Keine Chalets in St. Johannisrain

Nach Protesten der Anwohner: Bauausschuss verzichtet auf Satzung für den Außenbereich

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St. Johannisrain bleibt, was es ist: ein Idyll mit Kirche, Wiesen, aber keinen Chalets.

Penzberg – Weitläufige grüne Wiesen umgeben von einfachen hölzernen Zaunpfählen, die Stacheldraht miteinander verbindet. Im Hintergrund läutet die Kirche, ansonsten herrscht weitestgehend Stille in St. Johannisrain. Und das wird sich so schnell nicht ändern, denn Chalets werden keine gebaut.

In St. Johannisrain werden keine Ferienchalets gebaut. Der Bauausschuss lehnte am Dienstag eine Außenbereichssatzung einstimmig ab, die für den Bau nötig gewesen wäre. Mit seinem einstimmigen Beschluss folgte das Gremium einer Forderung der St. Johannisrainer Anwohner, die sich in einem Schreiben an die Stadt gegen eine touristische Nutzung in dem idyllischen Ortsteil ausgesprochen haben. 

Wie berichtet, sollten dort vier Chalets gewissermaßen als Außenstelle des Hotels Berggeist errichtet werden. Doch da es sich bei der in Frage kommenden Fläche um einen Außenbereich handelt, sind solche Neubauten nicht zulässig – es sei denn, die Stadt regelt das über eine eigene Satzung. Die hatte der Bauausschuss zunächst erwogen, jetzt machte das Gremium aber einen Rückzieher. Dazu beigetragen hat ganz offenbar die große Einigkeit der Menschen in St. Johannisrain, die in ihrem Schreiben an die Stadt unmissverständlich zum Ausdruck brachten, dass sie eine gewerbliche Nutzung ihrer Wiesen außer für landwirtschaftliche Zwecke ablehnen. Und sie machten deutlich, dass sie den dörflichen Charakter in ihrem Weiler unbedingt erhalten möchten. Bauliche Entwicklungen, heißt es in dem Schreiben, sollten ausschließlich dem Wohnen dienen und sich aus dem Bestand heraus ­entwickeln. 

Vize-Bürgermeister Johannes Bauer (Grüne) lobte das Engagement der Anwohner, die in Eigenregie eine Ortsteilversammlung organisierten. Sie seien sich darüber bewusst geworden, wo die wirklichen Werte einer ländlichen Siedlung liegen. „Das ist beispielhaft.“ Das Ergebnis überzeuge, so Bauer. Auch seine Fraktionskollegin Kerstin Engel pflichtete dem bei und sprach sich klar gegen eine touristisch-gewerbliche Nutzung aus. Dadurch würde die Idylle, die ein Tourist sucht, ja gerade zerstört. Was Wohnraum anbelangt, so Engel weiter, werde es Möglichkeiten für eine weitere Entwicklung geben. Manfred Reitmeier (BfP) zeigte sich zufrieden, dass die Außenbereichssatzung nun begraben wurde. Regina Bartusch (SPD) wiederum zeigte sich etwas überrascht von der Anwohnerinitiative. Die Satzung hätte eine geordnete Entwicklung in St. Johannisrain ermöglicht – bei jeglichen Bauwünschen. Dennoch: „Die Initiative hat mich überzeugt, das akzeptieren wir“, so Bartusch. arr

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