Auswirkung des Lockdown-Light

Iffeldorf: Fessmanns Brandbrief für die Kultur

Auf dem Odeonsplatz in München werden Musiker in schwarzer Kleidung dirigiert.
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Auf dem Odeonsplatz in München werden Musiker von Andrea Fessmann dirigiert.

Iffeldorf – Lockdown-Light: Keine Konzerte, keine Ausstellungen – die Kulturschaffenden fürchten um ihre Existenz. Die Iffeldorferin Andrea Fessmann, Vorsitzende der dortigen Meisterkonzerte und selbst Musikerin, hat deshalb einen Brandbrief an die Politik geschrieben.

Andrea Fessmann (52), gebürtige Tölzerin und seit Jahren im Oberland in der Musik- und Konzertszene aktiv, sorgt sich seit Beginn der Corona-Pandemie um die Kultur. Sie protestiert auch für ihre Berufskollegen. Am vergangenen Samstag wieder mit der von ihr ins Leben gerufenen Aktion „Trotz Corona“ auf dem Odeonsplatz in München. „Dies ist kein Konzert, es ist eine Trauerfeier für die Kultur“, lasen die rund 120 Zuhörenden auf dem eigens verteilten Publikumszettel. Passend dazu die schwarzgekleideten Musiker. Fessmann dirigierte Mozarts „Requiem“. Solisten waren laut Ankündigung Anna Karmasin, Barbara Schmidt-Gaden, Nikolaus Pfannkuch und Thomas Stimmel. „Es war ziemlich emotional“, berichtet Fessmann der Rundschau. Die Resonanz sei sehr groß gewesen. Die Organisatorin spricht von „total viel Unterstützung“. Musiker und Zuhörer seien „berührt und ergriffen“ gewesen. „Man merkt, wie sehr Kultur fehlt.“ Doch der öffentliche Musik-Protest auf dem Odeonsplatz langt Fessmann nicht. Sie hat jetzt einen Brandbrief an die Politik geschrieben. Gleich am Montag, als die neuen bundesweiten Corona-Verschärfungen in Kraft traten.

Klare Forderung an Politik

Die Mail ging an Ministerpräsident Markus Söder (CSU), Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU), Kultusminister Michael Piazolo (FW), Kunstminister Bernd Sibler (CSU) und Bundes-Kulturbeauftragte Monika Grütters (CDU). Fessmann fährt schwere Geschütze auf. „Wir protestieren hiermit gegen die Pläne der Staatsregierung und angewiesener Ministerien, dass Kultur-Veranstaltungen über die nächsten Wochen verboten werden sollen“, schrieb sie in geharnischten Worten. „Wir fordern auf, die Regelungen zum Verbot von Kultur-Veranstaltungen mit vorhandenem Hygienekonzepten, limitierten und nachverfolgbaren Besucherzahlen, ausgewiesenen Sitzplätzen im notwendigen Abstand sowie einem funktionierenden Lüftungskonzept durch Modifizierung geplanter Verordnungen zurückzunehmen, damit solche Veranstaltungen aufrecht erhalten werden können.“

Kultur sei ein Grundrecht

Der „Quasi-Lockdown“ betreffe viele wichtige Lebensbereiche „mit Ausnahme der Ökonomie“, so die Iffeldorferin weiter. „Wichtige Lebensbereiche werden der Ökonomie untergeordnet.“ Kultur aber, so Fessmann, sei ein Grundrecht in der Bayerischen Verfassung, „das so per Verordnung außer Kraft gesetzt werden soll“. Kultur aber präge das Leben vieler Mitmenschen, bekamen die Politiker zu lesen. Fessmann macht klar: Natürlich sei neben dem Infektionsschutz die Rettung der Ökonomie wichtig – „aber nicht alleinig.“ Sie fordert „eine bessere Ausgewogenheit“ bei den Regelungen. Zu dem würde das Zulassen von „sicheren kulturellen Veranstaltungen“ die Akzeptanz der Corona-Maßnahmen erhöhen.

Kleine Kulturvereine schützen

Überhaupt würde das Infektionsgeschehen bei Kulturveranstaltungen wegen der dortigen Hygienekonzepte nicht so stark auftreten wie anderswo. Klare Aussage der Iffeldorfer Kulturschaffenden: Auf Basis der geltenden Hygiene-Regeln sollten Lebensbereiche mit entsprechenden Hygienekonzepten weiterhin erlaubt und geschützt sein. „Dies gilt besonders auch für die Kultur und die Aufrechterhaltung von Kultur-Veranstaltungen jenseits des monetär als primär erachteten Erhalts unserer ökonomischen Gesellschaft“, so Fessmann. Dies sei dringend nötig, denn gerade die kleinen Kulturvereine hätten nicht die Ressourcen wie zum Beispiel ein großer Profi-Fußballverein.

Klassische Konzerte erlauben

Fessmann bricht vor allem eine Lanze für klassische Konzerte: Diese müssten von dem aktuellen Verbot ausgenommen werden. „Klassische Musik dient nicht der Unterhaltung, sondern der Bildung“, schreibt die Dirigentin und Musikerin – und beruft sich auf die Kunstfreiheit im Grundgesetz. Immerhin einen, wenn auch kleinen Trost, gab es in jüngster Zeit für die Organisatorin der Iffeldorfer Meisterkonzerte: Die beiden Jubiläumskonzerte zum 30-jährigen Bestehen der weit über das Oberland hinaus bekannten Reihe mit der Hofmusik München konnten noch in der heimische Mehrzweckhalle über die Bühne gehen. Zu hören gab es Mozart „Gran Partita“. „Die waren zwei Mal ausverkauft“, freut sich Fessmann. Allerdings sind jetzt bis auf Weiteres alle weiteren Konzerttermine ausgesetzt.

Andreas Baar

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