Allee aus Nudeln

Kinderponymobil in Nantesbuch kämpft in der Corona-Krise weiter um seine Existenz

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Sollen gelassen bleiben: Sabrina Ripellino setzt alles daran, für die Pferde, Ponys und Alpakas auf dem Zisthof ein Stück Normalität zu wahren, auch wenn es ihr Corona nicht gerade leicht macht.
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Sollen gelassen bleiben: Sabrina Ripellino setzt alles daran, für die Pferde, Ponys und Alpakas auf dem Zisthof ein Stück Normalität zu wahren, auch wenn es ihr Corona nicht gerade leicht macht.
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Sollen gelassen bleiben: Sabrina Ripellino setzt alles daran, für die Pferde, Ponys und Alpakas auf dem Zisthof ein Stück Normalität zu wahren, auch wenn es ihr Corona nicht gerade leicht macht.

Penzberg – Die bunten Schwimmnudeln in aufrechter Position leuchten einem auf dem Reitplatz schon aus der Ferne entgegen. Hie und da wuseln Kinder in Stiefeln an den Füßen und mit Helm auf dem Kopf umher. Aber nur wenige. Zu wenige, geht es nach Reitlehrerin Sabrina Ripellino. Sie sitzt auf einem Gartenstuhl und blickt auf das Geschehen. Sie ist müde, daraus macht sie kein Hehl.Und dass sie die kommenden Monate wieder wacher wird, glaubt sie nicht. Die Corona-Krise hat das Kinderponymobil auf dem Zisthof 2 voll erwischt.

Mit Spenden, rund 5.000 Euro kamen Ende März bei einem Online-Aufruf zusammen, konnte Ripellino für ihre Tiere zumindest Futter kaufen, doch mit Heuballen ist es nicht getan. Um die laufenden Kosten zu decken, braucht es mehr Geld. Sabrina Ripellino und ihre Mitarbeiter leben auf dem Zisthof 2 von ihren vielfältigen Angeboten: Kindergeburtstage und Hochzeiten mit Ponys, Reittherapie und Reitunterricht für Einzelpersonen und Gruppen oder Alpakawanderungen. All das konnte in den vergangenen Wochen wegen Corona nicht stattfinden. „Ich habe mein Erspartes aufgelöst und die Soforthilfe gerade erst bekommen“, sagt Ripellino. Würde sie nicht mit Tieren arbeiten, an denen ihr Herz hängt, „hätte ich das vermutlich nicht getan“, gesteht sie.

Ein Kind schlendert an ihr vorbei, den Reithelm auf dem Kopf. Ein leises „Hallo“, dann marschiert das Mädchen zum Stall. „Momentan haben wir vier Schüler“, sagt die Trainerin. Normalerweise schafft sie ab dem Frühling einen finanziellen Puffer für die Wintermonate, in denen nicht viel auf dem Hof passiert. 

Kinderlachen am Stall. Das hört die Reittherapeutin gerne, wenn es auch leiser ist als gewöhnlich. Und daran arbeitet Ripellino auch mit den Kindern. Sie habe viele Schüler, die sehr still und schüchtern sind und bei ihr, bei den Pferden, aufgeblüht sind. „Ich hab bei vielen an ihrem Lächeln gearbeitet“, sagt sie. Nun bestehe aber die Gefahr, dass diese Kinder wieder in ihr Schneckenhaus zurückkriechen. Normalerweise wird sie von den meisten Kindern mit einer Umarmung begrüßt, das ist binnen weniger Wochen undenkbar geworden. Mundschutz in der Sattelkammer, Abstand am Putzplatz, wo ständig Bürsten und Sattel abgespritzt werden müssen, kontaktloser Reitunterricht. Distanz, die sich wahren lässt, da nur wenige Pferde­narren über den Hof laufen, etwa ein Viertel der gewohnten Zahl. 

Seit wenigen Wochen kann Ripellino wieder Einzelstunden geben und Kleingruppen unterrichten, aber noch immer keine Therapiestunden durchführen, „leider nur ein kleines Feld unseres Angebots, aber immerhin“, so die Trainerin, die bedauert, nicht mit der Liebe und Herzlichkeit unterrichten zu können, wie sie und die Kinder es gewohnt sind. Vor kurzem noch musste Ripellino mit Zugangsberechtigungen arbeiten, dank derer Besucher weiterhin kommen konnten, aber eben deutlich weniger und unter strengen Regelungen. „Es war schwierig“, meint Ripellino, die Tiere mussten schließlich beschäftigt werden. „Ich musste immer anwesend sein“, sagt die Trainerin. In Gelassenheitstrainings wurden dafür gesorgt, dass der Geist der Pferde und Ponys wach bleibt, etwa indem die Tiere durch eine Allee aus wackelnden Schwimmnudeln geführt wurden. Bei Pferden müsse nämlich immer wieder neu austariert werden, wer der Chef ist, meint Ripellino. Ansonsten verlieren die Tiere den Respekt vor dem Menschen, „sie werden frech“. Die Tiere mussten aber nicht nur beschäftigt werden, sondern auch gepflegt: 19 Ponys und Pferde, zwei Ziegen, drei Enten, zwölf Hühner, zwei Katzen und Hunde sowie drei Alpakas. Letztere, gesteht Ripellino, seien in letzter Zeit etwas zu kurz gekommen, nicht was die Versorgung und Pflege betrifft, sondern die Beschäftigung. Zwar sei sie mehrmals mit den zotteligen Gesellen spazieren gegangen, aber eben nicht mit fremden Menschen, wie beispielsweise bei Wanderungen, bei denen die scheuen Tiere ihre Schüchternheit und Ängstlichkeit zwar nicht gänzlich ablegen lernen, jedoch zumindest an Gelassenheit gewinnen. Nun stapft das wollige Trio über die Wiese, frisch geschoren beugen sie ihre dünnen Hälse zum Grasen nach unten. 

Im Winter, wenn die Wolle wieder die schlanken Körper der Alpakas umhüllt, „werden wir die Auswirkungen von Corona erst richtig merken“, sagt Ripellino. Noch hält sich das Kinderponymobil über Wasser, doch bis es draußen wieder kälter wird, müssen ordentlich Einnahmen in die Kasse fließen, um das Defizit des Frühlings auszugleichen. „Wir kämpfen, aber ich bin müde“, sagt Ripellino, die täglich zwischen zwölf und 15 Stunden arbeitet. Sie blickt auf den Reitplatz, wo eine junge Frau gerade voltigiert. Die Trainerin lächelt. ra

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