Sanfte Fremde

Im Familienzentrum Arche Noah lernen Kinder, von den Eltern loszulassen

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Helfen den Kleinen, Abstand zu gewinnen: Kinderpflegerin Georgia Auer, die ab Herbst die Gruppenleitung übernimmt, Julia Wagner, die im Herbst die Einrichtung verlässt, und Erzieherin Jennifer Ritter (von links).

Penzberg – Es sind zwei halbe Tage in der Woche, die viel bewirken. Sie erleichtern Eltern, die Betreuung für ihren Nachwuchs suchen, und unterstützen Kinder, die einer Fünf-Tage-Woche in einer Krippe oder einem Kindergarten noch nicht gewachsen sind. Sanfte Betreuung im Familienzentrum Arche Noah.

Das Kind hat die ersten Jahre seines Lebens in der Nähe von Mutter und Vater verbracht, vielleicht gelegentlich ein paar Stunden mit Oma und Opa verlebt, und plötzlich dieser Einschnitt in das Vertraute. Wenn die Kleinen zum ersten Mal in die Krippe oder den Kindergarten gehen, so ist die Eingewöhnung in der Regel keine allzu leichte Zeit, alles neu, alles anders, so viele andere Kinder. Selbstredend sind Erzieher und Pfleger in dieser Zeit bemüht, dem Kind das Neue zu erleichtern, es an das Ungewohnte heranzuführen. Leicht von der Hand dürfte dieses Unterfangen in großen Gruppen aber nicht gehen. In kleinen Gruppen vielleicht auch nicht unbedingt leicht, aber leichter. 

Das zeigt sich im Familienzentrum Arche Noah. Dort gibt es seit vielen Jahren Kindergruppen kleinen Umfangs, auch zeitlich gesehen. „Wir haben hier ein besonderes Angebot, was es sonst nicht gibt“, lächelt Annelies Plep, Gründerin und Leiterin der Einrichtung. In zwei Gruppen, in denen jeweils bis zu zehn Kinder im Alter von eineinhalb bis vier Jahren betreut werden, erleben die Kleinen im Grunde genommen all das, was auch Buben und Mädchen in gewöhnlichen Krippen- und Kindergartengruppen erfahren, jedoch nur an zwei Vormittagen in der Woche. 

Zwei Tage, die eine „erste und schonende Loslösung“ von den Eltern ermöglichen, erklärt Plep. „Jedes Kind hat seine Zeit“, lautet die Devise, die auch auf den Broschüren im Zentrum prangt. Und während mit zwei Vormittagen in der Woche die Kleinen vergleichsweise wenig Zeit in der Einrichtung verbringen, investieren die Erzieherinnen, Pflegerinnen und Sozialpädagoginnen vergleichsweise viel Zeit für jedes Kind, ganz individuell. Ein Luxus, der dank der Gruppengröße möglich ist. „Jedes Kind wünscht sich, in seiner Einzigartigkeit gesehen zu werden und in seinen Bedürfnissen und Nöten ernst genommen zu werden“, erklärt der Flyer die Pädagogik des Hauses. Ein Wunsch, der auch auf die Eltern zutreffen dürfte. „Eltern, die nach Geborgenheit für ihr Kind suchen“, so Plep, finden diese in den vier Wänden des Familienzentrums. 

Wichtig dabei sei es aber auch, dass „die Kinder unter Kinder kommen“, betont die Leiterin. Die Kinder erleben dann untereinander die zahlreichen Facetten des Krippen- und Kindergartenlebens, nur eben an zwei statt fünf Tagen in der Woche: Aquarelle malen, im Garten toben, Ausflüge in die Natur unternehmen, musizieren und singen, Geschichten lauschen, Gemüse säen und ernten, Semmeln backen . Apropos backen: Essen spielt eine besondere Rolle in den Gruppen. Stets gemeinsam werden die Speisen, in Bio-Qualität, zubereitet, stets gemeinsam werden sie zu sich genommen, „man isst das, was man selber zubereitet hat“, sagt Ritter. Großen Wert legen die Betreuerinnen auch auf die Herkunft der Lebensmittel, sie sollen regional und saisonal sein, damit die Kleinen lernen, in welchen Jahreszeiten was zur Verfügung steht und damit sie ein nachhaltiges Bewusstsein entwickeln. 

Doch der Blick der pädagogischen Fachkräfte richtet sich nicht allein auf die Kleinen: „Wenn sich die Eltern wohlfühlen, dann hat es das Kind auch leichter“, weiß Erzieherin Jennifer Ritter, die montags und dienstags die Elefantengruppe leitet. Daher sollen Elternabende mit pädagogischen Gesprächskreisen, in welchen stets ein bestimmtes Erziehungsthema besprochen wird, aber auch gemeinsame Feste und das Elterncafé den Erziehenden Sicherheit geben. Sicherheit, die auch Georgia Auer bieten möchte. Die Kinderpflegerin übt seit vielen Jahren mit Herzblut ihrem Beruf aus, seit kurzem im Familienzentrum Arche Noah. Im Herbst wird sie die Löwengruppe donnerstags und freitags zähmen, denn dann übernimmt sie die Gruppenleitung von Julia Wagner, die sich nach den Sommerferien voll und ganz auf ihre Familie, ihre Pferde und den Hausbau konzentrieren möchte. „Sie kommt wieder“, sagt Ritter und schaut mit einem Lächeln auf ihre bald ehemalige Kollegin. Ein Blick, der verrät, das nicht nur Familien in das Zentrum Im Thal 6 kommen, sondern eine Familie auch in der Einrichtung arbeitet. ra

Weitere Informationen rund um das Familienzentrum Arche Noah und zu den Kindergruppenangeboten sind unter www. familienzentrum-arche-noah.de abrufbar.

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