Per Mail statt persönlich

Arbeitsagenturen Rosenheim und Weilheim berieten rund 250 HAP-Mitarbeiter

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Im HAP-Werk wurde im Februar eine Jobmesse mit rund 50 Unternehmen veranstaltet. Mit dabei: Oliver Wackenhut, kommissarischer Leiter der Weilheimer Agentur für Arbeit, und Penzbergs Wirtschaftsförderin Monique van Eijk.

Penzberg – Im Februar stand Oliver Wackenhut, kommissarischer Leiter der Weilheimer Agentur für Arbeit, noch ein wenig verdutzt im HAP-Werk an der Seeshaupter Straße und blickte auf die Stände um sich herum. „So etwas hat es hier in der gesamten Region noch nie gegeben“, sagte er damals, als die Behörde, für die er arbeitet, in Zusammenarbeit mit dem HAP-Betriebsrat und der Stadt Penzberg eine Jobmesse aus dem Boden gestampft hatte. Das damalige Ziel: Den etwa 400 Beschäftigten, die zu dieser Zeit noch bei HAP arbeiteten, eine Anschlussbeschäftigung zu vermitteln. Schon zuvor hatte die Arbeitsagentur ein Beratungsbüro im Werk eingerichtet. Das jedoch musste wenige Wochen nach der Messe wegen Corona schließen.

Zum Staunen in Wackenhuts Gesicht von damals dürfte sich inzwischen eine gewisse Zufriedenheit gesellt haben. Auch wenn er aus dem Stegreif keine konkreten Zahlen parat hat, so erklärt er doch: „Viele der 630 Mitarbeiter, die im Juni 2019 bei der HAP beschäftigt waren, haben sich bei den Agenturen für Arbeit in Weilheim und Rosenheim gemeldet.“ Und die Kollegen dort seien recht erfolgreich gewesen, „schließlich konnten viele Beschäftigte bereits in Arbeit vermittelt werden“. Zahlreiche weitere Betroffenen stünden in intensivem Kontakt zu ihrem potenziellen neuen Arbeitgeber, weitere machten oder planten eine Qualifizierung. „Die Vermittlungszahl kann deshalb nicht in absoluten Zahlen ausgedrückt werden“, sagt Wackenhut. Michael Schankweiler, Vorsitzender der Geschäftsführung der Arbeitsagentur in Rosenheim, schiebt hinterher: „Wichtig ist uns dabei auch, dass zahlreiche HAP-Mitarbeiter aktuell noch nicht arbeitslos, sondern arbeitsuchend gemeldet sind, da das Beschäftigungsverhältnis noch andauert“. 

Dass im Oktober 2019 ein Beratungsbüro auf dem HAP-Gelände eingerichtet wurde, sei ein wichtiger Schritt gewesen, bilanziert Wackenhut. „Die Agenturen für Arbeit Rosenheim und Weilheim haben gemeinsam vor Ort rund 250 Betroffene beraten und sie bei der beruflichen Orientierung unterstützt“, betont er. Dabei ging es um die Beratung zu Bewerbungsunterlagen, Vorstellungsgesprächen und möglichen Qualifizierungen ebenso wie um das Knüpfen von direkten persönlichen Kontakten zu potenziellen neuen Arbeitgebern. „Im Zuge dessen sind auch die Unternehmen intensiv zu möglichen Unterstützungsmöglichkeiten bei der Stellenbesetzung informiert worden“, sagt Wackenhut und nennt Probearbeit oder Qualifizierungsmaßnahmen direkt am Arbeitsplatz als zwei Beispiele. 

Das Engagement für HAP sei aus zweierlei Gründen für die Arbeitsagentur schon etwas Besonderes gewesen. Zum einen gab es da natürlich die große Anzahl an Menschen, die mit dem Verlust ihres Arbeitsplatzes konfrontiert waren, zum anderen zeigte sich eine große Solidarität mit den Betroffenen, die ihren Ausdruck letztlich in der Vielzahl an Unternehmen fand, die sich an der Jobmesse beteiligt hatten. Die Beratung der HAP-Leute hingegen war für die Agentur-Mitarbeiter nichts Außergewöhnliches. „Wir waren hier mit den Herausforderungen konfrontiert, die wir aus unserem täglichen Geschäft kennen: Zahlreiche Mitarbeiter haben lange Jahre für das Unternehmen gearbeitet und verfügen dementsprechend über spezifisches Wissen“, erklärt Schankweiler. Deshalb bemühe man sich, Kontakt zu Unternehmen herzustellen, bei denen die ehemaligen HAP-Mitarbeiter genau ihr Wissen einbringen können. „Zudem können die Firmen, wenn die entsprechenden Voraussetzungen erfüllt sind, während der Einarbeitungsphase einen sogenannten Eingliederungszuschuss erhalten“, erklärt Wackenhut. 

Doch dann kam Corona, und auch bei HAP war nichts mehr so, wie es bis dahin gewesen war: Die Arbeitsagentur schloss ihr Büro an der Seeshaupter Straße und die Unternehmer, die zuvor so interessiert an neuen Mitarbeitern waren, hatten plötzlich genug damit zu tun, ihrer Stammbelegschaft nicht kündigen zu müssen. „Unsere Ansprechpartner stehen jedoch nach wie vor telefonisch und per Mail in intensivem Kontakt zu den Betreffenden“, betont Wackenhut. Als „Meilenstein“ bezeichnet er im Rückblick die Jobmesse vom 12. Februar, „durch die zahlreiche neue Arbeitsverhältnisse zustande kamen“. la/ra

Interessierte Arbeitgeber, die trotz Corona einem HAP-Mitarbeiter eine Anschlussbeschäftigung bieten möchten, können sich unter der kostenlosen Servicenummer 0800/4555520 an die Agentur für Arbeit wenden.

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