Das Hoffen auf den Einzelhandel

Schön wäre es nach Meinung der Bad Heilbrunner Kommunalpolitiker, wenn dieses Schreibwaren- und Fotogeschäft nicht der einzige Laden in der nördlichen Badstraße bleiben, sondern sich weitere Einzelhandelsgeschäfte in der Ortsmitte ansiedeln würden.

In Bad Heilbrunn wagen Bürgermeister Thomas Gründl und die Gemeinderäte einen neuen Anlauf, die Ortsmitte wieder mit Leben zu erfüllen. Zwei Tage lang haben sich die Kommunalpolitiker in Klausur getroffen, um ein Leitbild zu erstellen, wie die Gemeinde in zehn oder 20 Jahren aussehen soll. Zu einem Ergebnis sind sie allerdings nicht gekommen, denn „wir haben erst die Stärken und Schwächen von Bad Heilbrunn heraus gearbeitet“, wie Gründl sagt. Deshalb sei noch offen, ob der Tourismus weiter im Vordergrund stehen wird, ob Handwerk und Handel mehr an Bedeutung gewinnen sollen oder ob die Gemeinde zu einer reinen Wohngegend umgestaltet werden soll.

Eine Abkehr vom Fremdenverkehr, wie manchmal gefordert wird, hält Gründl angesichts der vielen Arbeits- und Ausbildungsplätze, die von der Branche abhängig seien, für gefährlich, denn „das hätte weit reichende Folgen“, auch finanziell. Denn laut Gründl nimmt die Gemeinde jedes Jahr rund 200.000 Euro aus dem Fremdenverkehr ein. Um zu sehen, wie man den Tourismus ankurbeln könne, müssten einfach noch mehr Fakten auf den Tisch, vor allem, warum in manchen Jahren die Übernachtungszahlen enorm zurückgehen, in anderen Jahren aber nur ganz marginal. Ferner müsse geklärt werden, weshalb manche Beherber- gungsbetriebe weitaus bessere Zah- len vorweisen können als andere. „Wir müssen das noch Stück für Stück aufarbeiten und dann unsere Hausaufgaben machen“, lautet die Devise des Bürgermeisters. Dazu gehört auch, endlich mit der Kurfürstin GmbH & Co KG auf einen Nenner zu kommen. Obwohl Gründl betont, weiterhin zu Gesprächen mit dem Vorstandsvorsitzenden Max Hoefter bereit zu sein und eine derartige Unterredung sogar zu wünschen, ist man sich in der Gemeinde im Klaren, dass „wir die weitere Entwicklung des Dorfes ohne Hoefter wollen müssen“. Klar sei für die Gemeinde lediglich, dass man an der Ausweisung des Areals von Kurhotel und Wandelhalle als Mischgebiet festhalten werde und man auch bereit sei, die Ruinen-Immobilien samt Grundstücke aufzukaufen - aber nicht zu dem utopischen Preis, den Hoefter fordere. Da mache das Landratsamt schon als Aufsichtsbehörde nicht mit. Das seien spekulative Geschäfte, „und da bekomme ich von oben eins auf die Mütze“, befürchtet Gründl. Ein Mischgebiet hat nach Ansicht des Bürgermeisters und der Gemeinderäte den großen Vorteil, dass in der Badstraße wieder Einzelhandelsgeschäfte, Arztpraxen und Bü- ros angesiedelt werden können und somit wieder pulsierendes Leben ins Zentrum kommt. Gründl weiß zwar, dass es in der Gemeinde viele gute Einzelhandelsgeschäfte gibt, doch liegen die alle in den Außenbereichen. „Wir haben eine Drogerie, eine Apotheke, eine Bäckerei, eine Metzgerei, einen Bio-Laden, einen Juwelier, zwei Frisöre, ein Schreibwarengeschäft und vieles mehr, aber leider über das ganze Dorf zerstreut“, listet er auf. Es wäre schön, wenn zumindest Bäcker und Metzger in der Dorfmitte eine Filiale aufmachen könnten und dann noch ein Dorfladen dazu käme. Die Kommunalpolitiker wollen jetzt aber erst einmal errechnen lassen, ob sich solche Geschäfte in einem Einzugsbereich von 1.000 Bürgern auch halten können und ob diese Geschäfte von der heimischen Bevölkerung auch entsprechend angenommen werden. In den nächsten Tagen will die Gemeinde an alle 460 Gewerbebetriebe ein Rundschreiben herausgeben mit der Frage, ob demnächst Erweiterungswünsche anstehen und ob man sich eine Niederlassung in der Ortsmitte vorstellen könne. Das Thema wird auch im Mittelpunkt der Bürgerversammlung am kommenden Freitag im Kursaal stehen.

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