Die Suche nach einer Basis

Sieben Leute wollen mit der Stadt die Zukunft der Schrebergärten im Breitfilz sichern

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Haben die Initiative ergriffen: Paul Hattemer, Marianne Fesl, Christof Ludewig und Thomas Szenyei (von links) gehen auf die Stadt zu, stellen eine Vereinsgründung in Aussicht, erwarten vom Rathaus aber auch Kooperationsbereitschaft.

Penzberg – Als vor ein paar Tagen im Rathaus eine Informationsveranstaltung über die Zukunft der Kleingartenanlage im Breitfilz stattfand und Kämmerer Johann Blank dabei anregte, die Laubenpieper mögen doch einen Verein gründen, war der Aufschrei groß. Doch in zwischen hat ein Umdenken begonnen.

Sechs Kleingärtner und CSU-Stadtratskandidat Paul Hattemer, ein ehemaliger Bauingenieur als fachlicher Beistand, haben sich zum „Team Breitfilz“ zusammengeschlossen. Ihr Ziel: gemeinsam mit der Stadtverwaltung eine Vereinsgründung vorbereiten. „Seit zwei Jahren geht nichts vorwärts, deshalb gehen wir jetzt in die Offensive“, sagt Marianne Fesl. Natürlich ist sie sauer, auch auf die Stadt, weil seit dem Nutzungsverbot und dem nach zwei abgebrannten Hütten erlassenen Heizverbot kaum etwas geschehen sei. Fesl und ihr Mann Rudolf etwa haben 1.200 Euro in eine vom Kaminkehrer abgenommene Heizung investiert, die sie jetzt nicht benutzen dürfen. Andere Kleingärtner haben dafür noch viel mehr Geld ausgegeben. „Wenn man im Winter nicht heizt, wird aber alles modrig und feucht. In zwei, drei Jahren können wir die Hütten dann abreißen“, klagt Fesl. Inzwischen aber ist bei vielen Kleingärtnern die Erkenntnis gereift, dass man um den von der Stadt angestrebten Bebauungsplan und die Umsetzung der vom Landratsamt geforderten Brandschutz­auflagen nicht herumkommt. Und man weiß auch: Gegen die Stadtverwaltung wird man keine Verbesserung der aktuellen Situation erzielen. Und so haben sich Hattemer, die Fesls sowie Walter Höck, Christof Ludewig, Thomas Szenyei und Yusuf Türkilmaz zum „Team Breitfilz“ zusammengeschlossen, um gemeinsam mit dem Rathaus eine dauerhafte Lösung zu erarbeiten. 

Dieses Septett hat dabei keinen Auftrag der Breitfilzler, sondern nimmt das Heft des Handelns jetzt einfach mal in die Hand, wohlwissend, dass es unter den rund 250 Kleingärtnern auf dem 15 Hektar großen Areal auch solche gibt, die einem Verein nach wie vor mehr als kritisch gegenüberstehen. „Wir müssen jetzt erstmal mit der Stadt eine gemeinsame Basis finden“, sagt Paul Hattemer. Für ihn gibt es jedenfalls keine Alternative zu einem Verein: „Andernfalls wird das gesamte Gelände der Renaturierung anheimfallen“, ist er überzeugt. Weshalb die Stadtverwaltung so auf eine Vereinsgründung drängt, liegt auf der Hand: es geht um die Haftungsfrage, wenn etwas passieren sollte. Wie man an der Kleingartenanlage im Stegfilz sieht, kann ein Verein hier alle anfallenden Probleme viel leichter und effizienter lösen.

Dem „Team Breitfilz“ ist auch durchaus bewusst, dass im Zuge des angestrebten Bebauungsplans vor allem jene Parzellen nicht mehr zu halten sein werden, die unmittelbar ans Hochmoor grenzen. Im Rathaus geht man davon aus, dass etwa ein Drittel der Parzellen verschwinden muss. Dies ist auch Thomas Szenyei bewusst: „Diese Vorgaben aber müssen von der Stadt kommen. Im Rathaus muss klipp und klar gesagt werden, wer seine Parzelle verliert.“ Das könne nicht Aufgabe eines Vereins sein, dessen Vorstand dann über den Ausschluss von Kleingärtner­kollegen befinden müsse. „Das gibt nur böses Blut“, so ­Szenyei, der die Meinung vertritt: „Erst die Vorgaben durch die Stadt, dann der Verein.“ Marianne Fesl könnte sich in dieser Frage etwa vorstellen, dass jene Laubenpieper aus dem vom Bebauungsplan nicht mehr erfassten Außenbereich im Falle eines Beitritts zu dem Verein eine Parzelle zugewiesen bekommen. 

An dieser Stelle tritt nun Paul Hattemer, in baurechtlichen Verfahrensfragen erprobt, etwas auf die Euphoriebremse. Er erinnert an das Sicherheitskonzept, das die Stadt bei der Münchner Rechtsanwaltskanzlei Tacke-Krafft in Auftrag gegeben hat und das noch vor Weihnachten vorliegen soll. „Erst wenn dieses Konzept vorliegt, kann man sehen, welche Nutzung in Zukunft überhaupt möglich sein wird“, so Hattemer. Aber, und das macht er mit Nachdruck klar, das „Team Breitfilz“ will von Anfang an in alle Überlegungen eingebunden werden. Das betrifft auch den Bebauungsplan: „Wir wollen bei der künftigen Grenzziehung mitwirken“, unterstreicht Hattemer. Was er damit sagen will: Die Stadt wäre schlecht beraten, eine Entscheidung über die Köpfe der unmittelbar Betroffenen hinweg zu treffen. Und auch das wird im Gespräch mit dem „Team Breitfilz“ klar: „Wir kommen entgegen, wo wir können“, sagt Szenyei, man erwarte sich aber größtmögliches Entgegenkommen der Stadt, wenn es etwa darum gehe, völlig verlodderte Parzellen zu säubern oder Hecken zu entfernen, die einer Neuordnung der Parzellen im Weg stehen. Und: „Die Kosten, die auf die Pächter in diesem Zusammenhang zukommen, müssen überschaubar sein“, fordert Hattemer. 

Ein Problem, das fast jeden Schrebergärtner im Breitfilz umtreibt, bringt Christof Ludewig auf den Punkt: „Über die Neuordnung wissen wir null, rein gar nichts. Jetzt muss die Stadt auch mal auf uns zukommen.“ Dabei scheut das „Team Breitfilz“ ganz offenbar das Unangenehme nicht. „Wir würden die Vorarbeiten übernehmen und auch mit den Leuten sprechen, ob sie bereit wären, ihre Parzellen eventuell zu verkleinern“, betont Marianne Fesl. Die von der Stadt empfohlene Vereinsgründung ist also näher gerückt, dafür muss man sich im Rathaus aber auch auf die Kleingärtner zu bewegen. Dann, so macht Paul Hattemer klar, könne der ins Auge gefasste Verein dann auch das Gelände von der Stadt anpachten und die einzelnen Parzellen an seine Mitglieder weiter verpachten. Den Verein wird es aber nur geben, wenn die Stadt sich nicht aus der Verantwortung stiehlt und bei unangenehmen Fragestellungen nicht kneift. la

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