Keine Last am Hals

Freie Wähler wollen einen Feuerwehrbedarfsplan für Bad Heilbrunns Löschtrupps

+
Brandbekämpfer sind „keine Bittsteller“: Geht es nach den Freien Wählern, sollen die vier Ortsfeuerwehren von Bad Heilbrunn künftig genau wissen, wann sie ihre neuen Helme, Jacken und Fahrzeuge erhalten.

Bad Heilbrunn – Während der Penzberger Stadtrat eine Prioritätenliste aufstellt, um eine klare Reihenfolge festzulegen, welches Projekt denn nun als nächstes in Angriff genommen werden soll,  wollen die freien Wähler in Bad Heilbrunn eine solche Liste für die Belange der Feuerwehren aufstellen.

Brand auf einem landwirtschaftlichen Anwesen, diese Meldung bedeutet quasi Alarmstufe Rot für die Einsatzkräfte einer Feuerwehr. Denn die Meldung lässt Schlimmstes befürchten, nicht ohne Grund rücken da oftmals gleich mehrere Ortsfeuerwehren auf einmal aus. So auch bei einem Brand, der Mitte August auf einem Hof in Linden in Bad Heilbrunn die Trupps von vier Feuerwehren auf den Plan rief. Aus Bad Heilbrunn, Bad Tölz, Mürnsee und Oberbuchen rollten Einsatzfahrzeuge an, um die Schwelbrände, entzündet von einem Blitz, zu löschen. Mit Erfolg. Ein Einsatz, der für die Freien Wähler von Bad Heilbrunn eines gezeigt habe, nämlich „wie wichtig es ist, unsere freiwilligen Feuerwehren mit geeigneter Ausstattung zu versehen, um hier schnell reagieren zu können“, so Fraktionssprecher Konrad Specker. 

Eine optimale Ausstattung bedeutet jedoch auch, dass die Finanzen und deren Verteilung auf die vier Ortsfeuerwehren, Bad Heilbrunn, Obersteinbach, Oberbuchen und Mürnsee, geregelt sein muss. Ein Feuerwehrbedarfsplan könnte da für Ordnung und Überblick sorgen. Ein Thema, das im Gemeinderat von Bad Heilbrunn zuletzt „sehr hart“ diskutiert wurde, so Specker, denn realisiert könnte er auch „zur Last am Hals der Gemeinde werden“. Dass das jedoch nicht der Fall sein wird, davon scheint die Fraktion überzeugt zu sein, sie setzt sich „mit Nachdruck dafür ein, dass noch in dieser Legislaturperiode ein Feuerwehrbedarfsplan auf den Weg gebracht wird“, verkündet Specker. 

Der Plan soll schließlich langfristig alle finanziellen Ausgaben festlegen, „vom Stiefel bis zum Feuerwehrhaus“, so Specker weiter, und auch „wer was wann bekommt“. Zugleich betont der Fraktionssprecher, dass immer wieder von den Feuerwehren „aus verschiedenen Richtungen Anfragen kommen“. Einsatzkräfte, die Dienst an der Allgemeinheit leisten, sollten doch aber „keine Bittsteller“ sein müssen, findet der Freie Wähler. Ohne große Bettelei könnte es mit einem Feuerwehrbedarfsplan gehen, wie ein solcher aussehen könnte, wissen die Freien Wähler bereits, und blicken dabei auf die Gemeinde Furth im Landkreis Landshut. Diese hat bereist seit 2016 einen 73 Seiten starken Feuerwehrbedarfsplan, und der ist mit reichlich Schwarzgedrucktem gefüllt. Der Plan beinhaltet eine Strukturbeschreibung des Gemeindegebiets, darunter die Lage, die Bevölkerungsdichte, die Flächennutzung, die Gebäudestrukturen sowie die Art der Bebauung in den verschiedenen Ortsteilen. Des Weiteren wird das Gemeindegebiet in verschiedene Gefährdungsklassen eingeteilt, wobei Unterscheide in der Art der Gefährdung gemacht werden (Feuer,- Wasser-, technische, atomare, biologische, chemische Gefahren), um dann das Risikopotenzial abzuschätzen. Anschließend werden noch Schutzziele bestimmt, ehe es dann um die Namensgeberin des Plans geht: die Feuerwehr. Zunächst wird dabei deren Ist-Zustand, Trupp, Fahrzeuge, Geräte und Haus, analysiert, ehe der Soll-Zustand aufgeführt wird, an welchen sich noch ein Maßnahmenkatalog anschließt. 

Viel Aufwand, der sich, geht es nach den Freien Wähler von Bad Heilbrunn, lohnen wird, schließlich helfe ein solcher Plan auch der Gemeinde, abzuschätzen, „was auf sie zukommt“, ist sich Specker sicher. Bislang hat es scheinbar aber auch ohne Feuerwehrbedarfsplan gut funktioniert, wie Bad Heilbrunns Bürgermeister Thomas Gründl erklärt: Halbjährig treffe er sich zu einer Gesprächsrunde mit dem Kreisbrandmeister sowie den 1. und 2. Kommandanten der vier Ortsfeuerwehren. „In diesen Gesprächen werden Anschaffungen, Verbesserungen, Neuigkeiten und die enge Zusammenarbeit abgesprochen und mit meinem Rathausteam und mir ganz persönlich erörtert und diskutiert“, erläutert Gründl. Diskutiert wurde in der jüngsten Runde auch der Feuerwehrbedarfsplan, der für den Rathaus­chef vor allem eines erfüllen muss: „Wichtig ist, dass ein Bedarfsplan für die Zukunft ein Regelwerk darstellt, nach dem sich dann zu orientieren ist“. Abgeneigt ist der Rathauschef gegenüber einer solchen Strukturierung von Neuanschaffungen für Feuerwehren also nicht. Doch ehe es an eine Konkretisierung eines solchen Planes geht, will Gründl erst einmal abklären, welche Auflagen da auf die Gemeinde und die Feuerwehren zukommen können. Erst dann könne ein Bedarfsplan mit allen Beteiligten diskutiert werden, erst dann werde im Gemeinderat eine Entscheidung getroffen. 

Sollten die Freien Wähler dort dann die „Unterstützung der anderen im Rathaus vertretenen Parteien“ erhalten, so der Wunsch der Fraktion, so könnten die Ortsfeuerwehren rund um Bad Heilbrunn auch bald auf 73 Seiten nachlesen, wann sie neue Stiefel ­bekommen. ra

Auch interessant

Meistgelesen

Schüler retten Mann vorm Verbluten
Schüler retten Mann vorm Verbluten
Stadt will sich Vorkaufsrecht am Erwerb des HAP-Areals sichern
Stadt will sich Vorkaufsrecht am Erwerb des HAP-Areals sichern
Grüne wählen ihren Landratskandidaten für den Landkreis Weilheim-Schongau
Grüne wählen ihren Landratskandidaten für den Landkreis Weilheim-Schongau
Stadt lässt vier Birken vor dem Metropol fällen: Naturschützer sind entsetzt
Stadt lässt vier Birken vor dem Metropol fällen: Naturschützer sind entsetzt

Kommentare