Zukunftskonzept für HAP: Bis zu 400 Arbeitsplätze sollen wegfallen

Massiver Stellenabbau

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Da hofften sie noch: HAP-Mitarbeiter bei einer Protestaktion Anfang Dezember.

Penzberg – Noch im Dezember protestierten Mitarbeiter von Hörmann Automotive Penzberg auf dem Stadtplatz, begleitet von Pfeifengetriller und in den Himmel gestreckten Plakaten, die die Sorgen in wenigen Lettern zum Ausdruck brachten. Nun liegt das alternative Zukunftskonzept vor.

Die schlimmsten Befürchtungen sind eingetreten, niedergeschlagene Stimmung macht sich bei Hörmann Automotive Penzberg (HAP) breit. Dem Betriebsrat wurde nun durch die Geschäftsleitung das alternative Zukunfskonzept präsentiert, das vorsieht, dass in den kommenden drei Jahren bis zu 400 Arbeitsplätze an der Seeshaupter Straße abgebaut werden. 

Zudem sollen weitere Arbeitsteile ins Hörmann-Werk in der Slowakei verlagert werden. „Es ist für uns ziemlich heftig, es ist dramatisch“, erklärt Thomas Nachtmann. Der Betriebsratsvorsitzende hatte gestern die Aufgabe, der Belegschaft bei der Betriebsversammlung die schlechten Nachrichten zu verkünden. Derzeit sind bei dem Automobilzulieferer inklusive Azubis und Leiharbeiter mehr als 700 Mitarbeiter beschäftigt. Der Stammbelegschaft gehören laut Nachtmann rund 630 Beschäftigte an, von denen in den nächsten Jahren rund zwei Drittel arbeitslos werden. 

Dem Betriebsrat und der IG Metall teilte die HAP-Spitze darüber hinaus mit, dass für das alternative Zukunftskonzept Investitionen im zweistelligen Millionenbereich getätigt werden. Jedoch sei fraglich, ob die Hörmann-Zentrale in Kirchseeon der Absicherung des Konzepts zustimmt, sagt Nachtmann. Die Hauptverwaltung von Hörmann äußert sich nur in wenigen Sätzen zum neuen Konzept. „Jetzt muss das Zukunftskonzept bis Ende Februar noch einer detaillierten Prüfung der Wirtschaftlichkeit und Finanzierbarkeit durch Experten unterzogen werden. Die Ergebnisse werden erst Ende Februar kommuniziert, um die Umsetzbarkeit sicherzustellen“, sagt Sprecherin Celina Begolli. 

Bis Ende Februar will Thomas Nachtmann aber nicht warten. Der Betriebsratsvorsitzende hat mit der Unternehmenszentrale einen Verhandlungstermin am 15. Februar vereinbart. „Weil das die einzige Chance ist, um wieder auf die Füße zu komme“, betont Nachtmann. Dabei soll auch geklärt werden, ob es Abfindungen für entlassene Mitarbeiter gibt, ob sozialverträglich vorgegangen wird und ob die Finanzierung des alternativen Konzepts gewährleistet ist. 

Der Betriebsrat und die IG Metall hatten im Herbst ein Wachstumskonzept vorgeschlagen, wonach in Penzberg in ein Logistikzentrum und in eine Lackieranlage investiert werden sollte. Das hatte die Geschäftsführung abgelehnt. „Warum wurde nicht früher investiert? Wir sind nicht wettbewerbsfähig hergerichtet worden“, klagt Nachtmann, der fürchtet, „dass alles noch schlimmer kommt“. akr

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