Unnötige Steine im Weg

Beim Treffen der Nachbarschaftshilfen gibt es deutliche Kritik am Bürokratismus

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„Unglaubliche Leistung im Hintergrund“: Landrätin Andrea Jochner-Weiß (Mitte) lobte die Nachbarschaftshilfen, vor allem jene in Iffeldorf und Seeshaupt.

Iffeldorf – Es gibt Organisationen und Vereine, die in heutiger Zeit immer mehr an Bedeutung gewinnen, deren Mitglieder sich ehrenamtlich um Ältere und Bedürftige kümmern und die Zwischenmenschlichkeit und Hilfsbereitschaft als selbstverständlich ansehen. Dazu zählen die Nachbarschaftshilfen.

„Diese Organisationen sind nicht laut, sie arbeiten im Hintergrund und leisten oft Unglaubliches. Deshalb müssen wir sie sichtbar machen“, forderte Landrätin Andrea Jochner-Weiß, als im Iffeldorfer Bürgersaal das zweite Treffen der Nachbarschaftshilfen im Landkreis Weilheim-Schongau über die Bühne ging. 

Als Pioniere bezeichnete Jochner-Weiß die Nachbarschaftshilfe Seeshaupt und Iffeldorf, da sich beide „weit über das Maß hinaus engagieren und ihr Angebot mit einer Vielzahl an kreativen Ideen immer weiter ausgebaut haben“. Das nachbarschaftliche Miteinander gibt es in Iffeldorf schon lange, als Verein wurde die Nachbarschaftshilfe jedoch erst vor sechs Jahren eingetragen. Damals, so die Vorsitzende Ria Markowski, startete man mit 35 Mitgliedern, heute zählt der Verein 277 Mitglieder. Davon leisteten 35 aktive Helfer im vergangenen Jahr 2.395 ehrenamtliche Stunden unter anderem in der Seniorenbetreuung, dem Mittagstisch und dem Seniorencafé, der Vereins­organisation oder der Flüchtlingsbetreuung. Großen Zulauf fanden auch Vorträge sowie ein Erste-Hilfe Kurs. „Das alles ist nur möglich, weil wir den Bürgersaal nutzen können. Das ist unser Glück“, so Ria Markowski. Eine weitere Besonderheit ist der Einsatz einer Helferkoordinatorin: So steuert Iffeldorfs Ehrenamtspreisträgerin Marlies Völk am Helfertelefon den Bedarf, weist die Betreuer zu und organisiert die Zeiten. 

Im Anschluss hielt Mirjam Schneider von der Fachstelle für Demenz und Pflege einen Vortrag über „Angebote zur Unterstützung im Alltag“. Dass Theorie und Praxis hier jedoch weit auseinanderliegen, bekam die Referentin schnell zu spüren. Die Anwesenden kritisierten hier vor allem den Bürokratismus der Landesbehörde „Zentrum Bayern für Familie und Soziales“. Es wurde etwa beklagt, dass den Nachbarschaftshilfen bei den dringend benötigten Hilfsangeboten für Demenzkranke, unnötige Steine in den Weg gelegt würden. Fördermittel würden, wenn überhaupt, so spät ausbezahlt, dass man nicht planen und arbeiten könne. Man war sich einig, dass die meisten Vereine den Papierkram und die geforderten Schulungen nicht stemmen können, was Mirjam Schneider mit betretener Miene zur Kenntnis nahm. au

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