HAP-Konzernzentrale weist Vorwürfe von IG Metall und Betriebsrat zurück

Um Erhalt vieler Arbeitsplätze bemüht

Wie soll es weitergehen? Das HAP-Werk an der Seeshaupter Straße.

Penzberg – Die einen klagen über drohenden Stellenabbau, die anderen betonen, sich für ein Fortbestehen des Werkes einzusetzen. Wie unterschiedlich eine Situation bewertet werden kann, zeigt die Angelegenheit um das HAP-Werk und die befürchtete Entlassung mehrerer hundert Mitarbeiter.

Während die IG Metall und der Betriebsrat fehlende Investitionen sowie die Verlagerung von Produktionsteilen und Maschinen ins slowakische Werk für die Misere verantwortlich machen, weist die Konzernzentrale die Vorwürfe zurück. Zum einen seien an der Seeshaupter Straße schon enorme Investitionen getätigt worden, und zum anderen arbeitsintensive Bauteile mit geringen Stückzahlen ins slowakische Schwesterwerk verlagert worden, „um in einem Fertigungsverbund die Wettbewerbsfähigkeit der HAP nachhaltig zu stärken“. 

Um den Fortbestand des Penzberger Hörmann-Werkes zu sichern, seien „hohe Investitionen in Höhe von mehr als 20 Millionen Euro in den nächsten fünf Jahren erforderlich“, heißt es in einer Mitteilung aus der Konzernzentrale in Kirchseeon. Die vom Betriebsrat geforderte Großinvestition in eine neue Lackieranlage und ein neues Logistikzentrum fordert laut Geschäftsführung ein zusätzliches Investitionsvolumen von 15 bis 20 Millionen Euro. „Das würde aber die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts nicht deutlich verbessern.“ Auch wenn der Gesellschafter um den Erhalt von möglichst vielen Arbeitsplätzen in Penzberg bemüht sei, so müsse aus Unternehmenssicht ein „realistischer Blick auf die Wirtschaftlichkeit und Finanzierbarkeit im Sinne einer nachhaltigen Zukunftssicherung der HAP gewahrt bleiben“. 

Um das Werk Penzberg langfristig zu erhalten, werde derzeit „ein realistisches und finanziell tragfähiges Zukunftskonzept durch das Management in Penzberg mit den Mitarbeitern erarbeitet, auch unter Mitwirkung des Betriebsrats der HAP“, heißt es weiter. Wesentliche Zielsetzungen dieses Konzepts sind neben der in der Automobilzuliefer-Industrie üblichen Verlagerung von Bauteilen ins slowakische Schwesterwerk die weiteren Investitionen in die Automatisierung der Produktion von komplexen und technologisch anspruchsvolleren Schweiß- und Montage-Baugruppen. Zudem sollen Fertigungskapazitäten für den Produktbereich „Medienführende Leitungen“ erweitert werden, der in der jüngsten Vergangenheit zahlreiche Neuaufträge akquirieren konnte. Das neue Zukunftskonzept soll bis Mitte Dezember fertiggestellt und dem Betriebsrat vorgestellt werden. Die Geschäftsführung der HAP geht weiterhin davon aus, dass im Januar 2019 ein neuer Ergänzungstarifvertrag mit der IG Metall abgeschlossen wird. 

Um die weitere Vorgehensweise zu erläutern, führte das Top-Management der Hörmann Automotive als Gesellschafter und der HAP am Montag ausführliche Gespräche mit Mitarbeitern in allen drei Schichten der Fertigung. Die Kernaussagen wurden in einem Schreiben an die Belegschaft zusammengefasst. Demnach habe sich der Preisdruck in der Nutzfahrzeugindustrie als auch die Wettbewerbsintensität durch neue kostengünstige Anbieter aus Osteuropa deutlich verschärft, so dass mehr und mehr Aufträge für HAP verloren gegangen oder durch die Kunden abgezogen worden seien. Im laufenden Geschäftsjahr werde HAP deshalb Verluste in Millionenhöhe erwirtschaften, auch für 2019 werden hohe Verluste erwartet. akr

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