Kein Platz mehr bei der SPD

Zu große Differenzen: Fraktionssprecherin Rosi Marksteiner legt ihr Amt nieder

Tritt zurück und aus: Rosi Marksteiner sitzt künftig als Fraktionslose im Gemeinderat von Kochel.

Kochel – Da blickten einige überraschte Gesichter Rosi Marksteiner entgegen: In der jüngsten Sitzung des Gemeinderats in Kochel verkündete die 53-Jährige ihren Austritt aus der SPD-Fraktion. Der Grund: inhaltliche Differenzen. Das kam für viele unerwartet, aber nicht für alle.

Nachdem Freie Wähler und SPD sich gegen eine Einheitsliste aussprachen, gibt es bei der bevorstehenden Kommunalwahl in Kochel weiterhin eine Listenauswahl. Kandidaten seien für Wähler in ihren Zielen und Absichten besser erkennbar, wenn eine Partei oder Gruppierung hinter ihnen stehe, lautete eines der Argumente. Dass es an der inhaltlichen Übereinstimmung aber auch hapern kann, wurde in der jüngsten Gemeinderatsitzung deutlich, als SPD-Fraktionssprecherin Rosi Marksteiner aufgrund inhaltlicher Differenzen mit dem Ortsverein ihr Amt niederlegte. 

Marksteiner kam 2014 als Parteifreie über die SPD-Liste in den Gemeinderat. Nun teilte sie ihren Rücktritt als Fraktionssprecherin und den Austritt aus der SPD-Fraktion mit. Den radikalen Schritt begründete die 53-Jährige damit, dass der SPD-Vorstand ihr keinen Platz mehr auf der Liste für die Kommunalwahl 2020 zur Verfügung stelle und ihr damit das Vertrauen entzogen habe. „Unter dieser Voraussetzung kann ich nicht mehr in der Fraktion arbeiten“, folgerte Marksteiner, die bis März nun als fraktionsloses Mitglied am Ratstisch sitzt. „Offenbar war man mit meiner Arbeit der letzten fünfeinhalb Jahre nicht zufrieden“, fügte sie hinzu. 

„Das sitzt“, konstatierte Bürgermeister Thomas Holz vor einer erstaunt wirkenden Runde. Sein Vize Thomas Eberl (Unabhängige Wählergemeinschaft Kochel) bot Marksteiner spontan an, auf der UWK-Liste zu kandidieren. Ganz so überraschend dürfte die Nachricht aber nicht gewesen sein, denn laut dem SPD-Ortsvorsitzenden Bernhard Schülein hatte sich Marksteiner bereits Mitte November schriftlich bei allen Gemeinderatsmitgliedern von den Äußerungen der SPD bezüglich der Einheitsliste und dem bevorstehenden Wahlkampf distanziert. „Generell hat sich Frau Marksteiner in den letzten Monaten immer mehr von unseren Aussagen und Haltungen entfernt“, erklärt Schülein. In diversen Diskussionen sei man sich inhaltlich nicht nähergekommen und habe keine gemeinsamen Ziele und Vorstellungen formulieren können, bedauert er. Neben der von ihr „leidenschaftlich verteidigten“ Einheitsliste habe sich auch beim 10-Punkte-Wahlprogramm der Genossen ein inhaltlicher Dissens gezeigt. „So kann man als Partei nicht in eine Wahl gehen“, findet Schülein, weshalb man am vergangenen Freitag Konsequenzen habe ziehen müssen. 

Marksteiner hingegen wollte wieder auf der SPD-Liste kandidieren, denn ihr Amt im Gemeinderat, als Referentin für Jugend und Familie und als Mitglied im Finanz- sowie Tourismusausschuss, würde sie gerne weiter ausüben. „Aber nach diversen Gesprächen im Vorfeld war der Vorstand der Meinung, dass meine und seine Vorstellungen von der Arbeit im Gemeinderat nicht vereinbar sind“, erklärt Marksteiner. Von der Entscheidung am vergangenen Freitag sei sie „sehr überrascht“ gewesen, vor allem vor dem Hintergrund, dass es in den vergangenen Wochen sehr schwierig gewesen sei, bereitwillige Kandidaten für die SPD-Liste zu finden. 

Verwundert zeigt sich wiederum Schülein: „Klaus Barthel und ich hatten nach unserem offenen Gespräch den Eindruck, dass Rosi erleichtert war über die nun herrschende Klarheit.“ Zumal sie selbst geäußert habe, unter dem Gefühl, „zwischen den Stühlen zu sitzen“, zu leiden. Nachdem man ihr ausdrücklich für die Arbeit in den letzten Jahren gedankt habe, hoffe man nun auf einen fairen und respektvollen Umgang und wünsche ihr für die alternativen Angebote anderer Gruppierungen alles Gute. 

Mit ihrer Entscheidung geht es Marksteiner inzwischen gut. „Sie war nach dem Versagen eines Listenplatzes nur folgerichtig“, erläutert sie, auch wenn im Gemeinderat kurzzeitig „eine Mischung aus Überraschung und Bestürzung“ geherrscht habe. Das Angebot von UWK-Gemeinderat Eberl sei „sehr nett“ und nicht die erste Offerte, auf einer anderen Liste zu kandidieren. „Das zeigt mir, dass meine Arbeit im Gremium geschätzt wird“, schlussfolgert Marksteiner, die sich durchaus vorstellen kann, auf einer anderen Liste zu kandidieren. „Welche Liste in Frage kommen könnte, darüber habe ich mir aber noch keine finalen Gedanken gemacht“, meint sie, dazu sei das Ganze noch zu frisch. cw

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