Entspannte Ohren

Maker produzieren Gesichtsschilde und Earsaver

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Die aktivsten Maker in den Landkreisen Weilheim-Schongau, Bad Tölz-Wolfratshausen und Garmisch-Partenkirchen (Ausschnitt).

Penzberg – Der Knopf ist gedrückt, es surrt leise, der 3D-Drucker macht sich bereit für die Arbeit. Vor dem Gerät steht Business Prozess Manager Thomas Bauer. Der Penzberger ist Teil der Initiative Maker vs. Virus, welche sich aus lokalen Teams in ganz Deutschland zusammensetzt und ein Ziel versorgt: zuhause Gesichtsschilde herstellen für Menschen, die eine solche Bedeckung dringend brauchen, um ihren Beruf nachgehen zu können – oder um einfach durch den Alltag zu kommen.

Im April hatten die Maker in ihrem heimischen Druckzentren bereits Einzelteile für über 400 Gesichtsschilde produziert. Mittlerweile ist die Zahl binnen drei Monaten deutlich gestiegen. Ganze 2.541 Schilde wurden bislang ausgeliefert, an „circa 190 Abnehmer, nach einer groben Zählung“, berichtet Bauer, der sich im Makerlab in Murnau engagiert. Und auch die Zahl der Mitglieder ist gewachsen, waren es Mitte April noch knapp 30 Maker, so sind es heute 43 Mitglieder.

Geliefert wurden die Gesichtsschilde an die Krisenstäbe der Landkreise Weilheim-Schongau und Garmisch-Partenkirchen sowie die Kliniken in Penzberg und Murnau als auch an viele Arztpraxen. Aber auch Kindergärten, Horte und Tagesstätten zählten zu den Abnehmern, „wobei betont werden muss, dass ein Gesichtsschild nicht die Mund-Nasenmaske ersetzt, sondern eine zusätzliche Sicherheit für die Kinder und Betreuer bietet“, erklärt der Penzberger. Doch damit ist die Liste der Abnehmer noch nicht zu Ende, auch in Tafeln, Hotels, Geschäften und Gaststätten rund um Murnau und Penzberg werden die Gesichtsschilde der Initiative getragen. Und: „Wir haben hilfsbedürftige Privatpersonen beliefert, welche aufgrund von Vorerkrankungen Probleme mit dem Mund-Nasenschutz haben“, berichtet Bauer weiter. 

Die Engagierten spenden ihre Freizeit, Druckerkapazitäten und Material und erwarten dafür keinerlei Gegenleistung. Eine solche wurde den Ehrenamtlichen dennoch immer wieder angeboten. „Falls Einzelhändler und Privatpersonen uns etwas Gutes tun wollten, haben wir prinzipiell am liebsten Sachspenden angenommen“, betont Bauer. Falls jedoch explizit Geld gespendet werden wollte, „haben wir von diesem Material oder Drucker-Ersatzteile besorgt“, sagt Bauer. Kein Maker soll sich schließlich finanziell verausgaben, Geld wolle man aber auch keines verdienen, erklärt der Penzberger, der derzeit einen Kurs vorbereitet, in dem er zeigen möchte, wie ein 3D-Modell entsteht und ausgedruckt wird. „Wir hoffen damit Jung und Alt schrittweise an dieses Hobby heranzuführen. Wer weiß, vielleicht haben wir bei einer zweiten Welle dann noch mehr ehrenamtliche Helfer“, lächelt Bauer. 

Und die können dann vielleicht nicht nur die Einzelteile für einen Gesichtsschild drucken. Immerhin haben sich die Maker noch einiges mehr einfallen lassen, etwa sogenannte Hooks mit denen Aufzugknöpfe und Lichtschalter bedient und Türen geöffnet und geschlossen werden können. „Es gab auch den Versuch, einen Berührungsschutz für Einkaufswägen herzustellen, aber das wurde aufgrund sehr geringer Nachfrage eingestellt“, erzählt Bauer, der auf eine Erfindung besonders stolz ist, nämlich auf den Earsaver, ein Hilfsmittel aus sterilisierbarem und desinfizierbarem Material, das die Ohren entlastet, wenn Masken etwa in Kliniken über längere Zeit das Gesicht bedecken müssen. ra 

Derzeit können Gesichtsschilde nur noch in der Touristinformation im Rathaus in Murnau abgeholt werden, da dies die letzte Stelle ist, die momentan aktiv beliefert wird und Schilde an Abholer verteilt.

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