Stuck über den Köpfen

Campus Benediktbeuern: Prüflinge schwitzen in herrschaftlichem Ambiente

+
Im Barocksaal des Klosters kann der erforderliche Mindestabstand eingehalten werden.

Benediktbeuern – Die Aufregung ist groß, das Herz pocht so laut, als ob es aus dem Halse springen möchte, und dann dieser beißende Geruch von Desinfektionsmittel in der Nase. Prüfungen am Campus Benediktbeuern. Ehe die Stundeten schwitzen, geht es für sie heuer in den Innenhof des Klosters, wo Hochschulmitarbeiter mit Masken und Desinfektionsmittelflaschen an Tischen mit Listen stehen und den Weg zu den Prüfungsräumen weisen. Keine leichte Zeit, für das Hochschulpersonal, vor allem aber für die nervösen Prüflinge.

In Form von Hausarbeiten und mündlichen Prüfungen, die via Videokonferenzen durchgeführt wurden, sammelten die Studenten ihre Semesterleistungen zusammen. Ganz ohne persönliches Erscheinen geht es letztlich aber nicht: „Einige Prüfungen müssen dennoch auch in Präsenz stattfinden unter größtmöglichen Sicherheitsvorkehrungen nach den Vorgaben der Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung“, erklärt Hochschulsprecherin Alexandra Hessler. Hilfe bei den akribischen Vorbereitungen dazu bekam das Prüfungsamt von der Klosterverwaltung, die die größten und wohl schönsten Räume des Klosters für die Prüfungen öffnete: Und so liefen und laufen die Köpfe im Ambiente des Barocksaals mit seiner stuckverzierten Decke und im ehrwürdigen Allianz-Saal hochrot an. 

„Unsere Verwaltung hat den Mehraufwand bei der Prüfungsvorbereitung hervorragend gemeistert. Mein Dank gilt aber auch dem Kloster und dem ZUK, die uns ihre großen Räume zur Verfügung gestellt haben, so dass der gesetzlich geforderte Mindestabstand von eineinhalb bis zwei Meter eines jeden Prüflings während der Prüfung gewährleistet werden konnte“, freut sich Professor Fritz Böckh, Dekan der Hochschule. Abstände, die wichtig waren, immerhin nahmen bis zu 150 Frauen und Männer an einer Prüfung teil. Und die dürften sich vielleicht bei all der Nervosität doch auch ein wenig auf die Prüfung gefreut haben, denn so konnten sie endlich wieder ihre Kommilitonen sehen. „Ich hatte den Eindruck, dass die Freude über das Wiedersehen bei manchen sogar die Nervosität überwogen hat“, erzählt Ursula Förtsch vom Prüfungsamt. Nach den Prüfungen seien einige im Innenhof zusammengesessen und hätten das Wiedersehen und den Austausch genossen. „Und wir von der Verwaltung freuen uns auch, zu sehen, wie sie den Campus mit Leben füllen“, lächelt Förtsch. 

Positiv gestimmt sind scheinbar auch die Studenten, trotz all der ungewöhnlichen und gewöhnungsbedürftigen Umstände: „Man hat schon vorab sehr viele Hinweise auf den Ablauf bekommen, nicht nur, was Corona anbelangt, sondern allgemein – das fand ich sehr beruhigend“, sagt Jonas Zimmermann, der im sechsten Semester Soziale Arbeit und Religionspädagogik studiert. Und Lena Hussenether, gleiche Studiengänge, zweites Semester, freut sich, ihre Kommilitonen nun wieder zu treffen: „Gerade in der Prüfungsvorbereitung hat die Gemeinschaft und das gemeinsame Arbeiten gefehlt,“ erzählt sie. 

Jonas Zimmermann konnte die Prüfungsphase jedenfalls kaum erwarten: „Eine Hausarbeit hat man irgendwie immer vor sich, eine Prüfung tatsächlich hinter sich, sobald man sie abgelegt hat“, sagt der Student, auf den in den Sommerferien nun ein paar Hausarbeiten warten. Mit Hausarbeiten und etwas Unzufriedenheit geht seine Kommilitonin Hussenether in die kursfreie Zeit: „Ich bin leider mit meinem Studium nicht so weit gekommen, wie ich es gerne wäre,“ sagt sie und ergänzt: „Aber die Dozenten waren alle super: Sie haben uns auch aus der Ferne so gut wie möglich unterstützt durch Telefonate, ständige Ansprechbarkeit und vor allem durch viel Austausch mit Hilfe von Videokonferenzen. Einige haben es sogar geschafft, auch online eine regelrechte Gruppendynamik hinzubekommen.“ 

So ungewöhnlich das Sommersemester war, so ungewöhnlich geht es im Wintersemester ab Oktober weiter. Denn auch dann werden viele Lehrveranstaltungen online durchgeführt werden. „Aber es sind auch ausgewählte Lehrveranstaltungen in Präsenz geplant, sofern es die Entwicklungen der Infektionszahlen zulassen“, so Hessler. Schließlich sollen vor allem die jüngeren Studenten die Gelegenheit bekommen, die familiäre Atmosphäre auf dem Campus Benediktbeuern kennenzulernen. Hessler/ra 

Bewerbungen für die Studiengänge Soziale Arbeit sowie Religionspädagogik und kirchliche Bildungsarbeit sind noch bis zum 20. August möglich. Weitere Infosunter: www.ksh-muenchen.de/hochschule/­campus-benediktbeuern.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

A95 bei Großweil: Wohnmobilfahrer verursacht Unfall - und flüchtet
A95 bei Großweil: Wohnmobilfahrer verursacht Unfall - und flüchtet
Verkehrsrowdy im Lamborghini - wilder Ritt auf der A95
Verkehrsrowdy im Lamborghini - wilder Ritt auf der A95
Für den Neubau des Vereinsheims fehlt der SpVgg Maxkron noch viel Geld
Für den Neubau des Vereinsheims fehlt der SpVgg Maxkron noch viel Geld
Benediktbeurer Bürgervereinigung will mehr Mitglieder in den Gemeinderat bringen
Benediktbeurer Bürgervereinigung will mehr Mitglieder in den Gemeinderat bringen

Kommentare