Iffeldorf trotzt dem Virus mit Masken aus dem Nähstüberl und guten Zahlen

Auf einem guten Weg

Hallen in der Halle: Wegen Corona fand die letzte Sitzung des bisherigen Gemeinderates im Gemeindezentrum statt, was vor allem akustisch bisweilen eine große Herausforderung war.

Iffeldorf – Die letzte Gemeinderatssitzung in seiner Amtsperiode hatte er sich auch anders vorgestellt, lauschiger im Deichstetter-Haus und nicht im hallenden Gemeindezentrum, und hinterher vielleicht noch mit einem gemütlichen Beisammensein. Doch Corona hat Iffeldorfs scheidendem Bürgermeister Hubert Kroiß einen Strich durch die Rechnung gemacht. Und Corona beherrschte nicht nur die Tages-, sondern auch die Sitzordnung des mit reichlich Abstand voneinander platzierten Gremiums.

Bei seiner Corona-Bilanz für Iffeldorf zog Kroiß trotz aller damit verbundenen Einschränkungen ein recht positives Fazit: Infizierte gab es bisher nur wenige, wobei der Informationsaustausch mit dem Weilheimer Gesundheitsamt „zu wünschen übrig ließ“, die Notbetreuung in Kindergarten und Schule funktioniere, „die Gastronomie hat sich einiges einfallen lassen, um die Zeit bis zur Öffnung zu überbrücken“, und die Nachbarschaftshilfe hat das Salettl des Landgasthofes Osterseen in ein Nähstüberl umfunktioniert und vergibt kostenlose Mund-Nasen-Masken an die Iffeldorfer. Man musste da schon sehr genau hinhören, um etwas zu verstehen, denn der Hall in der Halle entpuppte sich als akustische Herausforderung, was einem zu Beginn aber ganz gelegen kam, denn so recht wollte man die ganzen Absagen eigentlich gar nicht hören, die Kroiß zu verkünden hatte. So wird die eigentlich als Festsitzung geplante Vereidigung des künftigen Bürgermeisters Hans Lang und der neuen Gemeinderäten zur Abschlusssitzung im kleinen Kreis umfunktioniert, die Bürgerversammlung, die für kommenden Donnerstag geplant war, entfällt. „Das tut mir sehr weh“, so Kroiß, „ich hätte mich gerne bei den Bürgern an meinem letzten Arbeitstag verabschiedet.“ Auch der geplante Besuch aus der französischen Partnergemeinde Châteaubourg entfällt. „Wir werden diesen aber im nächsten Jahr nachholen“, versprach Kroiß. 

Gut zurecht kam man in der Gemeinde hingegen mit den Auflagen im Zuge der Corona-Pandemie. So wurde die Notbetreuung im Kindergarten und der Schule zwar anfangs nicht in Anspruch genommen, aber nun seien sechs Kinder für die Betreuung im Kinderhaus angemeldet, erklärte Hans-Peter Gaugele von der Kirchenstiftung. Laut Kroiß gibt es auch schon Anmeldungen für die Schulbetreuung. Auch im Rathaus kehrt man langsam zurück zur Normalität, denn am Montag endet die Homeoffice-Phase, in der sich einige der Mitarbeiter befanden. Für den Publikumsverkehr öffnen sich die Türen voraussichtlich am 4. Mai. „Wir haben einen Spuckschutz zum Schutz unserer Mitarbeiter montiert, sind mit Mund-Nasenschutz ausgestattet und jeder arbeitet in einem extra Zimmer“, erklärte Kroiß. 

Für Bürger, die sich noch keinen eigenen Mund-Nasenschutz nähen oder beschaffen konnten, hat die Nachbarschaftshilfe vorgesorgt. Unter Federführung von Ria Markowski und Isolde Künstler wurde im Landgasthof ein Nähstüberl eingerichtet, in dem die Maschinen rattern. Die kostenlose Vergabe der Masken erfolgt am Montag, 27. April, von 10 bis 12 und von 18 bis 19 Uhr im Bürgersaal, wohlgemerkt aber nur für Iffeldorfer. Um eine freiwillige Spende wird gebeten. Auch hatte sich die Nachbarschaftshilfe gleich zu Beginn der Krise um einen Einkaufsdienst bemüht, der allerdings wenig in Anspruch genommen wurde. „Wir haben gemerkt, dass sich die Bewohner untereinander schon um Nachbarn und Bedürftige in Eigeninitiative gekümmert haben“, lobte der Rathauschef. 

Ebenso ein Lichtblick sei es, dass mittlerweile alle Gaststätten einen Abholservice und zum Teil auch einen Bringservice initiiert haben und somit zumindest einen kleinen Teil ihrer Umsatzeinbußen kompensieren können. Und: Die sonst so problembehaftete Parkplatzsituation scheint sich entspannt zu haben, denn wie Kroiß berichtete, „halten sich die Zahlen in Grenzen“. Mit der Penzberger Polizei sei man überein gekommen, von der zunächst geplanten Sperrung des Parkplatz an den Osterseen abzusehen, „weil uns dann die Ausflügler den Ort zugeparkt hätten“, so der Bürgermeister. Deshalb habe man sich für Polizeikontrollen an der Autobahnausfahrt entschieden. „Und da haben sich dann doch nicht so viele an den Ostersee getraut“, erklärte Kroiß. 

Auch die Zahl der Corona-Infizierten hält sich laut Kroiß in Grenzen: „Im April hatten wir vier positiv getestete Fälle, dann waren es mal fünf.“ Mehr könne er jedoch nichts sagen, „da ich vom Gesundheitsamt Weilheim einfach keine Information über den aktuellen Stand bekomme“.     au

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