Singend Corona trotzen

Andrea Fessmann und der Klangkunst-Chor proben jetzt einfach am PC

Lauter glückliche Gesichter: Den Mitgliedern des Klangkunst-Chores macht die Probe am PC erkennbar viel Spaß.

Iffeldorf – Bei einem Flashmob stellt man sich immer vor, dass eine größere Menschenmenge sich zu einer ganz bestimmten Uhrzeit an einem ganz bestimmten Platz versammelt, um ein und dasselbe zu tun.

So, wie es im vergangenen Jahr in Penzberg gemacht wurde, als beim Stadtjubiläum das „Steigerlied“ aus zahlreichen Kehlen in den vorabendlichen Himmel geschmettert wurde. In Zeiten von Corona ist so etwas natürlich nicht möglich, dass ein Flashmob aber trotzdem drin ist, hat Andrea Fessmann jetzt am Ostersonntag gezeigt. Mit dem 19-Uhr-Glockenschlag, so hatte sie, die Sängerin, Dozentin und Chorleiterin, es ein paar Tage vorher über Facebook kundgetan, sollte Händels „Hallelujah“ vom Balkon, von der Terrasse oder aus geöffneten Fenstern erschallen. Und es hat funktioniert: in Iffeldorf, in Penzberg, in München, aber auch in Wien, Neapel und Paris. 

Andrea Fessmann lacht, was in diesen Tagen für eine Kulturschaffende nicht selbstverständlich ist, zumal für eine, deren größter Traum wegen Corona wie eine Seifenblase zerplatzt ist. Am Sonntag wollte Fessmann mit dem Chor der Klangkunst im Pfaffenwinkel die „Carmina Burana“ in der Carnegie Hall in New York singen. Insgesamt 93 Sänger wären es gewesen, „aber jetzt ist alles für die Katz“, so Fessmann. Ob dieser Auftritt jemals nachgeholt wird? „Kein Ahnung, ich hoffe schon“, sagt sie und lacht wieder. Die gute Laune scheint ihre Waffe zu sein, um der Corona-Tristesse zu begegnen. „Stimmt schon“, meint sie, „man muss ja positiv nach vorne schauen, sonst wird man wahnsinnig.“ Und so macht Andrea Fessmann das beste aus einer außergewöhnlichen Situation, sie probt mit dem Klangkunst-Chor einfach weiter, als sei nichts geschehen – nur eben nicht im gewohnten Rahmen, sondern am PC. Die erste Videochorprobe war dann nicht nur sehr ungewöhnlich, sondern auch sehr lustig, weil sich all die Leute wegen Corona schon so lange nicht mehr gesehen haben und bei der Videokonferenz, wo alle Köpfe auf dem Bildschirm auftauchten, erst einmal angeregt gequasselt haben. 

Dann aber wurde gesungen, das ganz normale Programm, das „Mag­nificat“ des jungen norwegischen Komponisten Kim André Arnesen, das eigentlich im Juni in Benediktbeuern aufgeführt werden soll, wohl aber ins Wasser fallen wird. Völlig egal, mit solchen Gedanken mag sich Andrea Fessmann jetzt aber noch nicht beschäftigen. Statt dessen spielt und singt sie ein paar Takte vor, damit jeder weiß, was sie will. „Und dann müssen die mit mir singen“, lacht sie wieder. Die einzelnen Stimmen dringen dann gebündelt aus ihrem Kopfhörer, „wir sind ja hier nicht im Sprachlabor, wo ich jeden einzelnen abfrage“. Statt dessen vertraut Fessmann darauf, dass die Leute aus dem Chor „kräftig mitsingen“ und die entsprechenden Passagen „nach dem Üben auch können“. Weil aber so ein „Magnificat“ aus dem PC sich dann aber doch etwas anders, blecherner anhört, lässt Andrea Fessmann zwar kräftig weitersingen, sie schaltet aber irgendwann mal den Ton weg. „Sonst würde ich wahnsinnig werden“, strahlt sie einen an. Und da aus dem Bildschirm lauter glückliche Gesichter zurückstrahlen, scheint ihr niemand böse zu sein, dass sie sich für kurze Zeit nur mit der Musik umgibt. Kein Sopran, kein Bass, kein Tenor, ehe wieder alle zugeschaltet werden. Andrea Fessmann hört ganz genau hin. Sie ist zufrieden. „Fürs erste Mal gar nicht schlecht“, resümiert sie, „ich denke, dass alle was gelernt haben.“

Die Resonanz aus dem Bildschirm bestätigt sie: keiner ist genervt, alle wollen weitermachen. Einmal in der Woche, wie sonst auch. Bis die Normalität wieder Einzug hält und man sich zum Proben treffen kann. Dann wird alles wieder persönlicher, unmittelbarer und authentischer sein. Allerdings kann Andrea Fessmann dann eines nicht mehr tun: den Chor per Knopfdruck auf stumm schalten. la

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