Ein Bus für Bankgeschäfte

Nach Schließung der Sparkasse: Iffeldorfer Nachbarschaftshilfe um Senioren besorgt

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Die Lichter sind aus: Die Sparkassenfiliale in Iffeldorf ist bereits geschlossen – und soll das auch bleiben.

Iffeldorf – Während in Wessobrunn die Bevölkerung vor der geschlossenen VR-Bankfiliale demonstriert, kämpft man in Iffeldorf bisher noch mit leichtem Geschütz gegen die schon vollzogene Schließung der Sparkassenfiliale. „Es ist einfach schlecht gelaufen, wir hatten keinerlei Informationen vorab bekommen“, so Ria Markowski. Als Seniorenbeirätin und Vorstand der Nachbarschaftshilfe liegt ihr das Thema besonders am Herzen: „Man muss das den Kunden doch verständlich machen und erklären, dann kann man vielleicht auch mitgehen und Unsicherheiten aus der Welt schaffen.“ Bürgermeister Hans Lang (SPD) betont, er habe in einem Gespräch mit den Sparkassenvertretern das Aus zwar akzeptieren müssen, aber einverstanden sei er damit nicht.

Bargeld in größerer Summe als es der Automat erlaubt abheben, handschriftlich ausgefüllte Überweisungen abgeben, den Betrag eines Sparvertrages ändern, das Alltagsgeschäft einer Generation, die ohne Handy, Online-Banking, TANs und Apps aufwuchs. „Ich verstehe ja, dass sich die Zeiten ändern, aber in unserer Gesellschaft wird die ältere Generation oft übergangen“, so Ria Markowski. Bei ihrer Arbeit in der Nachbarschaftshilfe hat sie des Öfteren mit Behördengängen und Bankgeschäften für ihre Mitglieder zu tun. Deshalb wandte sie sich vergangene Woche in einem Brandbrief direkt an den Vorstand der Sparkasse Oberland und wurde prompt zu einem Gespräch noch in derselben Woche eingeladen. 

Laut Markowski zählt die Gemeinde Iffeldorf derzeit rund 2.700 Einwohner, wovon 560 Personen älter als 65 Jahre seien. Wenn auch nur die Hälfte nicht mit Online-Banking vertraut ist oder keine Hilfe von Angehörigen hat, dann blieben trotzdem etwa 280 potenzielle Kunden, welche einen Vor-Ort-Service nutzen würden, führte sie in ihrem Schreiben auf. Zudem hätten auch Kunden aus der Nachbargemeinde Antdorf die Filiale in Iffeldorf genutzt. Und auch sonst gäbe es Menschen aller Altersgruppen, die sich nicht in ein bargeldloses Zeitalter fügen wollten. So wollte sie die Aussage der Sparkassenvertreter, „Wer braucht denn heute noch Bargeld?“, nicht gelten lassen. 

Sparkasse Oberland Vorstand Thomas Orbig und Penzbergs Sparkassendirektor Georg Summerer wissen natürlich um die Argumente, die ihnen Markowski und ihre Nachbarschaftshilfe-Kollegin Marlis Völk entgegenbrachten. „Das Gespräch war sehr positiv“, so die Seniorenbeirätin, „man war bemüht, Lösungen zu finden und hatte ein offenes Ohr für unsere Belange.“ Der große Wunsch aber, die Filiale wenigstens an einem Tag in der Woche zu besetzen, wurde nicht erfüllt. Laut Orbig sei es wirtschaftlich nicht möglich, die kleineren Standorte zu erhalten. In Iffeldorf fehle außerdem die Barrierefreiheit und einige Sicherheitsauflagen seien nicht mehr gegeben. 

Nun soll geprüft werden, ob neben dem bestehenden Bankautomaten, der Automat für Überweisungen, bei welchem man seinen Schein per QR-Code einlesen kann, auch mit einem Scanner für händisch verfasste Überweisungsscheine aufgerüstet werden kann. Auch soll eine Informationsveranstaltung kommen, bei der die Fragen der Kunden geklärt und die Scheu vor der Telefonberatung, wie sie die Sparkasse nun anbietet, genommen werden. Zudem seien Schulungen zum Thema Online-Banking geplant. Ria Markowski hat im Rahmen der Nachbarschaftshilfe im Sinn, einen festen Tag in der Woche einzuführen, wo man mit dem Bus des Vereins nach Penzberg zur Bank fährt. au

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