HAP-Werk wird 2020 geschlossen

630 Arbeitsplätze am Standort Penzberg entfallen / Verlagerung in die Slowakei erfolgt noch heuer

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Nachdem die Betriebsschließung bekannt gegeben war, trafen sich HAP-Mitarbeiter, Betriebsrat und IG Metall vor dem Werkstor zu einer Protestaktion.

Penzberg – Bereits auf der Protestkundgebung im Dezember vergangenen Jahres wurden die Schilder mit anklagenden Parolen durch die Luft geschwenkt. Das Ziel der Demonstrierenden: der Erhalt von HAP. Nun reckten sich die Schilder abermals gen Himmel: Das Penzberger Werk wird 2020 geschlossen.

Aus, Schluss, vorbei: Das Werk von Hörmann Automotive Penzberg (HAP) wird dicht gemacht. Die Konzernzentrale in Kirchseeon gab am Donnerstag Verlagerung und Betriebsschließung des Werks bekannt. Rund 630 Mitarbeiter sind davon betroffen.„Wir bedauern die Schließung des Werkes Penzberg sehr“, sagt Michael Radke, Vorstandsvorsitzender der Hörmann Gruppe, „angesichts der seit Jahresbeginn schnell ansteigenden Verluste und des hohen Finanzbedarfs sehen wir leider keine Möglichkeit mehr für eine nachhaltige Fortführung der Gesellschaft.“ Die HAP-Mitarbeiter wurden bei einer Belegschaftsversammlung über die Schließung informiert. Das Werk des Automobilzuliefers in Penzberg soll bis 30. Juni 2020 geschlossen werden, wobei ein Großteil der Verlagerung bis Ende 2019 erfolgt. „Die Produktion wird geordnet in andere Werke des Geschäftsbereichs Automotive, der größte Teil in das 2017 eröffnete Werk in Banovce in der Slowakei, verlagert“, verkündet Radke. Infolge der Verlagerungen entfallen alle 630 Arbeitsplätze in Penzberg. 

Hörmann Automotive Penzberg wird 2020 geschlossen: Mitarbeiter, Betriebsrat und IG Metall protestieren vor dem Werkstor

Hörmann Automotive Penzberg: HAP wird 2020 geschlossen und in die Slowakei verlagert - alle 630 Arbeitsplätze entfallen © akr
Hörmann Automotive Penzberg: HAP wird 2020 geschlossen und in die Slowakei verlagert - alle 630 Arbeitsplätze entfallen © akr
Hörmann Automotive Penzberg: HAP wird 2020 geschlossen und in die Slowakei verlagert - alle 630 Arbeitsplätze entfallen © akr
Hörmann Automotive Penzberg: HAP wird 2020 geschlossen und in die Slowakei verlagert - alle 630 Arbeitsplätze entfallen © akr
Hörmann Automotive Penzberg: HAP wird 2020 geschlossen und in die Slowakei verlagert - alle 630 Arbeitsplätze entfallen © akr
Hörmann Automotive Penzberg: HAP wird 2020 geschlossen und in die Slowakei verlagert - alle 630 Arbeitsplätze entfallen © akr

„Die Bombe ist geplatzt. Heute ist ein schlimmer Tag“, fasste Thomas Nachtmann die Stimmung bei HAP zusammen. Die seit Monaten schwelende Hängepartie mit dem Szenario der bevorstehenden Schließung sei zum Nachteil der Mitarbeiter beendet. Der Betriebsratsvorsitzende kritisierte die fragwürdige Kommunika­tionspolitik der Geschäftsführung, zuerst die Presse und die Öffentlichkeit von der Schließung zu informieren und erst dann den Betriebsrat und die Arbeitnehmer. Die Konzernzentrale habe es jahrelang versäumt, das HAP-Werk wettbewerbsfähig zu erhalten, mit Maschinen auszustatten und in eine neue Lackieranlage und ein Logistikzentrum zu investieren. 

Nachdem die Geschäftsführung den Mitarbeitern die schlechte Nachricht überbracht hatte, trafen sich HAP-Mitarbeiter, Betriebsrat und IG Metall vor dem Werkstor. Daniela Fischer von der IG Metall wütete, es sei „eine absolute Frechheit“, dass der Gesellschafter die Mitarbeiter für die Schließung verantwortlich mache. Laut Radke ist im Hochlohnsektor – zu diesem gehört HAP in Penzberg – die Produktion nicht zu halten, daher werde nach Osteuropa verlagert. Fischer wandte sich an die HAP-Mitarbeiter: „Das Geld, das ihr im Tarifvertrag verdient, steht euch zu.“ 

Hörmann Automotive werde ein umfassendes Sozialpaket zur Milderung der Folgen des Arbeitsplatzverlusts zur Verfügung stellen, versprach Radke. Aber auch hier gab es heftige Kritik von Fischer. Der Gesellschafter solle die versprochenen 20 Millionen Euro für die Mitarbeiter sofort bereitstellen, forderte sie. Die Konzernführung plane indes, im Rahmen des Millionenbetrags auch Sonderfonds für soziale Härtefälle, Stellenvermittlung und Mobilitätshilfen bereitzustellen, so Fischer. 

Schließung von HAP: Das Pressegespräch im Rathaus

Michael Radke © akr
Hörmann Automotive Penzberg: HAP wird 2020 geschlossen und in die Slowakei verlagert - das Pressegespräch im Rathaus © akr
Hörmann Automotive Penzberg: HAP wird 2020 geschlossen und in die Slowakei verlagert - das Pressegespräch im Rathaus © akr
Daniela Fischer, Thomas Nachtmann, Bürgermeisterin Elke Zehetner, Michael Radke © akr
Mitarbeiter von HAP © akr

Radke prangert schwierige wirtschaftliche Rahmenbedingungen und strukturelle Wandlungsprozesse an der Seeshaupter Straße an: „Das Werk Penzberg befindet sich seit vielen Jahren unter hohem Preisdruck, der sich durch starke Wettbewerber aus Osteuropa und den erhöhten Wettbewerbsdruck in der Nutzfahrzeugindustrie deutlich verschärft hat.“ Nur durch die Ergänzungstarifverträge und Entgeltverzichte der Mitarbeiter sei es gelungen, Arbeitsplätze in Penzberg zu erhalten. Die Geschäftsführung habe alles unternommen, um die technologische Erneuerung des Werks voranzutreiben. Seit der Übernahme in 2008 wurden mehr als 40 Millionen Euro ins Werk Penzberg investiert, „ohne nur einen Euro Gewinn zu entnehmen“, so Radke. In 2018 geriet HAP in die Verlustzone mit einem Fehlbetrag von 4,6 Millionen Euro. Die defizitäre Entwicklung setzt sich heuer fort: Die Gesellschaft rechnet mit einem Verlust von über 8 Millionen Euro. akr

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