„Ich würde nichts anders machen“

Verlegt sich nach dem Siebzigsten von der Musik, ganz auf die Graphik: Egbert Greven mit seinen beiden Töchtern Pia (links) und Anette.

„70 Jahre alt werde ich, und eine kleine Feier ist da nicht zu vermeiden“: Diese Worte überschrieben die Einladung von Egbert Greven zu seiner dreiteiligen Geburtstagsfeier. Gemäß seiner Vorlieben war dann am vergangenen Sonntag ab 15 Uhr in der Galerie „schön + bissig“ der erste Teil der Gratulationscours angesagt, um 18.30 Uhr bekamen die Gäste etwas geschenkt, nämlich einen tollen Klavierabend mit Anna Gourari, und anschließend gab es noch eine kleine Stehparty. Aus allen Himmelsrichtungen waren die Gratulanten an diesem Tag nach Iffeldorf gekommen, um Egbert Greven zu feiern und mit ihm zu feiern.

Geboren wurde er 1941 in Neustadt in Oberschlesien, kam in den Wirren der Nachkriegszeit in den Westen und über Niederbayern nach Nordrhein-Westfalen. Dort begann er nach Beendigung seiner Schulzeit schon mit 13 Jahren eine Lehre als Plakat- und Dekomaler und entschloss sich danach zum Studium der Gebrauchsgrafik an der Werkkunstschule Dortmund. „Wäre ich heute noch einmal vor diese Fragen gestellt, ich würde nichts anders machen“, sagt Greven. Aber natürlich weiß er auch, dass heute die Voraussetzungen in diesem Metier ganz andere wären. Denn heute käme Egbert Greven um den PC und die digitale Technik nicht herum. So aber kann er sich, soeben ins achte Lebensjahrzehnt eingetreten, guten Gewissens den Luxus leisten, dem Computer gegenüber eine tief empfundene künstlerische Abneigung zu pflegen. Die Arbeit damit ist ihm ganz einfach „zu flach und willkürlich“, betont er. Greven nutzt lieber seine zehn Finger und die haptische Wahrnehmung. Das aktive Erfühlen von Größe, Konturen, Oberflächentextur, Gewicht eines Objekts durch die Integration aller Sinne ist ihm besonders wichtig. Ohne da wäre ihm seine Arbeit kaum möglich. Vor 34 Jahren landete Greven auf seiner Wanderung durch Deutschland schließlich in Bayern. Nach einiger Zeit in Penzberg ist ihm mittlerweile bereits seit 16 Jahren Iffeldorf zur Heimat geworden. Und in dieser Gemeinde hat er viel bewegt. Von einem seiner „Kinder“, den „Iffeldorfer Meisterkonzerten“, die den Namen des Orts mit hochkarätigen Konzerten klassischer Musik weit über die Landkreisgrenzen hinaus getragen haben, verabschieden sich Greven und sein über 23 Jahre sehr engagiertes Team in wenigen Tagen. „Es hat sich kein Nachfolger gemeldet“, bedauert Greven und fügt hinzu: „Vielleicht finden sich ja doch noch junge Leute, die eine neue Handschrift einbringen.“ Sein jüngeres „Kind“, die Galerie „schön + bissig“, in der regelmäßig Ausstellungen im Bereich Karikatur und satirische Grafik zu sehen sind, darf sich nicht zuletzt deshalb darüber freuen, dass ihm Egbert Greven in den kommenden Jahren seine volle Aufmerksamkeit schenken wird. „Ich kenne so viele Leute, speziell satirische Zeichner, dass es schade wäre, diese nicht weiter zu verbreiten“, meinte der Jubilar, der unter anderem mit dem Bundesverdienstkreuz und dem Kulturpreis der Gemeinde Iffeldorf ausgezeichnet wurde. Seinen Geburtstag feierte der zweifache Großvater, aber nicht nur mit seinen unzähligen Freunden, sondern auch mit seinen beiden „echten“ Kindern, den Töchtern Pia, die in Wien als Bühnenbildnerin arbeitet, und Anette, die mit ihrer Familie in der Nähe von Bamberg lebt.

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