Prinzenpaare hinter Glas

In Schaufenstern der Innenstadt glänzt Faschingsnostaglie aus fünf Jahrzehnten

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In Schwarz und Pink tanzten Anna-Karina Mehl und Helmut Donhauser Mitte der Neunzigerjahre als Prinzenpaar. Ihre Kostüme sind nun im Schaufenster der Trachtenstube Inge von Isabella Oswald zu sehen.

Penzberg – Noch bekleiden die beiden Kostüme Mannequins, doch am 1. Februar werden Inge und Franz Wagner wieder in die von Goldgarn durchzogenen Gewänder schlüpfen, so wie vor 50 Jahren, als sie als erstes Prinzenpaar das Zepter beim Penzberger Fasching in der Hand trugen.

Doch die Wagners sind nicht die einzigen Tollitäten, die an diesem Tag, der im Zeichen des 50-jährigen Bestehens des OK Penzberger Fasching steht, in Nostalgie schwelgen. In zahlreichen Schaufenstern der Stadt glitzern die Roben, glänzen die Hosen und blenden die Blusen. Auffällige Stoffe, welche die Prinzenpaare und auch Kinderprinzenpaare in den vergangenen fünf Jahrzehnten in Penzberg trugen, finden sich nun in der Auslage der Trachtenstube Inge, des Modehauses Lampka, der Stadtapotheke oder des Cafés Freudenberg. „Als Werbung für den Jubiläumsball am 1. Februar“, erklärt Tatjana Patermann, die gemeinsam mit ihrer Schwester Isabella Oswald die Trachtenstube Inge leitet und in gleich mehreren Schaufenstern statt Dirndl und Joppen nun übertriebenen Rüschen, Strasssteinen und Knallfarben reichlich Raum gibt. Gleich am Eingang des Geschäfts strahlen die Kostüme ihrer Eltern, Inge und Franz Wagner, dem ersten Penzberger Prinzenpaar. Ein Großteil der Prinzenpaare der vergangenen fünfzig Jahre wird beim Jubiläumsball noch einmal in seine Gewänder schlüpfen, „auch meine Eltern“, lächelt Oswald. Ein großes Bild der Wagners von der Krönung 1970 begleitet die ausgestellten Kostüme. Doch nicht nur diese, auch die Gewänder der übrigen Prinzenpaare in den anderen Geschäften werden meist in einen zeitlichen Kontext eingeordnet, indem sich alte Aufnahmen sowie die Namen der Paare zu den Stoffen gesellen. 

Den Puppen passen die Kostüme wie angegossen, wenn die Kleider jedoch von den kopflosen Gestellen genommen werden, müssen sie ihren ursprünglichen Trägern wieder passen. Nicht selten waren die Gewänder dabei handgenäht, aus „Samt und Seide“, sagt Patermann. Heutzutage gebe es aber so eine große Vielfalt an Abendkleidung, „dass sich die Prinzessinnen und Prinzen ihre Garderobe von der Stange kaufen und diese eigenhändig aufhübschen“, weiß Patermann, welche die Ausstellung in den Schaufenstern organisiert hat. Wer nun durch Penzberg bummelt und in die ausgewählten Schaufenster blickt, wird „gleich sehen, welche Kostüme handgenäht sind“, ist sich Patermann sicher. Über ein Dutzend Kostüme von Prinzenpaaren ist zu sehen, gelegentlich auch von den Kinderprinzenpaaren. Nur nicht im Hoisl-Bräu, denn dort lassen sich statt Gewändern ein Strauß und Prinzessinnenschuhe entdecken, weil das Schaufenster dort einfach nicht groß genug war. 

Ob die Kostüme noch passen oder mit Nadel und Faden nachgeholfen werden muss, damit die Prinzessinnen und Prinzen der vergangenen Jahrzehnte wieder hineinpassen, wird sich zeigen, wenn am 25. Januar die Gewänder aus den Schaufenstern verschwinden und es an die Anprobe geht. ra

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