Langsam aus der Krise

Innenstadt-Abend von Penzberg Miteinander: Tempo 30 soll helfen

Bahnhofstraße Verkehr Stadt Penzberg
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Lösungen gesucht: Über den Verkehr an der Bahnhofstraße wurde beim Infoabend eifrig diskutiert.
  • Andreas Baar
    vonAndreas Baar
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Penzberg – „Wie geht es weiter mit der Innenstadt?“ Mit dieser Frage beschäftigte sich der erste Online-Themenabend der Wählergruppe Penzberg Miteinander (PM).

Seinen letzten Themenabend in Präsenzform hatte PM im Januar 2020 veranstaltet. Es ging um Carsharing, dann kam Corona. Nun ließ man den Infoabend online wieder aufleben. Bis zu 30 Teilnehmer versammelten sich zeitweise im virtuellen Raum. Als Gäste hatte man sich Monika Uhl und Tatjana Patermann von Pro Innenstadt dazu geholt.

Monika Uhl, Vorsitzende von Pro Innenstadt in Penzberg.

Die beiden Referentinnen nutzten die Gelegenheit, um vor den Gefahren für Penzbergs Zentrum durch Leerstand, Verödung und Corona-Krise zu warnen. Während Vorsitzende Uhl auf das Acht-Punkte-Programm von Pro Innenstadt (siehe Kasten) hinwies und vor einer Verödung des Stadtzentrums mahnte, macht Patermann eines deutlich: „Wichtig ist, dass wir nicht wieder schließen müssen“, warnte sie vor weiteren Lockdown-Beschränkungen für Handel und Gewerbe. Wie berichtet, spricht sich Pro Innenstadt dafür aus, dass Geschäfte auch bei einem Inzidenzwert über 100 „Click & Meet“ anbieten dürfen.

Ein Thema brennt sowohl der Wählergruppe als auch der Initiative unter den Nägeln: eine Verkehrsberuhigung der Innenstadt, die Kunden anziehen soll. Doch da gibt es politische Widerstände, hatte PM-Stadtratsfraktionschef und zweiter Bürgermeister Michael Bocksberger leidvoll erfahren müssen. Ein entsprechender Antrag seiner Gruppe wurde bereits im Gremium abgeschmettert.

PM-Stadtratsfraktionschef und zweiter Bürgermeister: Markus Bocksberger

„Wir haben leider nicht die Mehrheit“, zuckte er angesichts der Sitz-Verhältnisse im Stadtrat mit den Schultern. „Das sind relativ dicke Bretter, die man bohren muss.“ Aufgeben gilt aber nicht, machte Bocksberger deutlich: „Es gibt kein Argument gegen Tempo 30.“

Während an diesem Abend relative Übereinstimmung herrschte, was den Handlungsbedarf für die Innenstadt betrifft, gingen die Meinungen beim Thema „Fußgängerzone“ auseinander. Während sich Teilnehmer eine derartige Einrichtung in Penzbergs Zentrum vorstellen könne, lehnte Pro-Innenstadt-Vorsitzende Uhl diese vorerst ab.

Acht Punkte für die Innenstadt

Wie berichtet, hatte Pro-Innenstadt-Vorsitzende Monika Uhl die Innenstadt-Resolution „Wir bluten aus!“ an Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) überreicht. Dieser sicherte Unterstützung zu, was Pro Innenstadt als „ermutigendes Signal“ bezeichnet. Allerdings sei man auf dem Weg „auf die Unterstützung der Stadt Penzberg angewiesen“, macht Uhl klar. Um ein Ausbluten des Zentrums zu verhindern, ist aus Sicht von Pro Innnenstadt ein ganzer Katalog an Maßnahmen nötig – acht Punkte umfasst dieser:

1. Wirtschaftsförderung

Die Stelle im Rathaus sei „sehr gut besetzt“, allerdings müsse das Stundenkontingent dem einer Vollzeitstelle nach oben hin angepasst werden.

2. Leerstandsmanagement

Gefordert wird ein „aktives Leerstandsmanagement“. Angeregt wird, die einst mit der Stadtmarketing-Genossenschaft ins Leben gerufene „Arbeitsgruppe Immobilien“ zu reaktivieren

3. Digitalisierung

In erster Linie seien zwar die Unternehmen bei der Digitalisierung ihres Geschäfts selbst gefordert, allerding sollte gemeinsam der Bedarf an Beratung und Umsetzung eruiert werden.

4. Parkraum

Laut Pro Innenstadt gibt es nur begrenzte Parkmöglichkeiten im unmittelbar zur Innenstadt zählenden Stadtgebiet. Deshalb bittet man das Rathaus und den Stadtrat „mit Nachdruck“, die Verhandlungen zur Errichtung eines Parkhauses im Umgriff des Bahnhofareals zu forcieren.

5. Verkehrsberuhigung

Klare Aussage: So etwas bringt laut Pro Innenstadt „mehr Aufenthaltsqualität“. Man empfiehlt deshalb, in der gesamten Bahnhofstraße ein Tempolimit von maximal 30 km/h einzuführen sowie ein Durchfahrtsverbot für den Schwerlastverkehr (Ausweichrouten kennzeichnen). Die Verwaltung wird gebeten, mit den Fachbehörden die Modalitäten auszuloten und dem Stadtrat einen Beschlussvorschlag vorzulegen.

6. Arbeitskreis Innenstadt

Eine „nachhaltige Belebung“ von Innenstädten könne nur gesichert werden, wenn Wirtschaft und Kommunalpolitik eng zusammenarbeiten. Man will einen „Arbeitskreises Innenstadt“ – mit Vertretern von Rathaus, Fraktionen sowie Pro Innenstadt.

7. Sommerfest

Wenn es wieder möglich ist, soll es ein zweitägiges Sommerfest mit Musik (Musikschule) und Aktionen (Vereine) geben.

8. Weihnachtsbeleuchtung

Heuer soll die Vorweihnachtszeit genutzt werden, um der Innenstadt über das „Eismärchen“ hinaus ein Alleinstellungsmerkmal in der Region zu verleihen“ – vielleicht über eine besondere Weihnachtsbeleuchtung. ab

Absage an Fußgängerzone

Eine Fußgängerzone würde erstmal für Umsatzeinbrüche unter den Geschäften sorgen, zitierte sie negative Erfahrungen aus Weilheim und Bad Tölz. Es wird zwar besser, aber das dauert, so ihr Tenor. „Jetzt eine in dieser Lage zu installieren, ist nicht richtig“, mahnte Uhl im Hinblick auf die eh schon die Corona-geschädigte Branche. „Das ist keine kurzfristige Lösung.“

Am Ende einte Wählergruppe und Initiative dann wieder eines: Die Rettung der gefährdeten Penzberger Innenstadt gehe nur über gemeinsames Handeln und Solidarität.

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