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Iffeldorf: Studie zum Klimawandel in Bayerns Seen - mit ernsten Ergebnissen

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Sprach vor dem Iffeldorfer Dorfpanoroma: Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber. © Antonia Reindl

Iffeldorf - Die Limnologische Station in Iffeldorf hat lange geforscht. Ergebnis: Der Klimawandel ist in Bayerns Seen angekommen. Dazu gibt es eine Broschüre.

Rund 15 Jahre auf gut 100 Seiten: Das Bayerische Umweltministerium und die Technische Universität München (TUM) haben die Ergebnisse einer 15 Jahre währenden klimabezogenen Seenforschung an der Limnologischen Station in Iffeldorf in einer Broschüre „Bayerische Seen im Klimawandel – Forschungsergebnisse der Technischen Universität München“ festgehalten. Das Werk wurde in Iffeldorf vorgestellt.

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Rund 15 Jahren Forschung auf 100 Seiten: Die neue Broschüre. © Antonia Reindl

Forscher brauchen langen Atem

Ein vermeintlich langer Zeitraum, 15 Jahre. Doch viel Zeit braucht es halt. „Die Langzeitstudie lässt keinen Zweifel: Der Klimawandel ist auch in unseren bayerischen Seen angekommen. Um klimabedingte Veränderungen zu erkennen und frühzeitig Schutzmaßnahmen ergreifen zu können, brauchen wir Forschung mit langem Atem“, wird Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) in der Ankündigung der Broschüren-Vorstellung zitiert. Glauber war dann bei der Präsentation persönlich vor Ort, auf dem Schulhof der Iffeldorfer Grundschule – mit Blick auf die Osterseen.

Appell des Ministers

Dort betonte Glauber, dass die Wissenschaft aufzeige, wo man in verschiedenen Bereichen ansetzen müsse, und dass „wir große Aufgaben vor uns haben“. An die Forschenden appellierte er: „Helfen Sie uns, motivieren Sie uns, nehmen Sie Menschen mit!“ Forschung und Innovation seien der „Schlüssel für Wege in eine nachhaltige Zukunft“, befand Prof. Dr. Gerhard Kramer, Vizepräsident Forschung und Innovation der Technischen Universität München. An der Limnologischen Station würden wissenschaftliche Studien an einem breiten Spektrum an Seen durchgeführt werden. Dank der nun veröffentlichten „Informationsschrift“ werde ein „besonderes Licht“ auf diese Arbeit geworfen.

Blick auf Iffeldorf

Einen Blick auf Iffeldorf warf Prof. Dr. Jürgen Geist vom Lehrstuhl für Aquatische Systembiologie. Es gebe nur wenige bayerische Gemeinden, die sich „Hochschulgemeinde“ nennen dürfen. „Universitätsgemeinde“, korrigierte da Iffeldorfs Bürgermeister Hans Lang (SPD). Ein Titel, den man mit Stolz trägt. Dieser stehe sogar auf den Briefköpfen der Gemeinde, verriet Lang. Der Bürgermeister erinnerte daran, dass in den Medien „kaum ein Tag“ vergehe, an dem kein besorgniserregender Bericht über Wasser erscheine.

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Iffeldorfs Bürgermeister Hans Lang und Dr. Uta Raeder, stellvertretende Leiterin der an der örtlichen Hofmark beheimateten Limnologischen Station, lauschten aufmerksam dem Minister. © Antonia Reindl

Viele Bergseen untersucht

Konkret wurde Dr. Uta Raeder. Die stellvertretende Leiterin der Limnologischen Station informierte über die Inhalte der Broschüre. Die Seen im Klimawandel seien „die Spange der Forschung“ an der Limnologischen Station. Ein großer Teil der Forschung umfasse Bergseen, „43 von Berchtesgaden nach Bregenz“ und ein paar österreichische Gewässer in ähnlichen Höhenlagen. 54 weitere Seen wurden untersucht. Im Fokus standen dabei verschiedene Organismen wie Schilf, Wasserpflanzen, Algen und Cyanobakterien.
Die Ergebnisse zeigen, dass sich der Klimawandel in den Seen bemerkbar mache. Belege: Der Bestand an Wasserschilf, in der Ankündigung als „Kinderstube vieler Tierarten“ betitelt, gehe „drastisch“ zurück, so Raeder. Dafür steigen die Phosphorkonzentration und die Dauer erwärmten Wassers. Ein Indikator für letztere sei etwa das wärmeliebende Große Nixkraut. Diese heimische Pflanze aber weist nicht nur auf den Grad-Wandel hin, sondern auch darauf, dass fremde Wasserpflanzen einwandern könnten, „die stehen vor der Tür“, so Raeder. In über der Hälfte der 54 untersuchten Seen wachse das Kraut. Kühle Seen, wie etwa der Kochelsee, seien aber nicht so gefährdet.

Karibik am Großen Ostersee

Auf einer der eigens aufgestellten Infotafeln zeigte sich ein Bild des Großen Ostersees. Trübes Türkis. Man möchte meinen, man sei in der Karibik, sagte Raeder. Ein Erscheinungsbild, dass künftig in Folge des Klimawandels an mehreren Seen zu beobachten sein wird. Die Ursache: biogene Entkalkung.
Die Broschüre, die auch einen Ausblick in die Zukunft der klimabezogenen Seen-Forschung wagt, ist das Ergebnis der Arbeit vieler. Darunter Doktoranden sowie Post-Doktoranden und Masterstudierende, verriet Raeder. Sie betonte, dass das Ministerium die Forschung nicht nur in finanzielle Hinsicht unterstützt habe, sondern auch „mit Interesse“. Interesse, das auch die Gemeinde Iffeldorf zeige. „Am Anfang waren wir ‚Die Limnologen‘, jetzt sind wir ‚Unsere Limnologen‘“, sagte Raeder lächelnd.

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