Rastlose Retter

Penzberger Tierschützer haben so viel zu tun, dass es ihnen manchmal zu viel wird

+
Stehen an der Spitze des Tierschutzvereins: Beate Kreutterer, Karin Ratzek-Endreß, Verena Volkmann-Ertl sowie Kathrin Zwerger (von links).

Penzberg – Ein Hund wurde an der Autobahn ausgesetzt. Es klingelt das Telefon. Eine Wildente hat sich in einen Garten verirrt. Es klingelt das Telefon. Bei Tag, bei Nacht. Bei der Jahreshauptversammlung des Tierschutzvereins gab Karin Ratzek-Endreß einen Einblick in die Arbeit der Ehrenamtlichen.

Es vergehe kein einziger Tag im Jahr, an dem das Telefon nicht klingele. „Manchmal ist es schon stressig, wenn man zu allen möglichen und unmöglichen Zeiten angerufen wird“, meint Karin Ratzek-Endreß, die Vorsitzende des Penzberger Tierschutzvereins. Und mit dem Anruf beginne die Arbeit erst. Das stellte sie bei der Jahreshauptversammlung des Vereins klar. Denn bei aller Tierliebe machte Ratzek-Endreß deutlich, dass sie und ihre Mitstreiter auch mal Zeit für sich und für ihren Job bräuchten. „Wir arbeiten alle ehrenamtlich und helfen, wo es uns möglich ist, aber manche Menschen sollten schon daran denken, dass auch wir unseren Beruf haben und nicht rund um die Uhr zur Verfügung stehen“, betonte Ratzek-Endreß. 

Da überraschte es im Café Extra niemanden, als die Vorsitzende in ihrem Rechenschaftsbericht vor allem über eines sprach: viel Arbeit. Fast 700 Anfragen haben den Verein im vergangenen Jahr erreicht: Hunde wurden gesucht, Kaninchen abgegeben oder Katzen gefunden, ein Vierbeiner wurde sogar an der Autobahn von seinem Besitzer zurückgelassen. Insgesamt 113 Findeltiere wurden 2018 vermittelt, darunter auch ein Pferd. Manche Hunde und Katzen hätten das Glück gehabt, „dass ihre Finder ihnen gleich ein neues Zuhause gegeben haben“, freute sich Ratzek-Endreß. Außerdem fanden zahlreiche Halter ihr schmerzlich vermisstes Haustier wieder – beziehungsweise das Haustier seinen Halter. Und das ist gar nicht so leicht angesichts der Tatsache, dass noch immer nicht alle Haustieren gechipt sind und viele Hunde keine Steuermarke am Halsband tragen, was die Suche nach den Besitzern wesentlich vereinfachen würde, meinte Ratzek-Endreß. 

Abgegeben wurden Hunde und Katzen, aber auch einige Kaninchen, drei Schildkröten und ein Meerschweinchen. Doch nicht allein für Tiere an der Leine oder in Körbchen und Käfig setzen sich die Mitglieder des Vereins ein, sondern auch für Fellnasen und Gefiedertes aus der freien Wildbahn. Und so konnten die Tierschützer für Dachse, Füchse, Eichhörnchen und Bussarde in Not eine Stelle finden, wo diese sachkundig gepflegt werden. Manchmal organisieren sie aber auch Umzüge: So hat etwa eine im Garten fehlgelandete Wildente mit ihren Küken ein neues Quartier am Huber See gefunden, „dank menschlicher Hilfe“, erinnert sich Ratzek-Endreß. 

Eine deutliche Erleichterung zu verspüren sei in den umliegenden Dörfern, dort wo großangelegte Kastrationen von Katzen durchgeführt wurden. Doch die Kosten für solche Aktionen – rund 18.000 Euro für Tierarztrechnungen – belasten die Kasse des Vereins. Trotz der Mitgliederbeiträge, Spenden und Schutzgebühren ist der Haushalt des Vereins im vergangenen Jahr um 370 Euro ins Minus gerutscht. Doch Kassiererin Kathrin Zwerger verwies auf das Guthaben auf dem Konto und wurde deshalb von den Revisoren entlastet. Entlastend für Bedürftige ist auch die Tier-Tafel: Zahlreiche Futterspenden werden dabei in die Körbe, welche in den Supermärkten bereitgestellt werden, gelegt. 

Erfreulich ist auch, dass der Verein immer wieder von fleißigen Helfern unterstützt wird, welche Fahrten zu Tierärzten übernehmen oder Tiere vorübergehend aufnehmen. „Nichtsdestotrotz suchen wir immer neue Helfer und Pflegestellen“, betonte Ratzek-Endreß. fw

Auch interessant

Meistgelesen

Das Wellenbad verabschiedet sich mit einem Hundeschwimmen
Das Wellenbad verabschiedet sich mit einem Hundeschwimmen
„Es funktioniert?!“: AWO-Hort wird von Staatssekretärin für 3D-Projekt ausgezeichnet
„Es funktioniert?!“: AWO-Hort wird von Staatssekretärin für 3D-Projekt ausgezeichnet
Ministerin Schreyer bei HAP: Arbeitsagentur und Inklusionsamt beraten direkt im Werk
Ministerin Schreyer bei HAP: Arbeitsagentur und Inklusionsamt beraten direkt im Werk
Trotz Protesten: Gemeinderat hält an Eintrittspreisen für das Apenwarmbad fest
Trotz Protesten: Gemeinderat hält an Eintrittspreisen für das Apenwarmbad fest

Kommentare