Verloren im hohen Gras

Landwirte, Jäger und Freiwillige wollen Rehkitze vor dem qualvollen Mähtod bewahren

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Versteckt in Wiesen sind Kitze sicher, bis das Mähwerk anrückt.
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Gerade einmal eine Stunde alt und schon steht dieses Rehkitz auf den Beinen. Bald wird es sich zwischen hohen Halmen verstecken.

Penzberg/Region – Sie ducken sich, obgleich sie eigentlich flüchten sollten: Rehkitze finden im hohen Gras vermeintlich Schutz, sobald jedoch Mähmaschinen anrollen, droht ihnen der Tod, weil sie sich instinktiv kleinmachen. Doch Kitze sind nicht der einzige tierische Nachwuchs, dem Mäher zum Verhängnis werden können. Deshalb verweist Walter Heußler, der stellvertretende Vorsitzende des Kreisjagdverbandes Weilheim, jedes Jahr im Mai, wenn die Grünlandmahd beginnt, auf das Leben im hohen Gras hin.

Erst kürzlich bekam Heußler ein Foto in die Hände, das ihn sichtlich bewegte. Es zeigt ein Rehkitz eine Stunde nach seiner Geburt, „das ist ein Sechser im Lotto“, schwärmt Heußler. Ein seltener Anblick, ein schöner Anblick. Gerade mit einem solchen Bild im Kopf ist es Heußler ein großes Anliegen, die jungen Tiere vor einem grausamen Tod zu bewahren. Ein grausamer Tod, der die Tiere im vermeintlichen Schutz ereilt. Für Rehkitze, Junghasen, Vögel, Nattern und Frösche seien Wiesen „Brutstätte und Kinderstube“, sagt Heußler. Das Problem: Hören diese Tiere die Mähmaschinen, so flüchten sie nicht, sondern harren in der Bewegungslosigkeit aus. Heußler spricht von einem „Feindvermeidungsverhalten, das nicht mit den schnellen Entwicklungen der Landwirtschaft mithalten konnte“. 

Jedes Jahr wieder rücken daher Rehkitzretter aus. Auch heuer. Wenn sie „sich an die strengen Corona-Regeln halten, dürfen sie auch in den kommenden Wochen die Wiesen absuchen“, sagt Heußler. Immer öfter kommen dabei auch Drohnen mit Wärmebildkameras zum Einsatz, allen voran bei der Suche nach Rehkitzen. „Sobald die Kameratechnik entsprechend weiterentwickelt ist, sollen auch Bodenbrüter mit Drohnen in der Luft aufgespürt werden“, betont Heußler. Inzwischen gibt es zahlreiche Gruppen und Vereine, die Jahr für Jahr bei der Suche nach Rehkitzen helfen. Auf einer interaktiven Karte der Deutschen Wildtier Stiftung (www.deutschewildtierstiftung.de/naturschutz/­reh-stoppt-den-maehtod) können sich Freiwillige anmelden, um Landwirte und Jäger zu unterstützen. ra

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