Lernen ohne Lehrer

Bewegung statt Benotung: Infoabend zur Gründung einer Aktiven Schule

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Wollen eine neue Schule ohne Noten in Penzberg auf den Weg bringen: Juliane Malik (links) und Yvonne Schmerbeck.

Penzberg – Gut gefüllt war der große Sitzungssaal im Penzberger Rathaus, als Yvonne Schmerbeck und Juliane Malik über das Konzept einer Aktiven Schule und die geplante Gründung einer solchen Einrichtung in Penzberg sprachen. 

Schmerbeck und Malik waren sichtlich begeistert von der großen Resonanz, zumal sie für den geplanten Schulbeginn im kommenden September noch Schüler, Lehrer, Erzieher und Sozialpädagogen suchen. Gestartet werden soll mit Erst- bis Drittklässlern, später sollen noch eine Mittelschule und eine Fachoberschule dazukommen. Für die Zulassung der Aktiven Schule Penzberg muss der Trägerverein „ErLe – Erlebnis Lernen“ bis Ende März aber erst einmal ein Konzept mit umfangreichen Informationen bei der Regierung von Oberbayern vorlegen, in dem auch die angemeldeten Kinder und Lehrkräfte, ein geeignetes Gebäude und ein Finanzplan enthalten sein müssen. Malik und Schmerbeck, die beiden Initiatorinnen, haben intensiv an ihrem Schulprojekt gearbeitet und sind zuversichtlich: Das Konzept steht, an dem Finanzplan wird mit Beratern noch etwas gefeilt, Gespräche mit künftigen Lehrkräften laufen und interessierte Familien gibt es ebenfalls. 

Für Schmerbeck, die stellvertretende Vorsitzende des Trägervereins und Leiterin des Penzberger Waldkindergartens, ist es ein lang gehegter Wunsch eine Schule zu gründen, in dem das „Kind komplett im Mittelpunkt steht“. Nach dem Konzept der Aktiven Schule, das Züge der Montessori-Schule enthält, sollen sich die Kinder völlig frei entfalten können, ohne sich strikten Plänen zu unterwerfen. So können die Schüler entscheiden, was sie wann und wie tun wollen: basteln, lesen, klettern oder rennen. Laut Schmerbeck ist jegliches Tun mit Lernen gleichzusetzen. „Die Art des Lernens und auch das Tempo bestimmt jedes Kind ganz individuell“, betont sie. So sollen die Kinder zu selbständigen, denkenden Personen werden. „Das genau wird doch heute von allen Erwachsenen in der Arbeitswelt erwartet“, meint Juliane Malik. 

Unterstützt werden die Schüler von sogenannten Lernbegleitern, die den Kindern nur Impulse geben und somit eher passiv agieren. Genau hier liegt auch der wesentliche Unterschied zur Montessori-Schule: Das Kind bestimmt seinen Lernweg komplett selbst, ohne Wochenziele oder Ähnlichem. Daher sollte das Kind seine komplette Schulzeit in der Aktiven Schule verbringen. Ebenso wichtig ist auch das Vertrauen der Eltern in ihre Kinder. An der Aktiven Schule haben Helikoptereltern, die ständig über dem Tun und Treiben ihres Nachwuchses schweben, also nichts verloren. Und was die Schulgebühr betrifft, so betont Malik, dass diese sozialverträglich gestaffelt werden soll, sodass jeder Interessent die Kosten aufbringen könne. Denkbar sei eine monatliche Zahlung zwischen 200 und 300 Euro. 

Auch die Lehrer beziehungsweise die Lernbegleiter werden nicht wie Helikopter die Kinder umschwirren, jedoch genau hinschauen, wenn sich ein Schüler mit einer Thematik überhaupt nicht befassen will. Dann gilt es Wege zu entwickeln, die Thematik attraktiver zu gestalten. Der Fokus des Konzepts „Lernen in Selbstbestimmung“ liegt auf Bewegung, Fremdsprachenerwerb und Demokratie, also dem Mitspracherecht aller Schüler, sowie Ökologie und Umwelt. Fortschritte in der Lernentwicklung werden mit Selbsteinschätzungen des Kindes in Lerntagebüchern festgehalten. „Noten sind nicht objektiv und stigmatisieren“, findet Schmerbeck. 

Das Konzept der Aktiven Schule kam im Sitzungssaal des Rathauses jedenfalls bestens an und die Aussage, dass es „von Schulen solcher Art nicht genug geben kann“, brachte spontanen Applaus. Auch Tomas Schindhelm, Leiter der Montessori-Schule in Penz­berg, zeigte sich begeistert vom Engagement des Vereins und bot dem Team an, „beratend zur Seite zu stehen.“ Laut Organisatorin Schmerbeck wird das Projekt auch von Bürgermeisterin Elke Zehetner und Roman Reis, der im Rathaus für das Schulwesen zuständig ist, unterstützt. Und: Das ehemalige Gebäude der Montessori-Schule im Gewerbegebiet Am Alten Bahnhof wurde bereits als mögliches Schulhaus ins Visier genommen. fra 

Informationen rund um die Aktive Schule sind per E-Mail an kontakt@­erle-erlebnis-lernen.de sowie unter erle-­erlebnis-lernen.de erhältlich. Auf dieser Homepage finden sich auch die Anmeldeunterlagen, welche bis zum 26. Februar eingereicht werden sollten.

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