Korrekte Kerzenkunde

Grüne Weihnachten: Josef Haslingers Winterwettervorhersage traf endlich zu

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Der Haslinger und die Giganten: Im vergangenen Sommer las er das Winterwetter an den außergewöhnlich hohen Königskerzen ab, mit Erfolg.

Benediktbeuern – Seit Jahrzehnten liest Josef Haslinger schon das Winterwetter an der Königskerze ab, die im Sommer aus ihren Knospen sonnengelb leuchtet. Schon oft wurde der Benediktbeurer belächelt, wenn seine Voraussagen nicht eingetroffen sind. Jetzt ist es der Haslinger Sepp, der lächelt.

Anfang des vergangenen Jahres versanken Benediktbeuern und die umliegende Region unter Schneemassen, nachdem tagelang Flocken ohne Unterlass vom Himmel gefallen waren. Das hatte Josef Haslinger nicht kommen sehen, als er im Sommer 2018 neben mannshohen Königskerzen gestanden hatte und anhand der Anzahl und der Verteilung der Knospen das Winterwetter vorhergesagt hatte. Keine oder kaum Blüten, kein oder kaum Schnee, einige oder viele Blüten einiges an oder viel Schnee. Keine weiße Weihnacht, zeigten ihm die Knospen an, und ja, ein Winterwunderland gab es an Heiligabend 2018 durchaus nicht. Im Januar 2019 werde es immer wieder mal Schnee geben, der komme und gehe, prophezeite Haslinger dann für das neue Jahr. „Nur kurzzeitig gibt es eine geschlossene Schneedecke, a miader Winter“, glaubte der Benediktbeurer damals. Dann kam es jedoch ganz dicke: heftige Schneefälle und eiskalte Massen auf Straßen und Wiesen, die so schnell nicht gehen wollten. Ja, die Knospen lagen wohl falsch, oder Haslinger, der der Königskerze, die er Jahr für Jahr immer im Juli umklammert, so sehr vertraute. 

Im Sommer 2019 streunte Haslinger nichtsdestotrotz wieder durch Benediktbeuern, blitzte in Gärten und spazierte an Feldern und am Bahngleis entlang. Er vertraut seiner Pflanze noch immer, und dem alten Brauch, sich von dem bevorstehenden Winter anhand der Knospen ein Bild zu machen, so wie es vor hunderten Jahren die Nonnen und Mönche gepflegt haben sollen. „Viele sagen, dass ich an Schmarrn red“, sagte Haslinger damals, keineswegs verbittert, sondern mit einem Lächeln im Gesicht. Abermals wagte sich der Benediktbeuerer an eine Vorhersage, kein bisschen an den langen Stangen zweifelnd. Und auch wenn er sich schon seit Jahrzehnten mit der Wetterkerze auseinandersetzt, so staunte er doch über die Exemplare des vergangenen Sommers. Viele Stängel, deren Spitze sich normalerweise maximal in 180 Zentimetern Höhe der Sonne entgegenstreckt, waren über zwei Meter groß geworden, so musste sich Haslinger ordentlich lang machen und zusätzlich die Knopspenreihen zu sich hinunterbeugen, um eine Prognose abgeben zu können. „Eine weiße Weihnacht wird es wohl nicht geben“, meinte Haslinger damals nach der Inspektion.

Ein paar Monate später, wenige Tage vor Heiligabend, kündigten die Wetterdienste keine Flocken an. Kein Wunder nach den milden Adventswochen. Nun ist Weihnachten vorbei, und das einzige, was da vom Himmel gefallen war, waren hier und da Regentropfen. Haslinger lächelt. „Was hob i gsogt“, ruft er aus, so als ob er noch nie daneben gelegen hätte.

Vielleicht waren die Wetterkerzen der vorangegangenen Jahre für den Haslinger Sepp ja einfach zu klein, und er hat sich beim Knospenzählen gelegentlich etwas vertan. Das konnte bei den mehr als mannshohen Exemplaren mit mächtigen Knospen nicht mehr passieren. Doch ob es nicht nur ein kleiner Glückstreffer war und er mit seiner Prognose wirklich richtig liegt, wird sich in den kommenden Wochen noch zeigen. Im Januar fallen wenige Flocken, an Ostern könnten ein paar mehr kommen: „Weihnachten Klee, Ostern Schnee“, sagte Haslinger noch in dem Sommer, in dem er Wetterkerzen begegnete, die so riesig waren, wie es sie noch nie zuvor gesehen hatte. ra

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