Keine Nachlässigkeit

Kochels Blühflächen müssen sich erklären

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Bauhofleiter Benno Gstaiger (rechts) und Thomas Holz stellen das erste Hinweisschild an der Alten Straße auf. Dort, wo sie im Mai die Blumensaat ausgebracht hatten, blüht es nun gewaltig.

Kochel – Bürgermeister Thomas Holz scheint eine Vorliebe für Schilder zu haben. Nachdem er rund um den Kochelsee Schilder mit Verhaltensregeln aufstellen ließ, um die Natur von Müll zu befreien, folgte nun das nächste Schild. Etwas kleiner, aber auch ein Hinweis auf die umliegende Natur.

Vor rund vier Monaten war da nur braune Erde zu sehen. Mittlerweile summt und brummt es an jener Stelle, denn ein Meer aus Blüten in Gelb, Rot und Blau begleitet nun einen Teil der Alten Straße. Ein Blühstreifen, der gut ankommt, wie der Rathauschef in der jüngsten Gemeinderatssitzung verkündete. Nicht allein das bunte Farbspiel sei von vielen Kochlern gelobt worden, sondern auch der kommunale Einsatz für den Erhalt der Artenvielfalt. Auch habe es eine rege Nachfrage nach dem Saatgut gegeben, „einige wollen so auch einen Beitrag für den Natur- und Umweltschutz leisten“, freut sich Holz. Aber es ist nicht allein der schmale Blühstreifen an der Alten Straße, den die Gemeinde in ein natürliches Blumenbeet verwandelt hat, auch auf den 35.000 Quadratmetern des Kurparks an der Badstraße fliegen Insekten auf reichlich Stempel. Und: entlang der Gleise, auf welchen die Bahnlinie Kochel - Tutzing verkehrt, wird nicht mehr intensiv gemäht, abgesehen von den Abschnitten, welche „sicherheitsrelevant“ seien, erklärt der Bürgermeister, der als Mitglied der Fachgruppe „Gewässer“ beim Runden Tisch „Arten- und Naturschutz“ nach dem Volksbegehren zur Bienenrettung gelernt habe, wie wertvoll simple Randstreifen sein können. Gut gesät strecken sich auf solchen Flächen nämlich rasch Grashalme gen Himmel und bieten damit vielen Chitinträgern, aber auch anderen Kleinlebewesen Lebensraum. 

Da im Bereich neben den Gleisen allerdings keine bunten Blütenköpfe beim Vorbeirauschen des Zuges im Fahrtwind wackeln, seien mehrfach auch kritische Fragen an die Gemeinde gerichtet worden, unter anderem, ob der Bauhof die Anlagenpflege nun eingestellt habe. Fragen, die Holz nun nicht mehr selbst beantworten muss, er überlässt einem kleinen Schild diese Aufgabe, welches nun in den Blütenmeeren steckt. Die Worte „Unsere Gemeinde blüht – Wildes, schönes Grün für Bienen, Schmetterlinge & Co.“ prangen darauf. „Damit weisen wir darauf hin, dass es sich bei diesen Streifen nicht um eine Nachlässigkeit des gemeindlichen Bauhofs handelt, sondern um einen ganz bewussten Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt“, erläutert der Rathauschef. Im kommenden Jahr werden wohl noch mehr solcher Schilder im Gemeindegebiet in die Erde gesteckt, denn der Anteil an Blühflächen soll dann noch größer werden. ra

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