Investor Rainer Beck reagiert nicht: Umstrittenes Hotelprojekt in Altjoch vor dem Aus

Erdhäuser versinken im Keller

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Bleibt nach den derzeitigen Erkenntnissen von dem Hotelprojekt mit den Erdhäusern verschont: die Kapellenwiese in Kochels Ortsteil Altjoch.

Kochel - Nun steht er im Keller, der Ordner zum Hotelprojekt in Altjoch. Bald könnte sich eine Staubdecke auf ihm bilden. Dann lässt sich wohl kaum noch erahnen, welche Brisanz sein Inhalt einst hatte. Der Grund, weshalb der Ordner nach unten gewandert ist: Rainer Beck lässt nicht von sich hören.

Die Idee des Münchner Immobilieninvestors Rainer Beck, in Kochels abgelegenem Ortsteil Altjoch auf einer bislang landwirtschaftlich genutzten Wiese eine Hotelanlage mit etwa zwanzig Erdhäusern errichten zu wollen, hatte im Juni des vergangenen Jahres für erheblichen Wirbel gesorgt. Etliche Anwohner hatten sich bestürzt darüber gezeigt, dass die in ihren Augen landschaftsbildprägende Wiese einem touristischen Großprojekt mit erheblicher Verkehrsbelastung geopfert werden könnte. Inzwischen sind die Wogen abgeebbt, denn Beck hat die mehrfachen Nachfragen von Kochels Bürgermeister Thomas Holz schlichtweg nicht beantwortet. 

26.000 Quadratmeter für Hobbit-Häuschen, Sauna, Kiosk, Tiefgarage

Laut ersten Planungen wollte Rainer Beck, Inhaber der Münchner Immobilienfirma Haus von Beck, sogenannte Kelten-Lodges auf seinem vor rund zehn Jahren erworbenen Grundstück zwischen der denkmalgeschützten Anastasia-Kapelle und dem naturbelassenen Seeufer bauen. Auch eine Sauna, ein Kiosk und eine Tiefgarage sollten zur Hotelanlage gehören und sich durch nachträgliche Begrünung optisch gefällig in die 26.000 Quadratmeter große Fläche einfügen. 

Kritik an Informationsveranstaltung 

Auf Initiative von Thomas Holz, dem an der frühzeitigen Einbindung der betroffenen Anwohner gelegen war, hatte im Juni eine Informationsveranstaltung stattgefunden, die allerdings vehemente Kritik nach sich zog. Der von Beck entsandte Mitarbeiter hatte den Altjochern nämlich nur wenige, sehr vage Eckdaten mitgeteilt, die so gar nicht zu jener Präsentation passten, die er im Beisein der beauftragten Architekten am selben Abend dem Gemeinderat in nichtöffentlicher Sitzung vorstellte. 

Auf der Gegenseite: Funkstille

Die Wogen schlugen hoch. Neben Kritik an der Zerstörung von Natur und Erholungsraum stand auch der Vorwurf der gezielten Zurückhaltung von Informationen im Raum. Während sich Rathauschef Holz in den darauffolgenden Wochen und Monaten gemäß seiner Zusicherung, die Sorgen der Anwohner ernst zu nehmen, in enger Abstimmung mit Altjocher Bürgern befand, herrschte auf der Gegenseite Funkstille. Auf das Drängen des Bürgermeisters, in einer zweiten Informationsveranstaltung den Anwohnern aussagefähige Fakten nachzureichen, bekam Holz keinerlei Rückmeldung. 

„Komplett im Sande des Kochelsees verlaufen“

„Nicht mal über den Status von Skizzen hinaus, geschweige denn in den Bereich von bauleitplanerischen Überlegungen ist die Idee der Kelten-Lodges gekommen“, teilte der Bürgermeister nun mit. Das Thema habe kurzfristig für Aufmerksamkeit gesorgt, sei aber „bereits komplett im Sande des Kochelsees verlaufen“, so Holz. Nach dem ersten „Aufschlag“ des Grundstückeigentümers habe er im Herbst mehrfach in dessen Büro nachgefragt, welche weiteren Schritte geplant seien, wann etwa die betroffenen Nachbarn umfassend informiert würden. „Da ich auf meine E-Mails nicht einmal eine Antwort erhalten habe, hatte sich das Thema für mich auch schnell erledigt“, berichtet der Rathauschef. Der „ohnehin recht dünne Ordner“ sei bereits in den Keller gewandert. 

Kühe grasen vorerst weiter

Weshalb sich Rainer Beck zu seinen Plänen nicht mehr äußerte, darüber kann nur spekuliert werden. Möglich, dass die von RTL Anfang Oktober ausgestrahlte Wallraff-Reportage über die vom Mieterbund schon länger angeprangerten Entmietungsmethoden des Hauses von Beck eine Rolle spielte. Immerhin deaktivierte die Firma daraufhin sowohl ihre Facebookseite als auch ihre Website. Für die Altjocher dürfte das zweitrangig sein, bleibt ihnen, wie auch allen übrigen Kochelern sowie den Urlaubern und Tagesausflüglern doch das oberbayerische Bilderbuchidyll der „Kapellenwiese“ mit grasenden Kühen und freiem Seezugang vorerst erhalten. cw

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