Haslinger Sepp und die uralte Tradition: Wettervorhersage mit Verbascum thapsus

Wetterkerze deutet müden Winter

Benediktbeuern - Der Haslinger Sepp und die Königskerze: Das ist die Geschichte von der Wettervorhersage für den kommenden Winter. Anhand des Blütenstands der Pflanze kann der 76-Jährige voraussagen, ob es einen schneereichen oder einen schneearmen Winter geben wird.

Der Haslinger Sepp und die Wetterkerze: Das ist vor allem aber die Geschichte einer Überzeugung, für die der Benediktbeurer einsteht: Dass die uralte Tradition der Bergbauern und Holzknechte fortgeführt wird, die auf die Prognose der Wetterkerzendeuter vertrauten, ihre Arbeit danach richteten und das Holz mit dem Schlitten vom Berg holten.

Den Volksglauben der kleinblütigen Königskerze – die Biologen nennen sie Verbascum thapsus – mögen manche als Spinnerei abtun, sie zweifeln am Wahrheitsgehalt der Vorhersagen. Und ein-, zweimal lag der Haslinger Sepp mit seinen Winterprognosen in den vergangenen Jahrzehnten auch schon mal daneben. Aber: „Es ist ein vergessener, alter Brauch“, sagt der ehemalige Hüttenwirt. Er will vor allem die Tradition und die Weisheiten weitergeben, die er als kleiner Bursch gelernt hat, als er mit seinem Opa zum Stammtisch und zu den Holzknechten mitgehen durfte.

Doch wie wird er denn nun, der nächste Winter? Der Wetterprophet hat sich festgelegt. Auf den ersten Blick: „Keine Blüte, kein Schnee, nach alten Schema“, erklärt Haslinger nachdenklich, als er eine Verbas­cum thapsus auf einem Bauernhof in Benediktbeuern umschleicht und begrapscht. Doch: „Sie haben leicht geblüht“, sagt er dann, bevor er ins Detail geht und die einzelnen Bereiche untersucht, die für die Wintermonate stehen. Ende Oktober/Anfang November werde es leichten Schnee geben. Zur Wintersonnwend fällt keine weiße Pracht. Das bedeutet: mal wieder keine weiße Weihnachten. An der Mitte der Königskerze ändert sich die Beschaffenheit der mannshohen Pflanze. Das deutet Haslinger so, dass es zu Neujahr und im Januar immer wieder mal Schnee geben wird, der kommt und geht. „Durchwachsen“, sagt der Haslinger Sepp dazu. Im Februar und März fällt ebenfalls wenig Schnee. Der Winter kommt nicht in Schwung: „Nur kurzzeitig gibt es eine geschlossene Schneedecke. A miader Winter!“

Seine Vorhersagen gelten nur für die Umgebung, in der die Wetterkerze steht, schränkt der Experte ein. Heuer hat er eine ganz besondere Erfahrung gemacht: Im gesamten Voralpenland war die Königskerze schon früh verblüht. Die Voraussagen des Haslinger Sepp sind auch nur bis 800 Höhenmeter gültig. „I sog des ja nicht für die Skifahrer“, grinst er.

Eines hat der Haslinger Sepp bislang nicht bedacht: den Klimawandel. Inwieweit die vom Menschen geschaffene Änderung des weltweiten Klimas die Wetterprognose beeinträchtigt, will der Ex-Hüttenwirt noch herausfinden. „Vielleicht muss ich den Klimawandel in meine Vorhersage mit einbeziehen“, sagt der Haslinger Sepp stirnrunzelnd. akr (mehr dazu in der Printausgabe)

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