Ein heiliger Tag

„Herbstlicht“ bleibt abgeblasen: Seniorenbeirat hält trotz SPD-Antrag an Beschluss fest

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Da war die Welt noch in Ordnung und die Corona-Krise weit weg: Am Internationalen Tag der Älteren besuchten vergangenes Jahr zahlreiche Senioren das „Herbstlicht“ in der Stadthalle, das für heuer aber abgesagt wurde.

Penzberg – Wenn der Duft nach aufgebrühtem Kaffee und frisch gebackenem Kuchen durch die Stadthalle bis vor den Eingang strömt und sich drinnen Damen und Herren mit ergrauten Häuptern auf Stühlen gymnastisch bewegen, dann muss es der 1. Oktober sein. Denn an diesem Tag, dem Internationalen Tag der Älteren, organisiert der Penzberger Seniorenbeirat das „Herbstlicht“, ein Nachmittag für die Senioren der Stadt, mit Vorträgen, Stuhlsport und Gesprächen. Nicht so heuer. In Corona-Zeiten wollen die Beiräte kein Risiko eingehen und vor allem die Senioren keiner Infektionsgefahr aussetzen. Obwohl die Absage schon etwas länger beschlossene Sache ist, diskutierte der Seniorenbeirat nun fast eine Stunde lang über die Absage. Katalysator der wortreichen 60 Minuten war ein Antrag der SPD im Stadtrat.

Der Vorstoß der Genossen, der tags zuvor im Stadtrat diskutiert worden war, stiftete bei den Senioren im Beirat für ein wenig Verwirrung, denn laut dem Schreiben will die SPD am Internationalen Tag der Älteren etwas für die älteren Herrschaften in Penzberg organisieren. „Das war irritierend“, gibt Stadträtin Ute Frohwein-Sendl (Penzberg Miteinander) zu. „Ich weiß nicht, warum sich die SPD da so reinhängt“, ärgerte sich Brigitte Gerlach. Weniger ärgerlich wirkte dagegen Siegfried Höfler, der Vorsitzende des Seniorenbeirates, als er sagte: „Es ehrt die SPD ja, dass sie den Antrag stellt.“ Der Antrag schien Höfler aber doch etwas zu verunsichern, als er seine Kollegen fragte, „was wir mit dem Internationalen Tag der Älteren machen?“ Eigentlich hatte man sich ja bereits dazu entschlossen, das „Herbstlicht“ in der Stadthalle quasi auszublasen, „schweren Herzens“, betonte Höfler. Man sorge sich um die ältere Generation, „wir sind ja in der Risikogruppe“, ergänzte der Vorsitzende, die Corona-Pandemie und deren ungewisse Entwicklung fest im Blick. „Aber nicht, dass der Eindruck entsteht, wir hätten die Senioren vergessen“, fügte Höfler noch an. 

Hintergrund des Bestrebens der SPD seien, laut Stadträtin Katharina von Platen (Grüne), mögliche För­dergelder im Rahmen der Initiative „Unser Soziales Bayern: Wir helfen zusammen!“ des bayerischen Sozialministeriums. Fördergelder, auf die ein Schreiben des Landratsamtes Weilheim-Schongau hingewiesen hatte. Doch wie genau die Förderrichtlinien lauten und ob Gelder überhaupt für einen Veranstaltungstag und nicht allein für Organisationen fließen können, will von Platen, die in den Zuschauerreihen des großen Sitzungssaales Platz genommen hatte, noch für den Beirat herausfinden. Was aber die Realisierung eines Veranstaltungstags für Ältere angeht, so „setzen wir auf eure Expertise, ihr seid‘s die Experten“, sagte von Platen, und konnte auf ein paar lächelnde Gesichter im Gremium blicken. 

Dann ging plötzlich die Tür im Sitzungssaal auf, Bürgermeister Stefan Korpan betrat leise den Raum und setzte sich mit ausreichend Abstand neben Höfler, etwas später als geplant, ein Termin habe ihn länger aufgehalten, entschuldigte er sich. Auf den Tag der Senioren angesprochen, erwähnte Korpan abermals das Schreiben der Landratsamtes und berichtete, dass Norbert Grabmeier vom Familienbüro bereits ein paar Szenarien durchgespielt habe, was für die Senioren am 1. Oktober veranstaltet werden könne: ein Nachmittag in der Stadthalle, eine Filmvorstellung im Kino P. oder auch Besuche im AWO-Seniorenheim und im Steigenberger Hof. Überlegungen, die mit dem Seniorenbeirat besprochen werden sollten. „Wir haben im Vorstand schon beschlossen, den Tag abzusagen“, bremste Höfler die Euphorie des Rathauschefs, denn man wolle sich „nicht den Schuh anziehen“, sollte an diesem Tag in der Stadthalle „etwas passieren“. Und abgesehen davon seien Besuche in den beiden Seniorenheimen ohnehin eine Idee des Seniorenbeirats gewesen, die im Übrigen schon lange im Raum stehe, so Höfler. 

Frohwein-Sendl wiederum war keineswegs gänzlich abgeneigt, zum Tag der Älteren etwas zu organisieren beziehungsweise organisieren zu lassen. Die Veranstaltung könnte man ja „im Rahmen der Corona-Krise an die Stadt abgeben“, sagte sie, die auch darauf hinwies, dass die Besuche in den Seniorenheimen unabhängig vom 1. Oktober durchgeführt werden. 

Hans-Werner Neumann, der beklagte, dass man eine Stunde dafür verwendete, um über Beschlossenes zu sprechen, sorgte dann selbst dafür, dass die Zeit weiter verstrich, als er ausholte und über die Geschichte des Internationalen Tags der Älteren sprach, in dem Glauben, dass viele gar nicht wüssten, was es mit dem 1. Oktober auf sich hat. Höfler nickte da zustimmend. Im vergangenen Jahr sei er extra frühmorgens aufgestanden, um im Fernsehen Berichte zum Tag der Älteren zu sehen, stattdessen „wurde vom Tag des Kaffees gesprochen“, so der Vorsitzende. Neumann jedenfalls kam letztlich zu der Erkenntnis: „Der 1. Oktober ist für uns heilig.“ Und wenn der Seniorenbeirat beschlossen habe, an diesem Tag nichts zu machen, dann sei das nun einmal eine unumgängliche Entscheidung. Des Weiteren schlug er vor, die Besuche in den Seniorenheimen nicht am 1. Oktober durchzuführen, denn er wolle nicht den heiligen Tag und die Visiten zusammenschmeißen und so verwischen lassen. Abermals konnte sich Neumann über Zustimmung freuen, dieses Mal von Hermann Eichners, der nun das Schlusswort ergriff und meinte, die Stadt könne eine Ersatzveranstaltung auf die Beine stellen, aber eben nicht am 1. Oktober. ra

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