Das Bier fließt wieder

Neuer Pächter für den Gasthof zur Post in Benediktbeuern gefunden

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Darauf ein Helles: Maximilian Dengler (links), Dominik Salzer und Christian Wagner (von rechts) von der Tegernsee Brauerei strahlen mit den neuen Wirtsleuten Antonia Soares, Ermerson Pohl und Hans Pohl (von links) um die Wette.

Benediktbeuern – Mehr als ein Jahr lang stand er leer, nun hat der Gasthof zur Post endlich wieder einen Wirt. Die neuen Pächter sind Hans und Ermerson Pohl, bis dato Betreiber des Jachenauer Ausflugslokals Schützenhaus.

Einfach war die Suche nach neuen Pächtern wahrlich nicht. Immer wieder gab es in den vergangenen Monaten Gerüchte um Interessenten, mit denen das Herzoglich Bayerische Brauhaus Tegernsee als Eigentümer der Immobilie angeblich kurz vor Vertragsschluss stehe. Doch immer wieder zerschlug sich die Hoffnung auf einen neuen Wirt. Auch am vergangenen Dienstag wurde bis zur letzten Sekunde um konkrete Vertragsinhalte gerungen. Doch nun ist die Kuh vom Eis, und es gibt endlich neue Pächter. 

Als gelernter Koch hat sich der gebürtige Hesse Hans Pohl von seiner ersten Imbissstube in Frankfurt am Main über eine 18-jährige Anstellung in einer bayerischen Wirtschaft im Münchner Stadtteil Giesing bis ins Schützenhaus in der Jachenau gekocht. Nach eineinhalb Jahren verließ ihn dort aber das Glück, als das Ausflugslokal nach einem Brand in der Küche im Herbst 2019 für etliche Wochen schließen musste. Zwar sind die Brandschäden inzwischen behoben, ihren Vertrag wollten die Pohls jedoch nicht verlängern. Inzwischen seien für das Gasthaus neue Pächter gefunden worden, teilt der 52-Jährige mit, ohne aber Namen zu nennen. „Ende Februar drehen wir zum letzten Mal den Schlüssel rum“, berichtet er und verrät, dass der Entschluss, zu neuen Ufern nach Benediktbeuern aufzubrechen, an Silvester gefallen sei. 

Bereits im vergangenen Jahr hatten sich die Pohls das Objekt genauer angeschaut, aber angesichts der Größe noch Bedenkzeit gebraucht. Jetzt wagen die beiden samt Schwiegermutter Antonia den Sprung auf den „Dampfer“, wie Pohl den langgestreckten Gasthof mit den Anbauten schmunzelnd bezeichnet. 

„Es ist zweifelsohne ein großes Haus“, gibt Christian Wagner mit Blick auf die Schwemme, zwei Gasträume, einen kleinen und einen großen Festsaal sowie elf Gästezimmer zu. Der Geschäftsführer der Tegernseer Brauerei sieht darin aber auch „eine tolle Plattform, das alles zu bespielen“, und zwar vom Feierabendbier bis zur Großveranstaltung. Laut Wagner soll das denkmalgeschützte Gebäude vorab eingehend inspiziert und, wo notwendig, renoviert werden. „Es wird viel Malerleistung geben, die gesamte Elektronik wird überprüft und auch die Küche wird bis zur Wiedereröffnung passen“, kündigt er an. Auf einen „guten Standard“ samt neuer Möblierung werde man auch die derzeit neun Doppel- und zwei Einzelzimmer bringen. Die schwierige Suche nach Pächtern begründet der Brauerei-Geschäftsführer damit, dass „etliches auch wirklich hat passen müssen“. Man habe daran festhalten wollen, dass es wie gewohnt weitergehe, denn der Gasthof habe eine besondere Bedeutung in der Ortsmitte. Ein Verkauf des Gebäudes sei jedenfalls nie ein Thema gewesen für das Brauhaus, welches in der Region etwa zehn Gasthäuser besitzt. 

„Ermerson und Hans Pohl wollen die bayerische Bier- und Wirtshauskultur, die Tradition und Gastlichkeit aktiv leben“, unterstreicht Wagner. Der Gasthof könne also wieder ein Treffpunkt für alle Einheimischen, Gäste und Vereine werden, und die Festsäle böten den passenden Rahmen für kulturelle Veranstaltungen und private Feiern. Ob es auch wieder eine Eisdiele mit Straßenverkauf geben wird, lassen die Pächter noch offen. „Die Speisekarte wird traditionell deutsch und bayerisch“, kündigt Küchenchef Pohl an, der dabei ganz auf regionale Zutaten und die Einbindung örtlicher Lieferanten setzt. Und Ermerson Pohl, der für Büro, Buchhaltung und Service verantwortlich ist, hofft darauf, genügend Personal zu finden. Ehemalige Bedienungen des Gasthofes hätten teilweise schon Interesse gezeigt, ihre Arbeit wieder aufzunehmen, diese wolle man gerne weiterbeschäftigten, sagt der 27-jährige Hotelfachmann. Vom Mitarbeiterstand hänge es dann auch ab, ob es nur einen oder vielleicht zwei Ruhetage geben werde. Die Wiedereröffnung ist jedenfalls Ende April oder Anfang Mai geplant. 

Glücklich über das Ende des Leerstands ist man auch im Rathaus. Bürgermeister Toni Ortlieb kündigt nur zu gerne den Pachtvertrag für den großen Saal, den die Gemeinde als Übergangslösung mit der Brauerei geschlossen hatte. „Für uns gibt es nur ein Ziel, nämlich das Dorfleben wieder zu aktivieren“, stellt er fest. Zudem suche man oft händeringend nach Übernachtungsmöglichkeiten, etwa während der Benediktbeurer Managementgespräche oder für Fernwanderer und Pilger, denn Benediktbeuern liegt gleich auf mehreren solcher Achsen, erklärt der Rathauschef. 

Nicht zuletzt ist der Gasthof auch im Rahmen der Erneuerung des Dorfplatzes ein „wichtiges Gebäude“, weshalb Ortlieb bald gemeinsame Gespräche mit der Pfarrei und der Brauerei als Eigentümer der angrenzenden Flächen führen will. cw

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