle er sich an das halten, was der Haushalt leisten könne, immerhin habe die Gemeinde einen Schuldenberg. 

Im Magen liegt Seller das Problem der explodierenden Baulandpreise. „Ich sehe da in nächster Zeit keine gravierende Lösung“, räumte er ein. Man könne nicht endlos Bauland ausweisen, da eine laufende Nachverdichtung die Dorfstruktur verändern würde. „Das Dorf soll seinen Charakter nicht verlieren“, betonte Seller. Den sozialen Wohnungsbau im Klosterdorf sieht er mit Bedenken und meint: „Das sind alles Sachen, die nicht das bringen, was sie bringen sollen.“ Man brauche dazu eine gemeindeeigene Fläche, bei der man sich aber fragen müsse, ob man bauliche Auflagen wie höheren Stockwerksbau dort wirklich haben wolle. „Wir sind nicht Geretsried, wo man aus dem Boden kurz 20 Wohnungen rausstampfen kann“, wendete er ein. 

Wichtig ist dem Kandidaten, das Gewerbe am Ort zu halten. Das Thema will er auf höherer Ebene aufhängen, denn die bisherige Trennung in Wohn-, Misch- und Gewerbegebiet führe langsam zu einer Entvölkerung und Vereinsamung. „Da müssen wir ansetzen, damit es ein Nebeneinander von Handwerk, Gewerbe und Wohnen geben kann“, ist Seller überzeugt. Die heimische Landwirtschaft als Kultur- und Wirtschaftsfaktor will er seitens der Gemeinde bei der Verbindung von Wirtschaftlichkeit und Ökologie unterstützen. Langfristig müsse man auch über einen dritten Kindergarten nachdenken, stellte er mit Blick auf den Zuzug junger Familien in das Klosterdorf fest. „Ich habe einfach Erfahrung“, sagte Seller, der seit 18 Jahren für die CSU im Gemeinderat sitzt und in dieser Zeit „alle Großprojekte mitentschieden und getragen“ hat. Seit fünfeinhalb Jahren ist er Zweiter Bürgermeister und hat aufgrund der Erkrankung von Hans Kiefersauer in den letzten zwei Jahren vor dessen Tod täglich eine Besprechung mit ihm abgehalten und ihn in vielen Sitzungen vertreten. „Die Projekte, die jetzt laufen, tragen auch meine Handschrift“, betonte der 59-Jährige. 

Seller ist verheiratet, Vater von zwei Kindern und führt seit dem Tod seiner Mutter vor zehn Jahren das Bettenfachgeschäft „Stern“ in Benediktbeuern weiter. Er studierte einst Politikwissenschaft und Geschichte in München und promovierte in Staatswissenschaften an der Bundeswehr-Universität. Viele Jahre pendelte er zur Dienststelle in der Nähe von Bonn, wo er dem Führungsstab im Verteidigungsministerium zuarbeitete. Als ihm vor 16 Jahren eine Stelle im Bundesverteidigungsministerium in Berlin angeboten wurde, entschied sich Seller für Familie und Heimatdorf und war als Lehrbeauftragter in München an der Fachhochschule für Ökonomie und Management sowie an der Bundeswehr-Universität tätig. Trotz dieses Werdegangs sei er „erfrischend normal und das Gegenteil von einem Schnösel“, lobte Steffens. cw

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