Autos, Läden und die Jugend

Kochler CSU zieht eine positive Bilanz, hat aber auch noch viel Arbeit vor sich

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Volles Haus: Beim Fischessen der CSU beschäftigte sich Thomas Holz (stehend) einmal mehr mit dem Verkehrsproblem.

Kochel – Bei der Jahreshauptversammlung der Kocheler CSU herrschte Optimismus mit Blick auf das, was bereits geschafft wurde. Aus den Augen verlor der Ortsverband aber nicht die Arbeit, die noch vor ihm liegt. Und auch beim Fischessen am Aschermittwoch wurden neben Forellen Probleme aufgetischt.

Hatte die Kocheler CSU schon vor einem Monat ihre Kandidaten für die Kommunalwahl vorgestellt, nutzten die Parteifreunde nun die Jahreshauptversammlung des Ortsverbandes dazu, noch einmal die politische Werbetrommel zu rühren. Die Analyse von vor sechs Jahren gesetzten Zielen und deren Umsetzung ergab dabei eine fast hundertprozentige Übereinstimmung. Mit Blick auf die aktuelle Zielsetzung wurde auch die Ortsmitte betrachtet, die mehr und mehr an Leben verliert. Derweil dominierte beim traditionellen Fischessen der CSU am Aschermittwoch im Seehotel Grauer Bär die Verkehrssituation in der Gemeinde.

Es muss wohl Kochels berühmtester Bürger, Franz Marc, sein, der den CSU-Ortsverband beflügelt hat. Denn von ihm stammt das Zitat: „Mangel an Optimismus ist Mangel an Wunschkraft.“ An Optimismus scheint es den Christsozialen am Kochelsee nicht zu mangeln, wie sich Bürgermeister Thomas Holz zeigte: „Fast alles, was sich der Gemeinderat vor sechs Jahren vorgenommen hatte, ist erreicht worden“, stellte er zufrieden fest und freute sich unter anderem darüber, dass es gelungen sei, im Trimini den Lehrbetrieb für Kinder aufrecht zu erhalten und dort wieder Schwimmkurse stattfinden zu lassen. Auch die energetische Sanierung der Kindertagesstätte KoKiTa und Investitionen ins Schulhaus gingen auf das Pluskonto des jetzigen Gemeinderats. Dafür, dass das Pumpspeicherkraftwerk am Jochberg nicht gebaut wurde, die Übernachtungen jährlich steigen, das Sanierungskonzept für den Kanal steht, sei dem kommunalparlament ebenfalls Anerkennung zu zollen, finden die Christsozialen. 

Dass in Kochel aber nicht alles rund läuft, ist der CSU durchaus bewusst. Denn während der Onlinehandel heutzutage floriert, verblüht der Einzelhandel in der Ortsmitte. Läden werden zwar hin und wieder eröffnet, aber Exoten wie etwa einem Hunde­salon sind keine sichere Zukunft beschert. Nicht einmal Herrchen und Frauchen finden eine Anlaufstelle, um sich die Haare schneiden zu lassen, denn einen Friseursalon gibt es in Kochels Zentrum nicht. Auch die Post hat nur noch stark verkürzt geöffnet, und am Haushaltswarengeschäft setzt sich Staub auf dem Schaufenster ab. Laut Angelika Schöppner, eine der drei CSU-Frauen, die für den Gemeinderat kandidieren, sind ein Viertel der Kochler mindestens 65 Jahre alt. Da ist eine Ortsmitte mit fehlenden Läden für die tägliche Versorgung ein Problem für weniger mobile Einwohner, aber nicht nur für diese. „Auch den Touristen fallen zunehmend die Leerstände auf“, beklagten René Wörndl und Max Leutenbauer. Beide wollen sich, sollten sie es ins den Gemeinderat schaffen, für wohnortnahe Arbeitsplätze und eine Ortsmitte, die Einheimische, Urlauber und Durchreisende zum Verweilen einlädt, einsetzen. Auch soll eine Busverbindung zur Alten Straße mit einer Haltestelle an der Ecke Herrenkreuth eingerichtet werden. Davon sollen insbesondere ältere Menschen profitieren. „Vor allem aber haben Jugendliche keinen Platz im Ort“, sagte Veronika Atzinger, um sofort hinterherzuschieben: „Das soll sich ja bald ändern.“ Atzinger hat dabei das ehemalige Verstärkeramt im Visier, wo ein Jugendraum geschaffen werden soll. Die mit 28 Jahren jüngste Bewerberin um einen Sitz im Gemeinderat will sich insbesondere dafür einsetzen, dass der provisorische Bauwagen am Rand der aufgelassenen Hausmülldeponie am Trimini-Festplatz, wo sich Kochels Nachwuchs bislang trifft, bald Geschichte sein wird. 

Ferner verspricht Rathauschef Thomas Holz, den Neubau des Bauhofs endlich voranzubringen. Seit zwei Legislaturperioden steht das Projekt auf „Halt“. Ebenso steht laut Holz das Sanierungskonzept für den Kanal in den Startlöchern. Weitere Themen des Abends waren die Neugestaltung der Seepromenade, der Betrieb des Walchenseekraftwerks nach dem Auslaufen des Vertrags mit Uniper, die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum, eine Überarbeitung des aktuellen Walchenseekonzepts sowie ein Entwurf für das künftige Gemeindemuseum. 

Beim Fischessen am Aschermittwoch widmete sich Holz vor der Forelle dann voll und ganz der Verkehrs­problematik. „Die hat inzwischen Dimensionen angenommen, die für die Anwohner nicht mehr hinnehmbar sind“, betonte er. Mittlerweile sei ja bekannt, dass an schönen Sommertagen über 50 Prozent der Autofahrer gar nicht nach Kochel wollen, sondern die Gemeinde ausschließlich als Umfahrungsstrecke bei Stau rund um Garmisch-Partenkirchen nutzen. Diese Erkenntnisse müssten bei der Planung der weiteren Maßnahmen im Sinne der Umsetzung des Walchensee-Konzepts genau berücksichtigt werden: „Beispielsweise stellt sich die Frage, ob der angedachte Kreisverkehr an der Blessing-Kurve überhaupt noch ein passender Lösungsansatz ist“, so Holz. Schließlich könnte ein derartiger Kreisel bei weniger Verkehr diesen möglicherweise beschleunigen und damit die Umfahrungsstrecke vielleicht sogar noch attraktiver machen. Das aber wäre kontraproduktiv, so Holz. Regelrecht aufgebracht war er zudem aufgrund der Tatsache, dass bei Stau immer mehr versucht werde, diesen durch Wohngebiete oder über Feldwege zu umfahren. „Diese grenzenlose Rücksichtslosigkeit schlägt dem Fass wirklich den Boden aus“, ereiferte sich Holz. Zeitnah werden man sich dieses Problems zusammen mit den Fachleuten intensiv annehmen. sg/la

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