„Ich habe keine Angst“

Elke Zehetner über Kritik, fünf Mitbewerber und die Erkenntnis, dass Zuhören lohnt

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Am 15. März ist die nächste Bescherung: Bürgermeisterin Elke Zehetner ist noch entspannt, will aber um jede Stimme kämpfen.

Penzberg – Bürgermeisterin Elke Zehetner weiß, dass der Wahlkampf langsam beginnt, davon unter Druck setzen lassen will sie sich aber nicht. Im Gespräch mit dem Gelben Blatt äußert sie sich über heilige Kühe, die politische Vielfalt in der Stadt und die Vergänglichkeit von Fort Knox.

Kurz vor Weihnachten gab es mit der Diskussion um die Kinderkrippe an der Birkenstraße noch einmal große Aufregung, ehe der Stadtrat mit der nun wohl wahrscheinlichen Lösung, die Krippe auf dem Gelände des Jugend­treffs­ Chill out zu errichten, gerade noch die Kurve gekriegt hat. War das ein Vorgeschmack auf den Wahlkampf? 

Ich denke der langsam beginnende Wahlkampf hat sicher dazu beigetragen, dass der Stadtrat hier eine Lösung anstrebt, die ein konfliktträchtiges Thema aus der heißen Phase vor dem 15. März heraushält. Das ist sicher im Interesse aller Parteien und Gruppierungen.


Das hätte man aber auch einfacher haben können, wenn man diesen Standort gleich geprüft hätte. 

Das mag sein, aber der Chill-out-Standort stand bis jetzt nicht zur Verfügung. Wenn wir diesen Standort schon eher zur Disposition hätten stellen dürfen, wäre die Planung auch für das neue Familienbad einfacher geworden.


Jetzt geht es aber doch. 

Ob es wirklich funktioniert, wird sich zeigen. Der Stadtrat hat jetzt einen umfangreichen Prüfauftrag erteilt. Ich hoffe jedenfalls, dass es funktioniert.


Der Prüfauftrag soll noch vor der Kommunalwahl vorliegen. Geht dann der ganze Zirkus wieder von vorne los? 

Das glaube ich nicht: Wenn sich herausstellen sollte, dass die Krippe auf dem Chill-out-Grundstück gebaut werden kann, dann wird sie wohl dort auch gebaut.


Solche Debatten werden ja gerne vor Wahlen besonders hitzig geführt. Spüren sie auch schon eine gewisse Aufgeregtheit und Anspannung mit Blick auf den 15. März. 

Die wird sicher noch kommen, noch bin ich aber entspannt. Ich habe in den vergangenen sechs Jahren gezeigt, dass man sich auf mich verlassen kann. Und ich habe bewiesen, dass ich auch schwierige und unangenehme Themen anpacke und auch vor Auseinandersetzungen um sensible und besonders wichtige Themen für unsere Stadt nicht zurückschrecke. Mit dem Wahlkampf beginnt jetzt, wie alle sechs Jahre, eine Zeit der Reibung. Das ist wie bei einem Gewitter, das sich entlädt. Danach ist aber die Luft wieder rein.


Als amtierende Bürgermeisterin stehen Sie natürlich besonders im Fokus und auch in der Kritik Ihrer Mitbewerber... 

...was aber ganz normal ist. Wenn ein Herausforderer mit mir in allen Punkten übereinstimmen würde, bräuchte er doch gar nicht erst anzutreten.


Schon richtig, aber Sie haben gleich fünf Herausforderer. Ist dies nicht ein Zeichen, dass besonders viele in Penzberg mit Ihrer Arbeit unzufrieden sind? 

Das müssen am Ende die Wähler beurteilen. Ich sehe die große Zahl an Kandidaten um das Amt des Bürgermeisters aber nicht als Ausdruck der Unzufriedenheit, sondern vielmehr als Zeichen einer lebendigen Demokratie und eines großen politischen Engagements, wie dies unsere Stadt schon immer ausgezeichnet hat. Schauen Sie: In anderen Gemeinden ganz in unserer Nähe (gemeint ist Dietramszell, Anm. d. Red) werden Bürgermeisterkandidaten mit Werbeplakaten gesucht, bei uns melden sie sich freiwillig. Das ist doch toll, darauf sollten wir stolz sein. Im Übrigen ist es für eine Stadt unserer Größe durchaus normal, dass aus allen Gruppierungen Bewerber antreten.


Die Vielzahl an Kandidaten lässt es aber unwahrscheinlich werden, dass Sie, wie 2014, gleich im ersten Durchgang gewählt werden. Es wird wohl auf eine Stichwahl hinauslaufen. 

Das kann so kommen, muss es aber nicht. Ich kämpfe um jede Stimme auch im ersten Wahlgang.


Was unterscheidet die Wahl am 15. März noch von der vor sechs Jahren?

Die Menschen sind ganz allgemein kritischer geworden. Was mit dem Protest gegen das Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 vor fast zehn Jahren begonnen hat, setzt sich seither fort. Sogar die Jugend, die lange Zeit als völlig unpolitisch galt, geht wieder auf die Straße um für mehr Klimaschutz zu protestieren. Und das ist auch gut so. Ich hoffe nur, dass die Penzberger am 15. März erkennen, wer ihnen etwas verspricht, was nicht zu halten ist.


Wie würden Sie sich in diesem Zusammenhang beschreiben? 

Ich bin nicht der Typ für unhaltbare Versprechungen, ich bin Realist und verfolge meine Ziele konsequent. Hierfür setze ich mich mit großer Leidenschaft ein. Wenn ich beispielsweise dafür werbe, dass wir die Layritz-Halle für die Errichtung des Blaulichtzentrums brauchen, dann ist dies kein bloßes Gerede, sondern meine ernsthafte Absicht, eine zukunftsfähige Lösung für unsere Rettungsorganisationen zu schaffen. Davon konnte ich die Betroffenen bereits begeistern.


Eine Rettungsorganisation bräuchte auch die SPD auf Bundesebene. Befürchten Sie für die Kommunalwahl negative Folgen durch das Erscheinungsbild, das die Partei derzeit abgibt? 

Ich glaube nicht, dass uns das schadet. Die Bundespolitik hat mit der Kommunalpolitik nur wenig zu tun. Hier in Penzberg sind wir schon immer eine starke SPD gewesen. Auch in den letzten sechs Jahren haben wir als SPD viel für die Stadt erreicht, zum Beispiel bei der Kinderbetreuung, dem Wohnungsbau und für den Neubau des Schwimmbads. Die SPD macht erfolgreiche Arbeit auf kommunaler Ebene. Wir brauchen die SPD, deren Werte sich im Übrigen ja nicht geändert haben. Penzberg ist nach wie vor eine Stadt der Arbeit, und deshalb ist diese Stadt in der Vergangenheit mit einer sozialdemokratisch geprägten Politik sehr gut gefahren und wird es auch in Zukunft tun.


Ihre SPD ist Ihnen aber zum Wahlkampfauftakt schon in die Parade gefahren: Sie haben vor Monaten schon versprochen, die Zukunft des Bahnhofs aus dem Wahlkampf herauszuhalten. Die SPD aber ist mit der Vorfestlegung, das Bahnhofsgebäude dürfe nicht verkauft werden, in den Wahlkampf gestartet. 

Dass der Bahnhof nicht verkauft wird, wurde schon vor längerer Zeit vom Stadtrat festgelegt – mit den Stimmen der SPD. Ich bleibe dabei: Dieses für die Stadt so wichtige Nadelöhr darf im Wahlkampf nicht zerredet werden. Was mit dem Bahnhofsareal geschieht, muss im Rahmen von Bürgerworkshops diskutiert und dann vom neuen Stadtrat entschieden werden.


Welche besonders wichtige Erkenntnis haben Sie im Laufe der vergangenen sechs Jahre gewonnen? 

Das Bürgermeisteramt ist ein intensives Amt, das mir sehr viel Freude macht, weil ich mich für unsere Stadt leidenschaftlich einsetzen kann. Darüber hinaus habe ich erkannt, dass wir alle noch mehr zuhören müssen, wenn es darum geht, was wir besser machen können. Wir müssen erkennen, dass das Rathaus und der Stadtrat nicht Fort Knox sind, wo man Türen schließt, um dann im stillen Kämmerlein eine Entscheidung zu treffen. Was ich damit sagen will: Wir brauchen nicht für jedes Projekt fachliche Unterstützung von außen, aber sobald ein Thema, wie etwa das neue Schwimmbad, die Befindlichkeiten vieler Menschen trifft, sind wir damit gut beraten. Gerade das neue Familienbad ist dafür ein gelungenes Beispiel: Wir haben hier Fachleute, die hervorragende Arbeit leisten. Sie zeigen Möglichkeiten auf, auf die man ohne das notwendige Fachwissen auch gar nicht kommen kann. Ich glaube deshalb, dass dies ein Modell ist, das sich auch bei einem anderen komplexen Projekt wie dem Bahnhofsareal bewähren wird.


Weihnachten ist zwar jetzt vorbei, aber am 15. März steht ja die nächste Bescherung an. Was würden Sie sich denn bis dahin wünschen? 

Einen fairen Wahlkampf, der uns genügend Zeit lässt, die wichtigen Themen unserer Stadt weiter voranzu­bringen.



Das Gespräch führte André Liebe

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