Suche nach gangbaren Wegen

Artenschutz: Ein Gespräch mit Thomas Holz, der mit am Runden Tisch sitzt

Schnurstracks auf dem Weg nach München: Thomas Holz verhandelt am Runden Tisch über einen Kompromiss beim Arten- und Naturschutz.

Kochel – Seit Jahren ist er Bürgermeister einer Gemeinde, die reich an Gewässern ist: Thomas Holz. Dass sein Wirkungsbereich nah am Wasser gebaut ist, hat ihn nun an den Runden Tisch zum Artenschutz gebracht. Ein Interview mit Kochels Rathauschef über den neuen Sitzplatz. 

Ministerpräsident Markus Söder hat vergangene Woche angekündigt, das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ eins zu eins umsetzen zu wollen. Gewisse Korrekturen und Klarstellungen an dem Gesetzentwurf sollen zudem in einem begleitenden Gesetz oder in Ausführungsbestimmungen geregelt werden, parallel dazu ist ein großes Paket für mehr Umwelt- und Artenschutz geplant. Aus diesem Grund wird auch der Runde Tisch zum Artenschutz unter Leitung des ehemaligen Landtagspräsidenten Alois Glück weiterarbeiten, um hierfür zusätzliche Ideen zu erarbeiten. Mit an diesem Tisch sitzt in der Fachgruppe „Gewässer“ auch Thomas Holz. Ein Gespräch mit dem der Kochler Bürgermeister und Vize-Landrat über ein unverhofftes Engagement. 


Wie kam es zu Ihrem Engagement am Runden Tisch? 

Das Präsidium des Bayerischen Landkreistages sollte einen Vertreter auf politischer Ebene entsenden. Landrat Josef Niedermaier hat mich aufgrund meiner zwölfjährigen Erfahrung als Bürgermeister einer see- und gewässerreichen Gemeinde und meiner Ausbildung als Rechtsanwalt dafür vorgeschlagen.

Haben Sie lange überlegt, ob Sie sich das wirklich antun wollen, schließlich waren die Fronten zunächst ja doch eher verhärtet? 

Viel Zeit zum Überlegen hatte ich gar nicht, da die einzelnen Sitzungen aufgrund des Zeitdrucks bereits festgelegt waren. Trotz des nicht unerheblichen zeitlichen Aufwands habe ich schnell zugesagt, und zwar deshalb, weil der Arten- und Naturschutz uns alle angeht. Und wenn ich durch mein Mitwirken auch nur einen kleinen Beitrag dazu leisten kann, dass ein vernünftiger und tragbarer Ausgleich zwischen den unterschiedlichen Positionen im Sinne der nachfolgenden Generationen gefunden werden kann, hätte sich dieser Aufwand schon gelohnt.

Und wie ist es so am Runden Tisch, an dem ja auf beiden Seiten immerhin einige Alphatiere sitzen? 

In der ersten Sitzung, die über sechs Stunden dauerte, war ich positiv überrascht. Zwar haben die Initiatoren des Volksbegehrens gleich zu Beginn verständlicherweise ihre Positionen dargestellt und auch deutlich gemacht, dass sie nicht kompromissbereit sind. In der weiteren Diskussion, die aber von gegenseitigem Respekt und hohem Fachwissen geprägt war, wurde aber auch schnell klar, dass viele vermeintlich so gegensätzliche Positionen gar nicht so weit auseinanderliegen.


Gibt es schon konkrete Ergebnisse? 

Dafür ist es noch zu früh. In der ersten Sitzung haben wir uns vor allem mit dem im Gesetzesentwurf explizit enthaltenen Schutz der Gewässerrandstreifen beschäftigt und die weiteren zu besprechenden Themen festgelegt. So soll in den kommenden beiden Sitzungen beispielsweise über Förderprogramme für Gewässerrandstreifen, Gewässerentwicklungsräume und gewässerabhängige Landökosysteme diskutiert werden. Es geht aber auch um die Bedeutung von Wasserschutzgebieten für die Biodiversität, die Durchgängigkeit für Arten und Geschiebe im Bereich der Wasserkraft, den Restwasserleitfaden oder ein Ruhezonenkonzept für Seen.

Und jetzt die Söder-Erklärung: Hat Sie seine Entscheidung überrascht, den Gesetzesentwurf aus dem Volksbegehren nun doch anzunehmen? 

Eigentlich nicht. Ich glaube, dass sich der weit überwiegende Teil der bayerischen Bevölkerung bewusst ist, dass gerade im Hinblick auf die nachfolgenden Generationen in einigen Bereichen des Natur- und Artenschutzes Handlungsbedarf besteht. Daher war es schon erschreckend, wie aggressiv innerhalb mancher Gruppen anfangs die Debatten geführt worden sind und manchmal die Landwirtschaft in eine Täterrolle geschoben wurde. Sicherlich hat dies aber die generelle Diskussion zum Naturschutz angeschoben. Und das ist gut und richtig.

Welches Ergebnis sollte denn Ihrer Ansicht nach letztendlich herauskommen? 

Es wäre nun wichtig, mit einem begleitendem Gesetz gangbare und praxistaugliche Wege zu finden und so auch die ein oder andere Unschärfe im Volksbegehren auszubügeln. Am Ende sollte ein Kompromiss stehen, mit dem alle leben können – schließlich geht es um unser aller Lebensgrundlagen. 

Das Interview führte André Liebe

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