Ortstermin mit Landtagsabgeordnetem

Iffeldorf: Lösung für verkehrsgeplagte Untereuracher - so könnte es gehen

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So sieht es aus: Gerhard Kerfers (l.) erklärt Landtagsabgeordnetem Jürgen Baumgärtner (r.) die Lage in Untereurach.
  • Andreas Baar
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Iffeldorf – Anwohner im Iffeldorfer Ortsteil Untereurach fordern eine Verkehrsentlastung. Bislang erfolglos. Beim Ortstermin deutet sich jetzt eine Lösung an.

Das gibt es auch nicht alle Tage, dass ein gestandener Sozialdemokrat in Bayern einen CSU-Landespolitiker vor Zeugen lobt. Hans-Dieter Necker, SPD-Urgestein in Iffeldorf und langjähriger Gemeinderat, tat dies am Dienstag gegen 9.30 Uhr an der Staatsstraße 2063. Man habe gewusst, dass er „der richtige Mann“ sei, meinte Necker in Richtung von Jürgen Baumgärtner. Der Kronacher sitzt für die Christsozialen im Landtag, ist im Verkehrsausschuss, und vor allem Berichterstatter im Petitionsausschuss. Und dort liegt seit Sommer 2020 die Beschwerde der „Bürger für Untereurach“, die seit Jahren schon und erfolglos eine Temporeduzierung auf der vielbefahrenen Verbindung zwischen Penzberg und Seeshaupt fordern.

Versammlung am Straßenrand: Vertreter aus dem Innen- und Verkehrsministerium sowie von Landratsamt, Staatlichem Baumt und Gemeinderat informierten sich.

Baumgärtner hatte sich Neckers Lob an diesem Tag redlich verdient: Kurz zuvor hatte der MdL den treibenden Untereuracher Bürgern – Necker, Gerhard Kerfers und Dr. Johannes Wagner – im Prinzip Recht gegeben. Und ihnen eine Lösung, wenn auch nur einen Kompromiss, in Aussicht gestellt. Die Initiatoren waren gut vorbereitet. Anwohner Kerfers erklärte Baumgärtner an Hand einer eigens an der Straße aufgestellten Grafik die Situation. Zum einen freue man sich, dass der Termin überhaupt zustandegekommen sei, so Kerfers. Gleichzeitig hoffe man jedoch „auf ein positives Ergebnis“, legte er die Messlatte hoch. Erstes positives Signal vom Politiker: Er glaube schon, dass die Einwendung der Untereuracher „gerechtfertigt ist“, so Baumgärtner, der sich bewusst auf den Weg an die Osterseen gemacht hatte. „Wir wollten das nicht am grünen Tisch entscheiden.“

„Alle zwei bis drei Sekunden ein Fahrzeug“

Kerfers erklärte dem Gast die Verkehrssituation mit eindringlichen Worten. Circa 13.000 Fahrzeuge haben die „Bürger für Untereurach“ täglich gezählt. „Alle zwei bis drei Sekunden ein Fahrzeug in Stoßzeiten“, bekräftigte der Anwohner dann noch. „Es ist sehr gefährlich hier“, sagte er mit Blick auf viele Raser. Kerfers klare Forderung: „Wir wollen, dass von beiden Seiten langsamer reingefahren wird.“

Mit dieser Grafik unterstreichen die Bürger ihre Forderungen nach einem Tempolimit auf der Staatsstraße.

Deshalb forderten die Bürger einen ausgeweiteten Tempo 60-Bereich samt einer Verlegung des nördlichen Ortsschilds. Jenes sollte am besten nach der Bebauung, im Bereich der Einmündung der Straße nach Sanimoor, aufgestellt werden – weil dort ein gefährlicher Kreuzungsverkehr, vor allem durch Radfahrer, herrscht, so die Begründung. Ausgerechnet da, wo derzeit noch Tempo 100 erlaubt ist. Doch bislang blitzten die Untereuracher beim Landratsamt ab.

„Es ist einzig allein die Politik, auf die Sie sauer sein können.“

Jürgen Baumgärtner, CSU-MdL und Berichterstatter im Petitionsausschuss

Jetzt sollen Baumgärtner und die Petition helfen. Und es sieht recht gut aus, wie nach dem rund einstündigen Infospaziergang samt diverser Erläuterungen – auch Iffeldorfs zweiter Bürgermeister Georg Goldhofer (CSU) machte deutlich, dass Kommune und Gemeinderat voll hinter den Anwohnern stehen – zu hören ist. Denn Baumgärtner äußerte Verständnis für das Anliegen. Wenngleich er eine Lanze für die Behörden brach: „Sie müssen das abarbeiten, was der Gesetzgeber aufgeschrieben hat.“ Doch der Verkehrspolitiker sagte auch: „Es ist einzig allein die Politik, auf die Sie sauer sein können“, so Baumgärtner – und zwar „ganz zu recht“.

Schild um 300 Meter versetzen

Der CSU-Politiker dämpfte jedoch die Erwartungen ein bisserl. Die geforderte Versetzung des nördlich Ortsschilds „wird schwieriger“, ahnte Baumgärtner bei allem Verständnis. „Realistisch“ sei dagegen ein abgespeckte Variante auf halber Strecke: Das Schild nur rund 300 Meter in Richtung Gewerbegebiet verlegen, dafür aber bis dorthin gleich Tempo 50 anordnen. Dazu vor der Ortsgrenze eine schrittweise Ausbremsung des Verkehrs von 100 über 70 auf dann 50 km/h. Auch für den Bereich bis zur Autobahn deutete der Abgeordnete eine Lösung an: Statt der bisherigen 80 soll bis zum Ortsschild nur noch Tempo 70 erlaubt sein. Zudem solle ihn das Staatliche Bauamt Weilheim „auf dem Laufenden halten“, was die angedachte Radwegverlängerung samt einer neuen Straßenquerung über die Staatsstraße kurz vor dem A95-Anschluss betrifft. Die Haushaltsmittel dafür werden zur Verfügung gestellt, kündigte Baumgärtner an.

„Mit jeder Verbesserung zufrieden“

Am Ende war man in den Reihen der Petitionseinreicher durchaus angetan von dem Ergebnis. „Wir sind mit jeder Verbesserung, die schnell kommt, zufrieden“, sagte Gerhard Kerfers auf Rundschau-Nachfrage. Auch, wenn man „das Ziel knapp verfehlt“ habe. Hans-Dieter Necker kann mit dem Kompromiss leben, wie er meinte. Und ein Lob an CSU-Mann Baumgärtner ist es dem altgedienten SPD-Lokalpolitiker allemal wert gewesen.

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