Bewerbung ohne Bürokratie

Jobmesse im HAP-Werk soll Plattform für Mitarbeiter und potenzielle Arbeitgeber sein

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Sind darum bemüht, alle Mitarbeiter beruflich in sicheres Fahrwasser zu bringen: Thomas Nachtmann (links) und Bayram Yerli.

Penzberg – Im November herrschte noch reger Betrieb im Werk von Hörmann Automotive Penzberg (HAP), das bald geschlossen wird. Und noch immer kommen über 450 Mitarbeiter Tag für Tag in das Werk, noch. Eine Jobmesse soll nun dafür sorgen, dass nach der Schließung niemand vor dem beruflichen Aus steht.

Seit einigen Monaten schon gibt es ein paar neue Büros in dem Werk an der Seeshaupter Straße, das am 30. Juni die Schotten dicht macht. In diesen Büros sitzen Mitarbeiter der Agentur für Arbeit aus Weilheim und aus Bad Tölz, die alles daran setzen, HAP-Mitarbeiter bei der Klärung rechtlicher Dinge zu unterstützen, ihnen bei der Suche nach einem neuen Job zu helfen oder sie zumindest für einen solchen zu qualifizieren. „Die Agentur für Arbeit ist ständig im Haus“, freut sich der Betriebsratsvorsitzende Thomas Nachtmann. Und „das Angebot wird sehr gut genutzt“, ergänzt Michael Schankweiler, Agentur-Geschäftsführer in Weilheim, der sich jedoch auch bewusst ist, das man noch lange nicht am Ende sei. Viele Mitarbeiter, so Nachtmann, seien schon viele Jahre in dem Werk angestellt, und auch wenn ein gewisses Alter in der Regel eine gewisse Erfahrung bedeute, so sei es „mit einem Fünfer vorne dran echt ein Problem“, bedauert er mit Blick auf die Generation Ü50. Ebenso sorgenvoll schaut Nachtmann auch auf all die Menschen mit Schwerbehinderung, die bei HAP arbeiten. Dass sie es alles andere als leicht haben, eine neue Arbeitsstelle zu finden, ist in seinen Augen „völlig ungerechtfertigt“, wollen diese Mitarbeiter doch trotz oder gerade wegen ihres Handicaps stets die beste Leistung bringen. „Wir dürfen sie nicht vergessen“, appelliert Nachtmann. Er hat sie jedenfalls nicht vergessen und gemeinsam mit dem Münchner Inklusionsamt und der Agentur für Arbeit am 5. Februar einen Runden Tisch organisiert. 

„Wir sind guter Dinge, dass wir einige unterbringen“, gibt sich Bayram Yerli, der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende, optimistisch. Und Yerli blickt auch auf die Auszubildenden: „Von den 26 Lehrlingen haben lediglich zwei angehende Industriemechaniker noch keinen neuen Ausbildungsbetrieb gefunden.“ 

Zwischen 450 und 500 Mitarbeiter seinen derzeit noch im Werk, schätzt Nachtmann, der nun jedoch mit regelrechten Kündigungswellen rechnet, denn „die Leute haben jetzt keinen Abschlag mehr, wenn sie kündigen“. Und während im November die Produktion noch brummte, eine „skurrile Situation“, so Nachtmann, geht sie nun „immer weiter runter“. Rund 200 Mitarbeiter halten dem Werk aber noch bis zum Schluss die Treue. „An der Schließung am 30. Juni wird es aber nichts mehr zu rütteln geben“, sagt Nachtmann. Das glaubt auch Schankweiler, der mit seinem Team bereits rund 300 Beratungsgespräche mit 150 HAP-Mitarbeitern geführt hat. „Zehn Prozent davon sind direkt versorgt“, lächelt Schankweiler, und meint damit, dass 15 Mitarbeiter bereits eine neue Stelle gefunden haben. Auch für die übrige Belegschaft will sich Schankweiler einsetzen, mit „schnellen und unbürokratischen“ Vermittlungen und Qualifizierungen, dafür sei die Agentur „ausreichend finanziell ausgestattet“. Man könne Bewerbungsverfahren auch verkürzen, fügt Udo Kohnen, Leiter der Agentur für Arbeit in Bad Tölz, hinzu. Und damit alles so zügig und unbürokratisch vorangeht, hätten die beiden Agenturen ihre „Kräfte sehr schnell gebündelt“, so Kohnen. Nun gehe es darum, den Menschen eine Perspektive zu geben, denn jeder Tag in Arbeitslosigkeit sei mit geweckten und enttäuschten Hoffnungen verbunden, weiß der Leiter der Tölzer Agentur. 

Die beiden Arbeitsvermittler hoffen nun, dass die Jobmesse, die am 12. Februar im HAP-Werk stattfindet, einiges bewegt, denn dabei werden beide Parteien unkompliziert zusammengebracht. Die Parteien, das sind die HAP-Mitarbeiter und ihre potenziellen Arbeitgeber von morgen. Und die sollen zwischen 10 und 16 Uhr, ein Zeitraum, der den Mitarbeitern aller Schichten die Teilnahme ermöglicht, zusammenfinden. Potenzielle Arbeitgeber werden aber noch gesucht. Zwar haben bereits rund 30 Unternehmen ihr Interesse bekundet, wie Penzbergs Wirtschaftsförderin Monique van Eijk mitteilt, doch es sollen noch mehr werden. Bürgermeisterin Elke Zehetner würde sich jedenfalls freuen, wenn am 12. Februar „HAP aus den Nähten platzt“. ra 

Arbeitgeber, die bei der Jobmesse vertreten sein wollen, können sich per E-Mail an wirtschaftsfoerderung@­penzberg.de anmelden.

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