Katzenzimmer in Louisiana

Benefizkonzert auf Gut Aiderbichl präsentiert Jazz von allerfeinster Güte

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Ein Raum mit New Orleans-Flair. Schlagzeugerin Iris Oettinger begeisterte mit ihren Bandkollegen Lindy Huppertsberg, Frank Roberscheuten, Uli Wunner und Martin Giebel (von links) das Publikum auf Gut Aiderbichl.

Iffeldorf – Erst beäugten die Katzen auf Gut Aiderbichl in ihrem Zimmer aus den Körbchen heraus und von Kratzbäumen herunter die Jazzmusiker kritisch, die vor ihrer Glasfront ein Konzert gaben, dann lauschten sie fast gleichmütig den Klängen, die zu einer Reise nach Louisiana einluden.

Unter tierischer Aufsicht hat die Jazz-Schlagzeugerin Iris Oettinger bis jetzt auch noch nicht gespielt. Insofern war es eine Premiere, als sie nun mit ihrer vierköpfigen Band im Saal von Gut Aiderbichl auftrat, um dem ehemaligen Augenarzt Günter Pohle einen Gefallen zu tun, der wiederum der Penzberger Musikschule einen Gefallen tat, weil mit dem Erlös dieses Benefizkonzerts deren internationale Kontakte gestärkt werden sollen.

Direkt vor der Glasfront des Katzenzimmers hatte sich Oettinger mit ihrer Kombo aufgebaut. Und die kuscheligen Vierbeiner staunten nicht schlecht, als sich rund 55 Jazzfreunde auf den Plätzen niederließen und die Band das tierische Seniorenheim im Handumdrehen in eine Kneipe des tiefsten Louisiana verwandelte. Während der ersten Nummer musste das Publikum noch zum Mitklatschen animiert werden, danach gab es aber kein Halten mehr. Dann wippten die Füße im Takt, Finger trommelten auf die Oberschenkel, und wer es auf seinem Platz nicht mehr aushielt, stellte sich tanzend in die Reihen. Nur selten luden ruhigere Stücke aus der Swing-Ära zum Verschnaufen ein. 

In Jazzkreisen gehört Iris Oettinger sicherlich immer noch zu einer Seltenheit, denn die Nürtingerin ist in eine Männerdomäne vorgedrungen. Nach Klavier, Flöte, Geige und Saxofon hatte sie ihre Liebe zum Jazz-Schlagzeug entdeckt und sich damit einen exzellenten Ruf in der Szene erworben. Ebenso mit von der Partie war einer der gefragtesten Klarinettisten und Saxofonisten, der Niederländer Frank Roberscheuten, der sich an diesem frühen Abend mit Uli Wunner zahlreiche musikalische Duelle lieferte. Uli Wunner, ebenfalls ein Virtuose auf Saxophon und Klarinette, spielt auf der ganzen Welt, am liebsten jedoch direkt im Herzen von New Orleans, wo er häufig mit dem berühmten Trompeter Leroy Jones anzutreffen ist. Die zweite Frau im Bunde war Bassistin Lindy Huppertsberg, die der Stammbesetzung der legendären Barrelhouse Jazzband aus Frankfurt angehört. Und: Ganz leise und unscheinbar fügte sich Pianist Martin Giebel in das Quintett ein. So zurückhaltend seine Person aber auch schien, so treibend, fordernd und begleitend waren seine Töne. 

Das Quintett interagierte perfekt, verständigte sich wortlos nur durch Blickkontakt und warf sich gegenseitig die Bälle zu. In den Gesichtern spiegelte sich die Freude am Spiel, der Spaß auf der Bühne riss das Publikum mit einer Leichtigkeit mit, dass man schier alles andere vergessen mochte. Nur die Katzen hinter der großen Glasfront waren ziemlich unbeeindruckt und schauten gelassen von ihren Hochsitzen auf die aus ihren Augen wohl sehr seltsame Gesellschaft herab. au

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