Wahlkabinen aus Wellpappe

Bei der U18-Wahl setzt die Jugend auf Engel und Korpan, Zehetner nur Vierte

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Wahllokal im Raum 222: In der Realschule schluckte eine Urne gleich beide Stimmzettel.

Penzberg – Wahlplakate bedecken die Wände vor dem Raum 222 in der Heinrich-Campendonk-Realschule. Wer am vergangenen Freitag das Zimmer betrat, der blickte auf ein paar Schulbänke, auf welchen sich Pappwände türmten.

Normalerweise dienen diese als Sichtschutz, der verhindern soll, dass die Schüler spicken. Am Tag der U18-Wahl erfüllten sie quasi denselben Zweck. Doch statt einer Ex lagen hier, wie auch im Gymnasium, Stimmzettel vor den Schülern. Und ab Mittag konnte Penzbergs Jugend dann auch noch in der Stadtbücherei ihre Stimme abgeben. 

Unterm Strich beteiligten sich alleine in Penzberg 484 junge Leute an diesem Spiel, das die Heranwachsenden mit den Grundzügen der Demokratie vertraut machen soll. Bürgermeisterin Elke Zehetner dürfte am Ende des Tages ziemlich verdutzt aus der Wäsche geschaut haben, weil sie es bei der U18-Wahl mit ihren 20,04 Prozent nicht einmal in die Stichwahl und nur auf Platz vier geschafft hat. Vorne lieferten sich Kerstin Engel von den Grünen (23,55 Prozent) und CSU-Mann Stefan Korpan (22,93 Prozent) ein Kopf-an-Kopf-Rennen, knapp dahinter landete Markus Bocksberger (Penzberg Miteinander) mit 21,49 Prozent auf dem dritten Rang. Keine Rolle spielten Armin Jabs von den BfP (6,61 Prozent) und Michael Kühberger von der FLP (5,37 Prozent). 

In der Realschule haben nur die 10. Klassen gewählt. Zwar durften bei der U18-Wahl alle zwischen 12 und 18 Jahren mitmachen, um das Interesse an der Politik zu wecken. Doch in der Realschule habe man sich entschieden, nur die Schüler ein Kreuzchen setzen zu lassen, „die schon über die Hintergründe der Kommunalwahl unterrichtet wurden“, erklärte Sozialkundelehrer Johann Braumandl. Die Zehntklässler hatten sich im Vorfeld ausgiebig mit den Bürgermeisterkandidaten beschäftigt und auch die Berichterstattung in der Lokalpresse kritisch hinterfragt. Dennoch hatten so manche noch Schwierigkeiten, sich für einen Kandidaten zu entscheiden. Einige Buben und Mädchen saßen ein Weilchen geduckt hinter den Pappwänden und über den Stimmzetteln. Dabei mussten sie ohnehin weniger Kreuzchen setzen als die Erwachsenen bei der Kommunalwahl am kommenden Sonntag, nämlich nur eines für den Bürgermeisterkandidaten und eines für den Landratskandidaten. Und dann galt es noch, die Wahlzettel korrekt zu falten, ehe diese in der großen grauen Urne landeten. „Einmal falten und nicht tausendmal“, mahnte Braumandl. Und die Schüler gehorchten, falteten und steckten das Papier in den Schlitz. 

Darin üben konnten sich ab Freitagmittag alle jungen Penzberger schließlich in der zu einem öffentlichen Wahllokal umfunktionierten Stadtbücherei. Als Wahlhelfer saßen dort sieben Stunden lang Mittelschüler zwischen den Bücherregalen, erläuterten den Wählern das Prozedere und überwachten den Urnengang. Der Andrang hier war unerwartet groß, um 13 Uhr hatten hier bereits 190 Wähler ihre Stimmen abgegeben. 

Übrigens: Bei der Landratswahl setzt Penzbergs Jugend auf Beständigkeit: Amtsinhaberin Andrea Jochner-Weiß von der CSU gewann hier mit 27,28 Prozent vor dem Grünen Karl-Heinz Grehl mit 21,30 Prozent. ra/la

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